Inhalt - Die Geschichte von Silvia

  • Die Geschichte von Silvia

    Ein Knacken – und der Schmerz war da

    «Mit Skifahren habe ich aufgehört, weil ich einfach zu sehr Angst hatte, dass jemand in mich reinfährt.
    Das will ich nicht mehr riskieren.»

    Silvia

    Ende der 90er Jahre: Silvia ist bei sich zu Hause, will etwas Schweres vom Boden hochheben. Etwas knackst in ihrem Rücken; seit diesem Moment hat sie Schmerzen an der Wirbelsäule. Sie ruft ihren Ehemann an, erzählt vom Unglück. Er, damals noch praktizierender Arzt, gibt ihr eine schmerzlindernde Spritze, die kurzfristig hilft und den geplanten Ferienflug am nächsten Tag doch noch ermöglicht. Nach den Ferien geht Silvia zum Arzt, wo sie sich untersuchen und ein MRI machen lässt. Sie bekommt Physiotherapie verordnet. Die Patientin war vier Wochen lang in der Schmerzklinik und musste sich zweimal täglich therapieren lassen. Geholfen hat es nicht. Wie sich herausstellte, war es ein Bandscheibenvorfall, der 1997 operiert werden musste. Später folgte eine weitere Operation, um eine Spinalkanalstenose (Verengung des Wirbelsäulenkanals) zu beheben.

    Silvia war beim Unfall Mitte fünfzig. Sie kümmerte sich um die ersten der mittlerweile sechs Enkelkinder, reiste mit ihrem Mann um die Welt, fuhr Ski, wanderte und spielte Tennis. «Heute geht das leider nicht mehr. Stoppbälle erreichen – unmöglich.»

    Besserung in Sicht: die erste OP am Unispital

    Als sie 2007 erstmals am Universitätsspital Basel operiert wurde, litt sie noch immer unter Wirbelsäulenbeschwerden. Eine Stabilisationsoperation an der Lendenwirbelsäule (Versteifungsoperation), in der Fachsprache Spondylodese genannt, war nötig. Denn bereits nach Wachstumsabschluss treten Alterungs- und Verschleisserscheinungen auf, die zu Rückenschmerzen führen können. Ziel der Operation ist es, die Beweglichkeit der Wirbel auszuschalten und dadurch den Schmerz zu lindern. Durch den Eingriff kann es aber vorkommen, dass andere Wirbel beeinflusst und fortan stärker abgenutzt und beansprucht werden. Auch bei Silvia war dies der Fall; ein neuer Bandscheibenvorfall trat auf.

    Der Spezialist richtet die Wirbelsäule neu

    Neben den Schmerzen konnte die Patientin auch nur stark vornübergebeugt gehen. Eine erste Operation bei Prof. Stefan Schären, dem Chefarzt und Leiter des Wirbelsäulenzentrums am Universitätsspital Basel, wurde im März 2015 nötig. Die (hoffentlich) letzte Operation folgte schliesslich im November 2015: In knapp vier Stunden sorgten Prof. Schären und sein Team dafür, dass sich Silvias Wirbelsäule wieder aufrichtete und sie in die ursprüngliche S-Form zurückging. Dabei wurde die Wirbelsäule getrennt und neu gerichtet. Der Wirbelsäulenspezialist schnitt an einem Wirbel einen Keil heraus und «klappte» den Wirbel zusammen, worauf sich die vornübergebeugte Wirbelsäule wieder aufrichtete.

    Eine Keilosteotomie für die Lebensqualität

    Diese sogenannte Keilosteotomie ist wie jede Operation mit gewissen kleinen Risiken verbunden, doch für die Lebensqualität der Patientin stand der Eingriff ausser Frage. Silvia musste anschliessend ein Korsett tragen und zur Physiotherapie, um ihre Muskulatur wieder aufzubauen. Glücklicherweise konnte sie während der ganzen Zeit auf die Unterstützung der Familie zählen. Ihre beiden Kinder nahmen sie während je einer Woche nach dieser letzten Operation bei sich auf, so dass sie die Hilfe der Spitex nur kurz benötigte.

    «Irgendwann lernen Sie, mit dem Schmerz umzugehen, aber man wird ein bisschen unsicher, man getraut sich nicht mehr so richtig.»
    Silvia

    Es ist schön, dass die aufgeweckte und mitten im Leben stehende Frau endlich wieder so unabhängig sein kann. Dass sie die Schmerzen und die körperlichen Defizite eingeschränkt haben, glaubt man ihr sofort. Doch von jetzt an sollte es aufwärts gehen – die Wirbelsäule ist wieder gerichtet, die Rückenmuskulatur wird nicht mehr überbeansprucht.

    Im Alltag war Silvia enorm eingeschränkt, wie sie selber sagt, allerdings sei es besser geworden. Heute sprechen sie sogar Leute, die sie nur flüchtig kennen, auf ihre gerade Haltung an. Auch langes Sitzen strengt sie an. Wenn sie arbeitet, läuft sie oft umher oder steht.

    Angst? Ich mach mich doch nicht verrückt!

    «Ich fürchte mich nicht davor, dass es wieder zu einem Bandscheibenvorfall kommen könnte. Ich mache mich damit nicht verrückt, das hat keinen Sinn.» Den Aufenthalt im Universitätsspital verbindet Silvia mit guten Erinnerungen. «Da war alles tipptopp.» Jetzt geht sie nur noch zur Kontrolle vorbei.

    Alles kann Silvia nicht mehr machen: «Ich musste mein Leben umstellen». Heute verzichtet sie auf Sport, dafür ist Kultur wichtiger. Konzerte, Theater, Ausstellungen – alles, was für ihre Begriffe ungefährlich ist. Sie geht oft draussen spazieren. Und auch das Reisen lässt sie sich nicht nehmen: «Ich bin leider nicht mehr so mobil, man ermüdet auch schneller. Und man wird bequemer. Im Sommer machte ich zum Beispiel eine Schiffsreise. Die Urlaube sind halt etwas weniger aktiv als früher.» Auch hat sie sich vorgenommen, nichts mehr hochzuheben. Jedenfalls nichts Schweres.

    Endlich wieder aufrecht gehen

    Silvia wünscht sich ein schmerzfreies Leben. Ihr Arzt, Prof. Schären, drückt es vorsichtiger aus: Ein relativ beschwerdearmes Leben sei nach der langen Leidenszeit möglich. Etwas Wichtiges ist ja schon geschafft: Dank des letzten Eingriffs von Prof. Schären kann sie immerhin wieder aufrecht durchs Leben gehen.

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