Inhalt - Februar

Mediencommuniqués vom Februar 2010

Mediencommuniqué vom 22.02.2010

HIV: Neue Erkenntnis wird zu Änderung der bisherigen Behandlungsrichtlinien führen

Publikation von neuen Forschungsresultaten einer Gruppe von Forschern des Universitätsspitals Basel im renommierten Fachorgan Plos Medicine 2010, 22 Februar 2010

Die HIV Infektion ist weltweit mit 30 Millionen Infizierten eine der bedeutendsten Infektionskrankeiten. Dank den enormen Fortschritten bei der Entwicklung von hochwirksamen antiretroviralen Medikamenten ist diese tödliche Infektionskrankheit zu einer behandelbaren chronischen Krankheit geworden. Bei den meisten Menschen, die nicht gegen HIV getestet wurden, verläuft eine HIV Infektion asymptomatisch bis sich die Immunfunktion derart verschlechtert und eine so genannte AIDS definierende Erkrankung wie z.B. Tuberkulose auftritt. Die Verschlechterung der Immunfunktion hängt stark mit der durch HIV Infektion bedingten Abnahme der Helferzellen (CD4 T-Zell-Lymphozyten) zusammen. Das Virus zerstört diese Zellen systematisch. Deshalb ist die CD4 Zellzahl eine wichtige Grösse, um zu entscheiden, wann eine Therapie mit antiretroviralen Medikamenten gegen HIV begonnen werden soll und um den Erfolg der Therapie zu überwachen.

Die meisten internationalen Behandlungsrichtlinien empfehlen bei HIV infizierten Patienten ohne Beschwerden bei einer CD4 Zellzahl unter 350 Zellen pro Microliter oder aber bei einem raschen Abfall auch bei höherer CD4 Zellzahl die Behandlung zu beginnen.

Eine Gruppe von Forschern des Universitätsspitals Basel hat in einer internationalen Kooperation Daten von 23 Kohortenstudien aus Europa, Amerika und Australien mit über 2800 Patienten, bei welchen das Datum der Ansteckung mit HIV bekannt ist, untersucht. Bei diesen Patienten konnte also der natürliche Abfall der Helferzellen von der akuten Infektion bis zum jeweiligen Behandlungsbeginn beobachtet werden. Ingesamt erkrankten oder starben 255 Patienten nach Behandlungsbeginn an AIDS. Mit Hilfe von komplexen statistischen Modellen untersuchte die Gruppe unter der Leitung von Prof. Heiner C. Bucher vom Universitätsspital Basel, ob eine rasche Immunverschlechterung prognostisch bedeutsam ist. Die Forscher fanden, dass die Dynamik der Immunverschlechterung zwischen Patienten enorm variiert und nicht vorhersagbar ist. Patienten mit raschem und langsamem Abfall der Helferzellen hatten kein unterschiedliches Erkrankungsrisiko. Die aktuelle CD4 Zellzahl, bei welcher Patienten eine Therapie beginnen, ist jedoch prognostisch hoch bedeutsam. Neuere Daten weisen darauf hin, dass wahrscheinlich Patienten mit einer CD4 Zellzahl von über 350 Zellen pro Microliter von einer antiretroviralen Therapie profitieren. Der Dynamik der Immunverschlechterung bis zum Erreichen einer gegebenen CD4 Zellzahl (zum Beispiel von 350 Helferzellen pro Miroliter ) kommt jedoch keine Bedeutung zu. Diese Erkenntnis ist neu und wird zu einer Änderung der bisherigen Behandlungsrichtlinien führen.

Pretreatment CD4 Cell Slope and Progression to AIDS or Death in HIV-Infected Patients Initiating Antiretroviral Therapy—The CASCADE Collaboration: A Collaboration of 23 Cohort Studies
Marcel Wolbers1,2, Abdel Babiker3, Caroline Sabin4, Jim Young1, Maria Dorrucci5, Genevie`ve Cheˆne6, Cristina Mussini7, Kholoud Porter3, Heiner C. Bucher1, on behalf of the CASCADE Collaboration

Basel Institute for Clinical Epidemiology & Biostatistics
Universitätsspital Basel
CH-4031 Basel
Tel. +41 61 265 3100
hbucher@anti-clutteruhbs.ch

Medienauskunftsstelle

Andreas Bitterlin

Leiter Unternehmenskommunikation
Tel. +41 61 265 25 25
Fax +41 61 265 26 50

abitterlin@anti-clutteruhbs.ch

Fusszeile