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November 2011

Mediencommuniqué vom 22.11.2011

Neu am Universitätsspital Basel: Ein Bypass für die Herzklappe

Die Verengung (Stenose) der Aortenklappe ist die häufigste Herzklappenerkrankung in den Industrieländern. Für Risikopatienten, bei denen der klassische oder der kathetergestützte Ersatz der Aortenklappe nicht in Frage kommt, bietet das Universitätsspital Basel jetzt eine Alternative an: den Aortenklappen-Bypass.

Als europaweit erstes Krankenhaus hat das Universitätsspital Basel (USB) mit einem neuen System einen Aortenklappen-Bypass am schlagenden Herzen angelegt. Dabei wird der Patientin oder dem Patienten mit Hilfe einer klappentragenden Rohrprothese das Blut aus dem Herzen um die verengte Herzklappe herum geleitet. Die linke Hauptkammer erhält dazu eine zweite Ausflussöffnung nahe der Herzspitze, an der ein flexibles Rohr angeschlossen wird, das eine Herzklappenprothese aus biologischem Material enthält. Das zweite Ende des Rohres wird direkt mit der absteigenden Hauptschlagader verbunden. Der Blutstrom vom Herzen zum Körper verzweigt sich danach und wird zum großen Teil über den Bypass umgeleitet. Der Widerstand, gegen den der Herzmuskel durch die Verengung der alten Klappe anpumpen musste, wird so reduziert. Die Symptome der Klappenverengung, wie Atemnot oder Schwindelanfälle, gehen zurück.

Dieser Eingriff eignet sich vor allem bei Risikopatienten, bei denen weder eine konventionelle Klappenoperation noch kathetergestützte Verfahren in Frage kommen. Den Aortenklappen-Bypass legen die Basler Chirurgen in der Regel schonend ohne Einsatz der Herz-Lungenmaschine am schlagenden Herzen an. Implantiert wird die Rohrprothese über einen Schnitt zwischen den Rippen ohne das Brustbein öffnen zu müssen. Während des Eingriffs wird die verengte und oft stark verkalkte Klappe des Patienten nicht manipuliert. So wird das Ablösen von Verkalkungen vermieden. Deshalb erwarten die Basler Mediziner auch, dass es kaum zu Schlaganfällen als Folge der Operation kommen wird. Schlaganfälle treten bei anderen Verfahren zwar selten auf, können aber die Lebensqualität der wenigen betroffenen Patientinnen und Patienten stark einschränken.

Die Expertise des USB bei der Anwendung der neuen Herzklappen-Technik wird inzwischen auch international wahrgenommen. Das USB trainiert Chirurgen aus ganz Europa in der Anwendung der Technik und wird seine Ergebnisse mit der neuen Technik wissenschaftlich auswerten.

Für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte an
PD Dr. Oliver Reuthebuch
Telefon +41 61 328 77 53,
oreuthebuch@anti-clutteruhbs.ch

Mediencommuniqué vom 02.11.2011

Multiple Sklerose: Studie belegt Wirksamkeit eines neuen Medikaments

Eine internationale Forschergruppe unter Leitung von Ludwig Kappos von Universität und Universitätsspital Basel konnte in einer in 20 Ländern durchgeführten klinischen Studie belegen, dass der neu entwickelte monoklonale Antikörper Ocrelizumab die Anzahl von an der Entstehung der Multiplen Sklerose beteiligten Immunzellen schnell vermindert und die krankheitsbedingten entzündlichen MS-Herde und klinischen Schübe effizient verringert. Die Studienergebnisse wurden in der renommierten Medizinzeitschrift «The Lancet» veröffentlicht.

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische, meist zu Behinderung führende Erkrankung, bei der das Immunsystem der Betroffenen das zentrale Nervensystem angreift. Diese Attacken führen zu Entzündungen und zu Episoden mit neurologischen Störungen (Schübe) sowie zu einer fortschreitenden Behinderung.

Entgegen früheren Annahmen, dass die Entzündung bei MS ausschliesslich durch T-Zellen – sie steuern die zellulären Reaktion des Immunsystems – kontrolliert wird, legen neuere Befunde nahe, dass B-Zellen – sie bestimmen die antikörpergebundene Immunreaktionen – treibende Kraft für pathologische Immunreaktionen sind.

Eine internationale Forschergruppe unter Leitung von Prof. Dr. Ludwig Kappos, Forschungsgruppenleiter am Departement Biomedizin der Universität Basel und Chefarzt der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsspital Basel, hat einen neuen humanisierten monoklonalen Antikörper («Ocrelizumab»,F.Hoffmann-La Roche Ltd, Basel), der gezielt CD20 positive B-Zellen vermindert, bei Patienten mit schubförmig verlaufender Multipler Sklerose in einer Phase II Studie geprüft. CD20 ist ein Oberflächenprotein, das auf bestimmten B-Zellen exprimiert wird.

Eindrückliche Resultate
In der doppel-blinden und placebokontrollierten Studie haben die Forschenden die Wirksamkeit und Sicherheit von zwei Dosierungen von Ocrelizumab bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose untersucht. Das neue Medikament verminderte die Anzahl bei monatlichen Kernspintomografien nachweisbarer aktiver Herde in der niedrig dosierten (600 mg) Ocrelizumab-Gruppe um 89% und in der hoch dosierten (2000 mg) Gruppe um 96% gegenüber der Placebogruppe. Die Schubhäufigkeit war um 80 bei der niedrigeren bzw. 72% bei der höheren Dosis auch signifikant tiefer als in der Placebogruppe. Deutliche Vorteile zeigten sich für beide Dosierungen auch im Vergleich mit einer Behandlung mit Interferon Beta. Schwere Nebenwirkungen waren selten und in allen Therapiegruppen in ähnlicher Häufigkeit beobachtbar.

Die Wissenschaftler kommen zum Schluss, dass bei aller Vorsicht das Ausmass der Wirkung von Ocrelizumab auf MS-Herde und klinische Schübe im Vergleich zu etablierten Behandlungen, aber auch zu den meisten anderen in Entwicklung befindlichen Substanzen im Vorteil ist. An der Studie nahmen 218 Patienten aus 79 Zentren in 20 Ländern teil. Die Probanden waren zwischen 18 und 55 Jahre alt und hatten schubförmig-remittierend verlaufende Multiple Sklerose. Das neue Medikament soll nun in länger andauernden Phase III Studien mit mehr Patienten weiter getestet werden.

Originalbeitrag
Ludwig Kappos, David Li, Peter A Calabresi, Paul O’Connor, Amit Bar-Or, Frederik Barkhof, Ming Yin, David Leppert, Robert Glanzman, Jeroen Tinbergen und Stephen L. Hauser
Ocrelizumab in relapsing-remitting multiple sclerosis: a phase 2, randomised, placebo-controlled, multicentre trialThe Lancet, Early Online Publication, 1 November 2011 | doi:10.1016/S0140-6736(11)61649-8

Weitere AuskünfteProf. Dr. Ludwig Kappos, Neurologische Klinik und Poliklinik, Universitätsspital Basel, Tel. 061 265 4464/4154, E-Mail: lkappos@anti-clutteruhbs.ch

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