Inhalt - Patientengeschichte

Wie Natalia dank der Stammzellen ihrer Schwester neue Hoffnung fand.

Plötzlich bestimmte sie ihr Leben nicht mehr allein.

  • Natalia lebt in Biel, in der Nähe des Bahnhofs und ihres Onkologen. Vor über zehn Jahren ist sie aus Moldawien in die Schweiz gekommen. Eine fröhliche junge Frau, energiegeladen und fleissig, die sich hier von der Verkäuferin bis zur Store Managerin hochgearbeitet hat. Doch das Schicksal hatte andere Pläne für sie: mit 28 Jahren erhielt sie die Diagnose akute lymphatische Leukämie. Eine Diagnose, die vor allem Kinder trifft, bei Erwachsenen aber eher selten ist. Ihre Behandlung erfolgte zuerst in Bern, dann am Unispital Basel: Hier wurden ihr blutbildende Stammzellen transplantiert, die ihre Schwester gespendet hatte. Für allogene Stammzelltransplantationen, also solche von anderen Menschen, ist Basel das grösste Zentrum der Schweiz. 2015 wurden exakt 131 Stammzelltransplantationen durchgeführt, Fremd- und Eigenspenden zusammengezählt. Natalias Leben stellte sich 2013 auf den Kopf: Prioritäten wurden anders gesetzt und Gesundheit war plötzlich nicht mehr selbstverständlich. Auch heute, drei Jahre später, ist sie noch Patientin am Zentrum für Stammzelltransplantation, obwohl sich ihr Leben immerhin etwas normalisiert hat.

  • Die Geschichte von Natalia

    Mai 2016, Natalia S. aus Biel und ursprünglich aus Moldawien, ist an ein Gerät angeschlossen, das ihr Blut erst hinaus- und dann wieder in sie hineinpumpt. Photopherese nennt sich diese Behandlung, die sie seit vergangenem November monatlich machen muss. Es ist eine Art Blutwäsche, die dafür sorgt, dass die transplantierten Blutstammzellen die Organe nicht mehr weiter abstossen. Drei Jahre zuvor erhielt Natalia, damals Store Managerin in einem Geschäft für Modeaccessoires, eine Diagnose, die vor allem Kinder bis 16 Jahre trifft: akute lymphatische Leukämie. Natalia fühlte erst eine lähmende Müdigkeit in sich, hatte enorme Schmerzen an den Rippen und sie geriet schnell ausser Atem. Nach einer Odyssee vom Hausarzt zum Chiropraktiker und Rheumatologen fanden die Spezialisten heraus, dass sie weder an Blutarmut noch an einer Januardepression litt. Natalia musste nach Bern zu einer ersten Chemotherapie, die allerdings nicht ausreichte. Ein möglicher Ausweg: eine Transplantation von blutbildenden Stammzellen. Prof. Jakob Passweg, der Leiter des Zentrums für Stammzelltransplantation, und sein Team am Universitätsspital Basel konnten Natalia weiterhelfen. Nachdem sich ihre Schwester als kompatible Spenderin herausgestellt hatte, begann man sofort mit einer starken Chemotherapie. Natalia lag sechs Wochen lang auf der Isolierstation und durfte ihr Einzelzimmer nicht verlassen, während die Chemo wirkte und ihr Immunsystem quasi lahmlegen sollte. Zweieinhalb Jahre nach der Transplantation tauchten neue Beschwerden auf, denn Natalia hatte eine sogenannte Graft-versus-Host-Disease (Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion) entwickelt. Mit Medikamenten, etwas Kortison und dieser Photopherese setzt das Team vom Unispital auch heute alles daran, die Beschwerden in den Griff zu bekommen und Natalia auch nach ihrer Stammzelltransplantation zu begleiten.

  • Das Expertengespräch mit Prof. Jakob Passweg
  • Mehr über unser Zentrum für Stammzelltransplantation

    Das Universitätsspital Basel ist in der Schweiz das grösste Zentrum für allogene (Fremdspende) Stammzelltransplantationen. Diese werden sonst nur noch in Zürich und Genf durchgeführt. Die autologe (Eigenspende) Stammzelltransplantation findet hingegen in mehreren Zentren in der Schweiz statt.

    Unser Behandlungszentrum setzt sich zusammen aus:

    • der Klinik für Hämatologie für Erwachsene
    • dem Labor, das verantwortlich für die Verarbeitung der Stammzellen ist
    • der Frauenklinik, in welcher Nabelschnurstammzellen gesammelt werden
    • einem grossen administrativen Teil mit Transplantationskoordinatorinnen, welche die ganze Logistik im Auge behalten.

     

    Sowie unseren externen Partnern:

    • das Universitäts-Kinderspital
    • dem Blutspendenzentrum des Schweizerischen Roten Kreuz, welches sich um die Spenderabklärung kümmert
  • News aus der Forschung

    Momentan wird viel daran gearbeitet, die Abstossungsreaktionen bei Stammzellentransplantationen zu vermindern oder effektivere Medikamente zu finden. In den letzten Jahren hat die Sterblichkeit deutlich abgenommen, allerdings stehen wir auch herausfordernden Situationen gegenüber: Vor 10 Jahren waren die meisten Patienten jünger als 50 Jahre, heute gibt es Patienten, die älter als 70 sind und die eine solche Therapie bekommen können.

    Rückfallrisiko nimmt immer mehr ab

    Bei einer Stammzellentransplantation mit einem Spender aus der Familie ist das Risiko, wieder an Leukämie zu erkranken, nach drei Jahren minim – deshalb wird diese belastende Therapie auch durchgeführt. Am Anfang beträgt es etwa 20 bis 25%, danach nimmt es jährlich um ca. 10% ab. Das Risiko an einem Sekundärtumor zu erkranken besteht jedoch.

    Es gibt viele andere Therapieformen

    Chemotherapien, neue Immuntherapien, neue gezielte Medikamente. Europaweit ist die Stammzelltherapie weiterhin im Vormarsch. Sie nimmt stetig zu; 2014 wurden europaweit erstmals mehr als 40'000 Patientinnen und Patienten behandelt. Dazu kommt: Da es sich um eine aufwändige und gefährliche Therapie handelt, versucht man das Vorgehen so gut wie möglich zu standardisieren. Das Universitätsspital Basel ist JACIE akkreditiert (JACIE = Joint Accreditation Comitee ISCT EBMT, www.jacie.org). Mit Fokus auf die akute lymphatische Leukämie gibt es die Gruppe GRAALL (Group for Research in Adult Acute Lymphoblastic Leukemia), in der sich das Universitätsspital Basel zusammen mit  73 anderen hämatologische Zentren (57 in Frankreich, 7 in Belgien und 8 in der Schweiz) zusammengeschlossen hat. (www.graall-leukemia.fr).

  • «Ich erkannte mich selbst kaum wieder.
    Ich fühlte mich wie eine Flamme, die immer weniger brannte.»

  • Natalia 2

    «Prof. Passweg kam auf mich zu und erklärte mir die Dinge verständlich.»

Weitere Patientengeschichten
 
  • Doreens erfolgreicher Kampf gegen den Eierstockkrebs.
  • Die Geschichte von Bruno und Rolf und wie die Zwillinge fast getrennt worden wären.
  • Wie Silvia nach fünf Operationen wieder aufrecht gehen konnte.

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