Karriereblog des Universitätsspitals Basel
31. March 2021

«Ich möchte junge Ärztinnen und Ärzte motivieren, Familie und Beruf zu vereinbaren»

In der Inneren Medizin, wo Sonja Seelmann als Oberärztin arbeitet, ist schwanger sein und die Vereinbarung von Familie und Beruf kein Tabuthema. Die Mehrheit der Oberärztinnen und Oberärzte haben Kinder, die meisten mehr als eines. Diese Offenheit findet sich leider nicht überall in der Branche so: Sie selbst hat schon erlebt, dass sie aufgrund einer Schwangerschaft eine Stelle nicht bekommen hat. Im Gespräch erzählt sie uns offen über ihre Karriere-Stolpersteine, die sie als Frau in der Medizin erlebt hat, und wie sie sich am Unispital Basel für verbesserte Karrieremöglichkeiten mit Teilzeitarbeit einsetzt.

 

Familie oder Karriere? Beides!

 Sonja Seelmann ist nicht nur leidenschaftliche Ärztin, sie ist auch leidenschaftliche Mutter. Für sie war früh klar, dass sie Karriere und Familie vereinbaren möchte. Bereits nach dem Studium bekam sie ihr erstes Kind und absolvierte fast ihre gesamte Facharztausbildung in Teilzeit. Hürden, die sich ihr während ihrer Laufbahn in den Weg gestellt haben, hat sie einfach selber aus dem Weg geräumt. So hat sie angefangen, sich direkt mit einer Partnerin auf Stellen zu bewerben, was als «Jobsharing» bezeichnet wird. «Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Arbeitgeber offener auf Teilzeitstellen eingehen, wenn eine Lösung angeboten wird.» Allgemein empfiehlt Sonja Seelmann jungen angehenden Ärztinnen und Ärzten, sich gut und frühzeitig über Karriere- und Familienplanung zu informieren und Bedürfnisse offen anzusprechen. Ihr persönlich hat es sehr geholfen, sich zu vernetzen und sich mit anderen Ärztinnen und Ärzten, welche Familie haben, auszutauschen. Sie ist deshalb gerne in ihrer Klinik die Ansprechperson für schwangere Kolleginnen, die Fragen über Karriereplanung haben, wissen wollen, welche Dienste sie noch machen dürfen, oder einfach nur Tipps zur Kinderbetreuung brauchen. 

Bessere Karrieremöglichkeiten für Teilzeitarbeitende

 Da Sonja Seelmann es schade findet, dass Kolleginnen und Kollegen, die Teilzeit arbeiten, in ihrer Karriere oft nicht die gleichen Chancen haben, hat sie sich dazu entschlossen mitzuhelfen, dass es zukünftige Ärztinnen und Ärzte weniger schwer haben in ihrer Laufbahn. «Ich möchte junge Ärztinnen und Ärzte motivieren, Familie und Beruf zu vereinbaren. Auch wenn sich die Bedingungen in den letzten Jahren verbessert haben, haben Kolleginnen und Kollegen, die Teilzeit arbeiten, noch immer nicht die Karrieremöglichkeiten, die sie haben sollten.» Aus diesem Grund setzt sie sich in einer Projektgruppe, bestehend aus Ärztinnen und Ärzten der Inneren Medizin, Vertreterinnen des HR und einer externen Projektbegleiterin, am Unispital Basel für familienfreundliche Arbeitszeitmodelle ein. Ihr Ziel? Chancengleichheit und Familienfreundlichkeit für alle – auch Teilzeitarbeitende. Sonja Seelmann möchte erreichen, dass es zukünftig Teilzeitstellen mit fixen Arbeitstagen gibt und dass auch aktiv mehr Teilzeitstellen für Ärztinnen und Ärzte ausgeschrieben werden. Zudem soll ein Bewusstsein geschaffen werden, dass eine Ärztin oder ein Arzt auch eine gute Ärztin oder ein guter Arzt in Teilzeitarbeit sein kann. Ansonsten werden künftig noch mehr talentierte und motivierte Ärztinnen und Ärzte verloren gehen, weil Familie und Beruf nicht vereinbart werden können.

 Neue Arbeitszeitmodelle

Das Projekt ist herausfordernd: Schichtdienst, lange Arbeitstage und Wochenendarbeit erschweren es, eine gute Lösung für die Kinderbetreuung zu finden. Bisherige Teilzeitmodelle sehen oft so aus, dass ein oder zwei Wochen Vollzeit gearbeitet wird und man danach ebenso lange frei hat. Viele Kitas bieten aber keine flexiblen Betreuungsangebote an. Auch ist es häufig schwierig, Kinder abends rechtzeitig abzuholen, da Kinderbetreuung oft nur bis 18 Uhr gut funktioniert. Mit Arbeitszeitmodellen, die sowohl die Anforderungen der Klinik als auch die Bedürfnisse der Mitarbeitenden berücksichtigen, möchte Sonja Seelmann gemeinsam mit ihrer Projektgruppe diesem Problem entgegenwirken. Eine Analyse der Strukturen, Prozesse und Dienstpläne sowie des Tagesablaufes in der Inneren Medizin ist erfolgt und bildet die Basis für neue Lösungen. Eine Idee, die zurzeit verfolgt wird, ist die Bildung von Jobsharing-Paaren bei Assistenz- und Oberarztstellen. Nun geht es darum, die Voraussetzungen für eine optimale Schicht- bzw. Patientenübergabe zu definieren, bei der die Sicherheit und Kontinuität der Patientenbetreuung zentral ist.

 Mehr Frauen in Führungspositionen

 Natürlich reicht es nicht, nur beim Arbeitszeitmodell Veränderungen anzubringen. Bei der Förderung von Frauen, die meistens immer noch der Teilzeit arbeitende Elternteil sind, besteht in der klinischen und akademischen Karriere in vielen Bereichen Handlungsbedarf. Die Geschlechterdisbalance zwischen dem Anteil Frauen im Medizinstudium gegenüber dem Anteil Ärztinnen in leitender Funktion ist markant. Aus diesem Grund ist es das Ziel des Universitätsspitals Basel, Ärztinnen gezielt in ihren medizinischen Karrieren zu unterstützen, mit Mentoring, Coaching, guten Kinderbetreuungsangeboten und besseren Arbeitszeitmodellen. Bereits 2017 wurden Zielwerte bezüglich des Frauenanteils sowohl in den Kategorien Leitende Ärztinnen, Kaderärztinnen und Chefärztinnen als auch im Bereich generelle Kaderfunktionen von Spitalleitung und Verwaltungsrat verabschiedet.

 

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