14. January 2020

Ernährung und Psychiatrie

Prof. Dr. Undine Lang, Klinikdirektorin der Klinik für Erwachsene und Privatklinik Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel, Ordinaria für Psychiatrie der Universität Basel

 

Der Mensch ist ein grosses Ökosystem, tatsächlich leben in unserem Organismus mehr bakterielle Zellen als menschliche. Die Bakterien im Darm verfügen über 100-mal so viele Gene wie der Mensch in sich trägt. Die meisten dieser Bakterien tun uns Gutes. Sie sitzen im Darm, der sich mit dem Gehirn und dem Immunsystem im dauernden Austausch befindet. Der Darm beeinflusst die Psyche massgeblich, einerseits über Hormone, andererseits über die Bildung von Metaboliten. Der Darm kann den Appetit steuern, das Lernen verbessern, die Stimmung beeinflussen, er kann Craving erzeugen und Suchtverhalten. Darmhormone können Angst erzeugen und Bakterien im Darm, die als Mikrobiom bezeichnet werden, bilden Hirnbotenstoffe. Dass der Darm in der Therapie Relevanz haben könnte wurde für verschiedene psychische Krankheitsbilder wie Depressionen, Stress, Abhängigkeitserkrankungen, Autismus und Parkinson diskutiert. Zum einen kann ein gesunder Ernährungsstil vor diesen Erkrankungen schützen, zum anderen können Ernährungsmängel zu diesen Erkrankungen beisteuern. Ob wir in Zukunft durch eine Ernährungsumstellung, die Gabe von Bakterien (Probiotika) oder gar einen Austausch von den Darmbakterien (dem Mikrobiomtransfer) psychiatrische Erkrankungen lindern können wird an den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel (UPK) derzeit untersucht.

Präsentation