17. February 2015

Virtuelle Beziehungen – Reflexionen zu Beziehungsgestaltung und Beziehungsformen in neuen Medien

Prof. Dr. Dipl. Psych. Christian Roesler, Professur für Klinische Psychologie und Arbeit mit Familien, Katholische Hochschule Freiburg (D)

 

Im Zuge der Ausbreitung der Nutzung neuer Medien (Internet, Mobilfunkdienste etc.) auf verschiedenste Gesellschaftsbereiche werden zunehmend auch soziale Beziehungen, ja sogar Paarbeziehungen über virtuelle Kanäle aufgenommen und gestaltet. Angesichts der Vorteile, die die Kommunikation über Internet und neue Medien darstellt, war es unvermeidlich, dass diese neuen Kommunikationstechnologien schliesslich auch Anwendungen im Bereich der Psychotherapie finden würden. Die Anwendung von Psychotherapie über neue Medien zeitigt zwar teilweise Erfolge, bringt aber auch Schwierigkeiten mit sich und hat auch Kritik hervorgerufen.

Im Vortrag sollen die Veränderungen, die die Kommunikation in neuen Medien für soziale Beziehungen mit sich bringen, auf einer grundlegenden Ebene reflektiert werden. Hierbei soll folgende These dargelegt und illustriert werden: Die technischen Bedingungen der virtuellen Interaktion erzeugen neue Sozialformen, sie bilden nicht einfach bestehende Sozialformen auf neuen medialen Ebenen ab, sondern wirken wiederum in die sozialen Beziehungen hinein und verändern diese, schaffen also neue Beziehungsformen und veränderte soziale Wirklichkeiten. Es wäre geradezu naiv und für die Bereiche Paarbeziehungen und Psychotherapie potenziell auch gefährlich, anzunehmen, dass die bekannten Beziehungsformen sich einfach eins zu eins im virtuellen Feld abbilden werden. Vielmehr kommt es durch die Interaktion in neuen Medien zu strukturellen Veränderungen der Beziehungsgestaltung und es entstehen neue Beziehungsformen, die bisher noch wenig bekannt sind. Diese Veränderungen werden anhand von z.T. auch eigenen Forschungsergebnissen zu virtuellen Paarbeziehungen, dem Erfolg von online Partnervermittlungsbörsen und der Internet-basierten Psychotherapie illustriert.

Der Vortrag plädiert für einen reflektierten Umgang mit diesen Interaktionsformen, der deren Vorteile und Erfolge weder überhöht noch leugnet und zugleich sich deren gesellschaftlichem Veränderungspotential und möglichen Gefahren bewusst ist.

Vortragspräsentation zu "Virtuelle Beziehungen – Reflexionen zu Beziehungsgestaltung und Beziehungsformen in neuen Medien"

Virtuelle Beziehungen – Reflexionen zu Beziehungsgestaltung und Beziehungsformen in neuen Medien