Chirurgische Behandlungen

Chirurgische Massnahmen zur Geschlechsangleichung sind für viele Behandlungssuchende ein wichtiger Schritt zur Behebung der Geschlechtsdysphorie (GD) bzw. Geschlechtsinkongruenz (GI) und zur Erreichung einer guten Lebensqualität. Die Expertise des Universitätsspital Basels auf diesem Gebiet beruht auf eine jahrzehntelange Erfahrung. Dabei ist für uns ein abgestimmtes Vorgehen in einem interdisziplinären und multiprofessionellen Team selbstverständlich. Dazu gehören operativ tätigen Expert_innen aus den Bereich der Plastischen Chirurgie, Urologie, Gynäkologie und Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG).

Personen, welche ihre gesamte medizinische Transition am Schwerpunkt für Geschlechtervarianz durchlaufen, werden gemäss dem mit ihnen vereinbarten Transitionsplan seitens der Transitionskoordination an die Klinik für Plastische Chirurgie überwiesen. In Fällen, wo sich Personen ausschliesslich für operative Interventionen am Schwerpunkt für Geschlechtervarianz interessieren, kommt es bei der Erstvorstellung zu einem Doppeltermin, wo einerseits die formalen Voraussetzungen, damit die Krankenkasse den Eingriff bezahlen kann, überprüft werden und im Erstgespräch mit der Transitionskoordination und dem chirurgischen Team die individuellen Bedürfnisse erfasst und die entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Nach einer definitiven Zusage seitens der Behandlungssuchenden und bevor die Operationen geplant werden, erfolgt eine Kostenanfrage an die Krankenkasse, wobei ein Grossteil der Operationen zur Leistungspflicht der Versicherungen gehört.

Die Behandlungsleitlinien am Schwerpunkt für Geschlechtervarianz folgen internationalen Standards (Guidelines der World Professional Association of Transgender Health und S3-Leitlinie). Sie bilden die medizinische Basis, auf deren im Rahmen eines partizipativen Prozesses individuell entschieden wird, welche Eingriffe für welche spezifische Situation vorgesehen werden sollten.

 

Feminisierende Operationen

 

Brustkonstruktion

Die Bildung einer weiblichen Brust erfolgt meistens durch die Einlage von Silikonimplantaten. Dabei werden die modernsten und sichersten Implantate weltweit verwendet. Die Grösse der Implantate wird individuell je nach Körperproportion und individuellem Wunsch bestimmt. Alternativ kann die Brustkonstruktion auch durch Fettgewebstransfer von körpereigenem Fett durchgeführt werden. Für diese Technik sind gewisse körperliche Voraussetzungen (ein bereits durch die Hormontherapie oder leichtes Übergewicht vorhandener Brustansatz) und in der Regel zwei bis drei operative Sitzungen nötig.

 

 

Feminisierende Genitalangleichung

Zur genitalen Angleichung führen wir eine modifizierte Penisinversionstechnik durch, wobei die Schwellkörper (Corpora cavernosa) und die Hoden entfernt, sowie eine Klitoris, die kleinen und die grossen Schamlippen, eine neue Harnröhrenöffnung und eine Vagina neu gebildet werden. Die Vagina ist zu etwa einem Drittel mit Schleimhaut der eingeschlagenen, ungekürzten Harnröhre ausgekleidet. Auch die Verwendung von Darm ist denkbar, hiervon sehen wir jedoch – wenn möglich – bei der Primäroperation ab. Somit wird Feuchtigkeit in der Vagina erreicht, ohne einen risikoreichen Baucheingriff durchführen zu müssen. Je nach Situation können auch lediglich einzelne Schritte durchgeführt werden, z.B. lediglich eine Hodenentfernung (Orchiektomie).

 

Gesichtsfeminisierende Eingriffe

Für die Gesichtsfeminisierung bieten wir eine Palette von Eingriffen an, wie die Nasenkorrektur (Rhinoplastik), Kinn- und Kieferverschmälerung, Brauenlift oder Haarlinienkorrektur, welche teilweise in Zusammenarbeit mit den MKG-Kolleg_innen durchgeführt werden.

 

Reduktion Adamsapfel

Der Adamsapfel (Promenentia laryngis) kann sehr prominent am Hals sein. Deshalb bieten wir auf Wunsch eine Reduktion des Adamsapfels über einen submentalen Zugang an. Gelegentlich kann der Eingriff mit einer Cricoid-Thyroid-Approximation oder Laryngeal feminisation Surgery kombiniert werden (siehe Stimmerhöhende Operationen). Die Überweisung für diese Operation erfolgt am besten durch die Transitionskoordination.

 

 

Stimmerhöhende Operationen

In erster Linie wird nach einem Abklärungsgespräch und einer Stimmanalyse eine logopädische Stimmtherapie durchgeführt. Falls dadurch keine Erhöhung der Sprechstimme möglich war, können chirurgische Massnahmen zum Zuge kommen. Dabei haben sich in den letzten Jahren die Glottoplastik (nach Wendler), die Cricoid-Thyroid-Approximation (nach Isshiki) und die Laryngeal Feminisation Surgery durchgesetzt. Es bedarf einer genauen Abklärung, welche OP-Technik letztlich angewendet werden soll (Stimmanalyse, Computertomogramm Kehlkopf, Grösse des Adamsapfels, Wünsche der Person mit GD/GI).

 

Maskulinisierende Operationen

 

Brustkonstruktion

Zur Maskulinisierung der Brust ist die Entfernung der Brustdrüse nötig. Oft werden die Brustwarzen verkleinert und nach aussen verlagert, um damit ein möglichst ansprechendes Erscheinungsbild zu erreichen. Je nach Ausgangssituation sind weitere Techniken wie die «periareoläre Mastektomie» oder die sogenannte «Free nipple Technik» (Mastektomie mit freier Brustwarzentransplantation) möglich.

 

Gebärmutter-, Eierstock- und Scheidenentfernung

Die Gebärmutter- und Eierstockentfernung erfolgen minimalinvasiv mittels Laparoskopie (Bauchspiegelung). Hierbei werden diese Organe über die Vagina entfernt und diese wird am oberen Ende verschlossen.

Falls im weiteren Verlauf auch eine Penisbildung (Phalloplastik) gewünscht ist, empfehlen wir, bei diesem Schritt bereits die Scheide zu entfernen. In diesem Fall wird diese zunächst von oben mittels Bauchspiegelung präpariert. Anschliessend wird der Rest der Scheide von unten (vaginaler Zugang) entfernt und deren Eingang verschlossen.

Ist bei einer Voroperation bereits die Gebärmutter- und Eierstockentfernung erfolgt, kann die Scheide auch zu einem späteren Zeitpunkt entfernt werden. Dies wird über einen Zugang von unten (vaginaler Zugang), wo das Vaginalgewebe entfernt und anschliessend die Vulva verschlossen wird, gemacht.

 

Bildung eines männlichen Genitals/Phalloplastik

Zur Bildung eines Penis (Phalloplastik) bedarf es einer Reihe von Eingriffen. Weltweit werden verschiedene Techniken angeboten. Die zwei etabliertesten Techniken gehören zu unseren Standardverfahren:

  • Bekannt ist die Radialislappenplastik vom Unterarm, mit welcher in einem Schritt sowohl der Phallus, als auch die Harnröhre gebildet werden können. Diese Technik hinterlässt eine grosse Narbe am Unterarm sowie häufig auch Sensibilitätsstörungen in diesem Bereich.

  • Aufgrund dieser potenziellen Komplikationen bieten wir als Alternative eine Phalloplastik mit Gewebe vom Oberschenkel an, die sogenannte ALT (Antero-Lateral-Tigh) Lappenplastik. Mit dieser Technik lässt sich eine zirkuläre Narbe am Arm vermeiden, die Narbe am Oberschenkel ist beim Tragen von kurzen Hosen nicht sichtbar. Ebenso muss man bei dieser zweiten Technik mit keinen neurologischen Komplikationen im Handbereich rechnen.

Als weitere operative Schritte werden im Verlauf ein Hodensack (Scrotumplastik) und eine Eichel (Coronaplastik) gebildet. Als letzter Schritt können Penisimplantate (Hydraulische oder semirigide Penispumpe) und Hodenimplantate (Silikon) eingelegt werden.