Karriereblog des Universitätsspitals Basel
08. November 2021

«Der Mensch hinter dem weissen Kittel»

«Es ist das Analoge, das mich an der Arbeit auf meinem Hof so fasziniert.» Dr. Sebastian Mayer, Oberarzt Anästhesiologie, bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Frau einen Bauernhof in einem kleinen Dorf im Aargau – und findet so den perfekten Ausgleich

 

Zusammen mit zwei Pferden, sieben Schafen, elf Hühnern, sechs Katzen und zwei Hunden leben Sebastian Mayer und seine Frau in ihrem «kleinen Paradies». Der Hof ist für sie mehr als nur ein Hobby – schliesslich opfern die beiden dafür fast ihre ganze Freizeit: So pflanzen sie Gemüse und Kräuter an, besitzen verschiedenste Obstbäume, versorgen ihren Freundeskreis regelmässig mit Eiern von ihren Hühnern, bauen neu auch in sehr kleinen Rahmen Wein an und kümmern sich liebevoll um ihre vielen Tiere. Wer sich fragt, wie ein Oberarzt Anästhesiologie, dessen Frau ebenfalls als Anästhesistin arbeitet, all das unter einen Hut kriegt, spürt im Gespräch schnell, worum es hier geht: Pure Leidenschaft.

 

 Ein Zufallstreffer

«Die Idee, einen eigenen Hof zu besitzen, hegten wir schon sehr lange», erzählt Sebastian Mayer. «Wir träumten davon, unsere Pferde bei uns zu haben und hielten immer die Augen offen, um etwas Passendes zu finden. Zehn Jahre haben wir gesucht, und dann, vor etwa vier Jahren, fuhren wir auf dem Weg von Nottwil durch die umliegenden Dörfer – und wurden im aargauischen Reitnau, einem 1000-Seelen-Ort, fündig. Da haben wir gleich zugeschlagen.» Der Bauernhof mit Stall und Weiden, umgeben von alten Obstbäumen und in Waldnähe, war perfekt für Sebastian Mayer, seine Frau, ihre Hunde und die beiden Pferde – und so stand dem Bezug ins Traumhaus schon bald nichts mehr im Wege. «Unser Hof ist das letzte Haus im Dorf. Für uns wäre auch ein einsamer Bauernhof in Ordnung gewesen, aber so gefällts uns auch – man kennt sich hier, man grüsst sich und die Leute sind sehr freundlich.»

 

Regelmässig frische Eier fürs Team

Sebastian Mayer und seine Frau teilen die grosse Liebe zu Tieren. «Meine Frau hatte, als ich sie kennenlernte, immer eine Menge bedürftiger Tiere bei sich – Notfallkatzen, Notfallgeckos und so weiter. Wir waren immer sehr tieraffin und taten uns schon bald unseren ersten Hund zu. Seit etwa zwölf Jahren haben wir auch Pferde – lange im fremden Stall und jetzt im eigenen. Viele unserer Hühner kommen aus Legebatterien und dürfen jetzt hier bei uns wohnen.» Weder er noch seine Frau stehen samstags auf dem Markt mit ihren Erträgen – dafür hätten sie gar keine Zeit neben ihren anspruchsvollen Jobs. Vieles, das sie produzieren, konsumieren sie selbst – so beziehen die beiden passionierten Hobbyköche praktisch all ihre Zutaten aus dem eigenen Garten, inklusive Kräuter. «Was wir nicht essen, verschenken wir. Ich bringe meinem Team regelmässig Gemüse und Eier mit – da freuen sich immer alle. Auch geben wir Aprikosen oder Birnen weiter und kriegen dafür im Tausch Konfitüre oder Kompott.»

 

Viel Aufwand und viel Ursächliches

«Ja, es ist – obwohl wir regelmässig Hilfe haben – sehr viel Arbeit. Heimkommen und Füsse hoch gibt es bei uns nicht», bestätigt Sebastian Mayer. «Es gibt einfach immer etwas zu tun – und nichts davon lässt sich verschieben. Ich habe noch andere Hobbys, ich mache zum Beispiel Musik oder gehe gerne Rad fahren, aber das geht nur, wenn es der Hof erlaubt. Auch verreisen ist für uns eher schwierig.» Aber was treibt ihn an? Wofür der ganze Aufwand? «Es ist dieses Analoge, das ich so mag. Hier funktioniert alles nach dem Prinzip "Ursache und Wirkung": Wenn ich einen Baum fälle, erhalte ich Holz, heize das Haus oder mache daraus ein Brett, woraus vielleicht ein Tisch wird. Es ist alles sehr ursächlich hier – zum Teil ganz anders als in der Medizin.»

 

Entschleunigung inklusive

Immer wieder betont Sebastian Mayer auch das Körperliche an der Arbeit auf dem Hof: Sie findet bei jedem Wetter draussen statt, hält ihn fit und wach – und entschleunigt: «Besonders bei der Arbeit mit den Pferden kann man nichts erzwingen. Sie lehren einen sehr viel Geduld. Wenn man dabei ständig auf die Uhr schaut, geht gar nichts – das kreiert eine Energie, die sich sofort überträgt. Einen Baum, den man fällt, kann man auch nicht sofort verheizen – das Holz muss zwei Jahre liegen, bevor es brennt. Durch seinen völlig anderen Pace und diese Entschleunigung gibt mir der Hof sehr viel Energie – auch wenn er harte Arbeit bedeutet.»

 

Die Liebe zur Anästhesie

Gleichzeitig brennt Sebastian Mayer aber auch für seinen Beruf am Spital: Wenn er von der Anästhesie spricht, wird auch diese Leidenschaft stark spürbar: «Die Anästhesie ist etwas, das mich Energie kostet, da stecke ich was rein – gleichzeitig macht sie mich sehr zufrieden, es ist eine befriedigende Arbeit und ich könnte mir im Rahmen der Medizin nichts Besseres vorstellen. Besonders gefällt mir – und das ist hier am USB sehr stark ausgeprägt – die Teamarbeit. Ich bin ein Teamplayer. Wir haben eine super Abteilung und eine tolle Kultur, die wir unserer Leitung zu verdanken haben, und die wir auch gut pflegen.» Als Oberarzt gehört auch die Ausbildung von Assistenzärztinnen und -ärzten zu Sebastian Mayers Verantwortung – auch diese Aufgabe mag er sehr. Ausserdem gefällt ihm das Interdisziplinäre an seiner Arbeit: «Ich arbeite sehr gerne mit den Operateuren und Operateurinnen zusammen – eigentlich mit allen hier im Haus. Das ist das Tolle an der Anästhesie: Man kennt alle, man darf in alles mal reinschnuppern, das Kommunizieren, das Organisieren… Dass man als Team gemeinsam ein gutes Ergebnis für den Patient oder die Patientin organisiert, das mag ich und das ist eigentlich das Beste an meinem Beruf.» 

 

Spannende Überschneidungen

Spannend ist, dass Sebastian Mayer durchaus Parallelen sieht zwischen der Arbeit auf dem Hof und auf der Anästhesie: «Beide Tätigkeiten erfordern viel Sorgfalt, viel Liebe zum Detail – man kann nicht einfach irgendwas "hinschludern". Auch Verantwortung und Organisationstalent gehört bei beidem dazu. Die grösste Parallele ist aber die Antizipationsfähigkeit – bei beiden Tätigkeiten kann man nicht einfach warten, bis das Problem da ist, sondern muss sehr viel vorausdenken. Das betrifft auf dem Hof Dinge wie die Ferienplanung oder den richtigen Termin für den Baumschnitt – da kann ich nicht warten, bis es fünf vor 12 ist. Auf der Anästhesie ist es genau so: Alles will organisiert und gut vorausgeplant sein – das Koordinativ-Antizipative ist zentral.»

 

Das lästige Pendeln

Sebastian Mayer kam 2011 ans Unispital. Nach sechs Jahren kehrte er dem USB den Rücken – er hatte eine Arbeit gefunden, die nur zehn Minuten von seinem neuen Wohnort entfernt war. Doch leider entwickelte sich die neue Stelle nicht so, wie er es sich erhofft hatte und er kehrte zurück ans USB – «heim ins Nest», wie er lachend erzählt. «Ich war ja schon sechs Jahre hier gewesen, fühlte mich hier wahnsinnig wohl und wusste genau, was ich hier bekomme. Das Spital ist einfach toll und ich arbeite unglaublich gerne hier. Es war super, dass ich sofort wieder zurückkommen konnte, nachdem die neue Stelle nicht meinen Erwartungen entsprochen hatte. Klar, das Pendeln hatte ich nicht vermisst, aber das Team hier ist einfach klasse und ich arbeite hier wahnsinnig gerne. Und das geniesse ich und nehme den Weg gerne auf mich.»

 

Entspannt in die Zukunft

Wäre denn Teilzeitarbeit eine Option, um mehr Zeit für den Hof zu haben? «Als ich zum ersten Mal am USB war, arbeitete ich 80% und das war deutlich entspannter. Jetzt arbeitet meine Frau 80%, das geniesst sie sehr. Für die Zukunft ist das sicher eine Option für uns beide: Dieser eine Tag mehr pro Woche macht viel aus, es ist ja immer etwas zu tun hier.» Seine beiden Leidenschaften kategorisiert Sebastian Mayer verschieden – er unterscheidet klar zwischen «Arbeit» und «Zuhause»: «Ich mache wirklich gerne Anästhesie und ich arbeite sehr gerne am USB, aber der Hof ist mein Zuhause. Wenn ich heimkomme und da plätschert unsere Quelle und die Hunde freuen sich, dann ist das Ankommen – trotz der grossen Liebe zum Spital, zu den Patientinnen und Patienten und zu meiner Arbeit.»

 

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