Karriereblog des Universitätsspitals Basel
09. Juni 2020

«Ich mag es, wenn Mitarbeitende mich mit konkreten Alltagsproblemen konfrontieren»

Auch diesen Job gibt’s am Universitätsspital Basel: Urs Gruber, 49, ist seit knapp eineinhalb Jahren Umwelt- und Gefahrgutbeauftragter. Themen wie Nachhaltigkeit und Food Waste, aber auch Innovation und Recycling gehören zu seinem Berufsalltag. Weshalb Urs Gruber sich in seinem Job aber auch für Kartoffelabfälle interessiert, bei seinen Schulungen oft Tim und Struppi mit dabei sind und er viel Zeit im Untergrund verbringt, erzählte er uns gleich selber.

 

Ein Job, zwei Berufsbilder: Der Spezialist für Gefahrgut

Ich habe ursprünglich Chemielaborant gelernt und später Umweltingenieurwissen studiert. Der Beruf des Gefahrgutbeauftragen erfordert eine spezielle Ausbildung mit einer Prüfung, die alle fünf Jahre wiederholt werden muss. Gefahrgüter sind bei uns hier neben z.B. Reinigungs- und Desinfektionsmittel oder Gasen auch die Spitalabfälle mit gefährlichen Eigenschaften – z.B. potentiell infektiöse Abfälle wie Spritzen, aber auch radioaktive Stoffe oder Mikroorganismen.

Ich schule Mitarbeitende zu diesem Thema, mache Kontrollen hinsichtlich der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und schreibe Jahresberichte für die Behörden. Vieles in diesem Bereich meines Jobs dreht sich um ein dickes Buch: Das Regelwerk, wie man Güter, die gefährliche Eigenschaften haben, auf die Strasse bringt. Alle Regeln darin beruhen eigentlich auf Erfahrungen aus Unfällen. Die erste Regelung stellte der preussische König im 18. Jahrhundert auf: Er verlangte, dass beim Schiesspulvertransport nicht geraucht wird.

 

 Im Dienste der Umwelt: Nachhaltigkeit & Co.

Im Gegensatz zum Gefahrgutbeauftragten ist «Umweltbeauftragter» kein geschützter Titel. Das Thema Umwelt hat am Universitätsspital Basel einen hohen Stellenwert – am meisten beschäftigen wir uns mit den Sparten Abfall und Energie. Allein schon die Gesetzgebungen der letzten Jahre schufen einen Mehrbedarf – Stichwort Abfallrecht, was wir mit unserem innovativen Entsorgungskonzept mehr als erfüllen.

Fürs Jahr 2019 haben wir zum ersten Mal einen Umweltbericht herausgegeben. Jetzt soll auch eine spitalinterne Umweltkommission gegründet werden, um dem Thema noch mehr Präsenz zu verleihen. Da ich momentan alleine bin und kein Team habe, hoffe ich natürlich, dass diese mich bei gewissen Sachen unterstützen wird.

Der Umweltbericht war eine grosse Herausforderung für mich. Toll finde ich die drei Umweltleitlinien darin, die wirklich formulieren, wo wir mit unserer internen Umweltpolitik hinwollen. Der Bericht war letztes Jahr einige Monate meine Hauptbeschäftigung – als er kommuniziert wurde, war das ein Highlight meiner eineinhalb Jahre hier!

 

Innovation vs. Plastik

Umwelt ist als Thema sehr vielseitig. Ein grosses Thema ist Plastik – welche Alternativen gibt es, was könnte man besser machen? Ich evaluiere oft Prototypen aus anderen Materialien, zum Beispiel Behälter aus biologischem Polyethylen, das nicht aus Erdöl, sondern aus Zuckerrohr gewonnen wird. Da schaue ich, dass ich am Puls der Innovationen bin und up to date bleibe, was es da alles gibt. Da aber der Bio-Behälter aus Brasilien kommt und Landwirtschaftsfläche benötigt, ist er auch nicht ideal...

Die Gazzetta-Redaktion wünscht sich schon lange eine umweltfreundliche Plastikfolie, in die das Magazin eingeschweisst wird. Hier gäbe es eine Alternative aus Kartoffelstärke, die aus Restprodukten der Pommes-Frites-Herstellung stammt. Ich bin hier mehrere Lösungen am Evaluieren und zeige solche Samples auch den betreffenden Abteilungen – falls Interesse besteht, gebe ich mein Wissen gerne weiter.

 

Auch Teil des Berufsbildes: Schulungen

Wenn aus einer Abteilung eine Frage an mich kommt, versuche ich immer,  vorbei zugehen. Das ist mein Ansatz – so lerne ich auch die Leute kennen und sehe direkt, was sonst noch verbessert werden könnte. Ein Beispiel für eine konkrete Anfrage wäre ein Labor, das mich bittet, das Handling bzw. Umgang und Lagerung einer bestimmten Chemikalie zu erklären. Bei meinen Präsentationen arbeite ich viel mit Bildern und versuche, auch etwas Humor einfliessen zu lassen. Gerne verwende ich dazu Comics von Tim und Struppi, sie passen gut.

Einer meiner Lieblingsmomente ist, wenn die Leute von sich aus zu mir kommen und mich etwas fragen. Fragen ist nie ein Zeichen von Schwäche, sondern von Interesse und Umsicht. Ich mag es, mit konkreten Alltagsproblemen des Spitals konfrontiert zu sein und dafür eine Lösung zu finden.

Abfallentsorgung und Recycling: Einfach unterirdisch!

Ich bin sehr oft im Untergrund des Spitals, wo die ganzen Abfälle zentral gesammelt und entsorgt werden. Hier mache ich Stichproben, ob alles regelkonform abläuft, die Etiketten der Sonderabfälle korrekt geklebt und gestempelt und die Behälter korrekt verschlossen sind.

Hier landen auch alle Lebensmittelreste aus der Küche. Sie werden regelmässig von einem Tankfahrzeug abgepumpt und zur Vergärung gebracht. Dank unseres modernen Gastrokonzepts konnten wir die Lebensmittelreste um die Hälfte reduzieren und so den Food Waste drastisch vermindern. Was übrig bleibt, wird nicht einfach weggeworfen, sondern zu Biogas vergärt, das zum Heizen oder Wärmen verwendet wird.

Recycling spielt beim Entsorgungskonzept eine grosse Rolle: Von PET über Glas bis hin zu verschiedenen Metallen, Papier und Weissblech wird alles rezykliert. Die Sonderabfälle werden speziell entsorgt und landen im Hochofen – hier muss ich kontrollieren, dass sie richtig deklariert sind, zum Beispiel giftige Zytostatika-Abfälle aus der Chemotherapie. Ganz am Anfang meiner Berufskarriere hier sah ich mich mit der Frage konfrontiert, wie denn die Herzschrittmacher korrekt zu entsorgen seien. Sie gehören zu den Abfällen mit Kontaminationsgefahr, also zu den potentiell infektiösen Sonderabfällen. Ich lerne hier im Spital immer wieder viel Neues!

 

Interessierst du dich für einen ebenso spannenden Job am Universitätsspital Basel?

Dann besuche jetzt unsere Karrierewebseite mit vielen herausfordernden Stellen!

 

Weitere Themen

5 Fragen an...

5 Fragen an... Claudia Cierpka aus der Betriebsergonomie

In unserer Rubrik «5 Fragen an…» stellen wir in regelmässigen Abständen USB-Mitarbeitende aus den unterschiedlichsten Bereichen und Berufsgruppen vor. Den Beginn macht Claudia Cierpka, welche vor 11...

 
100 Tage als...

100 Tage als FaGe-Lernende

Lotta Geisenhainer hat im August am Universitätsspital Basel ihre Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit begonnen. Wir wollten von ihr nach den ersten 100 Tagen wissen, was sie bereits erlebt hat und wie...

 

Unsere Weihnachtsspendenaktion 2019: Calcutta-Project

Jedes Jahr in der Adventszeit sammelt das Universitätsspital Basel für ein Hilfsprojekt, bei welchem Mitarbeitende mitwirken. Dieses Jahr sammeln wir für das Projekt von Anika Züchner, die sich für...

 

Treffer 1 bis 3 von 3