Karriereblog des Universitätsspitals Basel
01. Oktober 2020

Mittendrin statt nur dabei: Das Ausbildungsmodell «Lerninsel»

Viel Abwechslung im Lernendenalltag am Universitätsspital Basel: Dank der «Lerninsel» bleibt hier nichts nur trockene Theorie. Spannende Inputs dazu von Kerstin Grube, Berufsbildungsverantwortliche Pflege am USB.

 

Am Universitätsspital Basel gibt es mehr als 30 verschiedene pflegerische Abteilungen, und auf jeder davon befindet sich eine: Die «Lerninsel», ein zentraler Raum auf der Station, wo sich jeweils acht bis zehn Auszubildende mit ihren Berufsbildenden treffen, Fälle besprechen, reflektieren, lernen. Doch eine «Lerninsel» ist weit mehr als nur ein physischer Ort – es ist gleichzeitig auch der Name des betrieblichen Ausbildungsmodells für alle Pflegeberufe am Universitätsspital, nach dem seit knapp 20 Jahren erfolgreich ausgebildet wird. Dabei wird die Verbindung von Lernen und Arbeiten mitten im Arbeitsprozess optimal praktiziert, indem die Auszubildenden im eigenen Lernprozess professionell und individuell begleitet werden.

Berufsleute bilden «ihren» Beruf aus

«Die ‹Lerninsel› verbindet das praktische mit dem theoretischen Lernen in der Praxis», erklärt Kerstin Grube, Berufsbildungsverantwortliche Pflege. «Eine ihrer Qualitäten ist zum Beispiel die hohe Fachexpertise der Berufsbildenden – die erfahrenen Fachleute geben ja ihr eigenes Berufswissen weiter. Das gilt für alle HF-Ausbildungen in der Pflege, für alle Fachpersonen Gesundheit (FaGe) und für die FH-Studierenden.» Dazu kommt, dass die Ausbildung so Teil jedes einzelnen Tages ist – eine Lernbegleitung findet nicht nur einmal in der Woche statt wie in anderen Betrieben. «Das Lernen ist so viel echter, viel mehr Teil vom Alltag», fügt Kerstin Grube hinzu.

Eine Insel mit direktem Zugang zum Alltag

Der Name «Lerninsel» kann etwas verwirren – schliesslich ist das Modell das Gegenteil von einer künstlich konstruierten Lernwerkstatt. «Es ist uns wichtig, die Auszubildenden in den ganz normalen Stationsalltag zu integrieren. So ergänzen sich die drei Lernorte Berufsschule, ÜK/LTT (Überbetriebliche Kurse/Lernbereich Training und Transfer) und Praxis ideal», erklärt Kerstin Grube. Das reale Praxissetting zeigt seine Herausforderungen im Alltag, denn wenn unerwartete Notfallsituation eintreten, fordert das eine hohe Flexibilität in der Ausbildung: «Bei einem Notfall geht der Patient oder die Patientin vor – wie immer in unserem Beruf.»

Lernen voneinander miteinander

Ein weiterer Vorteil des Konzepts ist die Verbindlichkeit: Durch die ganzen Rollenvorgaben und genau definierten Aufgaben aller an der Ausbildung beteiligter Personen bleibt die Ausbildung von Anfang bis Schluss transparent und die Regeln und Standards sind auf allen Stationen gleich. Auch die Zeitressourcen der Berufsbildenden sind dank des «Lerninselmodells» fix vorhanden: «Das macht eine sehr individuelle Lernbegleitung möglich und wir nehmen uns gerne die Zeit, die Lernenden in ihren Stärken zu fördern und beim Erreichen ihrer Ziele zu unterstützen», so Kerstin Grube. Auch das «Lernen voneinander miteinander» ist Teil des Konzepts, was Kerstin Grube sehr unterstützt: «Manchmal heisst es von der Berufsbildnerin: ‹Wir betreuen jetzt zusammen fünf Patientinnen und Patienten, wer übernimmt wen?› So wird sie immer mehr zum Coach im Hintergrund und lässt den Lernenden Raum für Zusammenarbeit und für das Einschätzen der eigenen Kompetenzen.

Zukunftswünsche? Alles ist möglich – aber bitte mit Sinn

«Aufgrund unseres Lerninsel-Ausbildungskonzepts bieten wir unseren Auszubildenden sowohl fachlich wie auch pädagogisch das höchste Niveau. Von Anfang an können sie sich mit ihrer Karriereplanung und ihren Stärken und Visionen auseinandersetzen und zum Beispiel bei der HF-Ausbildung mitbestimmen, wo sie das zweite und dritte Jahr verbringen möchten. Selbstbestimmung ist für uns zentral und es ist uns wichtig, dass die Studierenden ihre Ausbildungsplanung mitgestalten», schwärmt Kerstin Grube. Ebenfalls betont sie, dass das Universitätsspital Basel Auszubildende nach ihrem Abschluss als neue Mitarbeitende gewinnen und sie für die heutige Arbeitswelt stark machen möchte. «Bei Bewerbungsgesprächen höre ich ganz oft: Ich möchte einen Beruf, der Sinn macht. Die Suche nach Sinnfindung ist ja typisch für die Generation Z, und COVID-19 hat das wohl noch verstärkt. Auch die Weiterbildungsmöglichkeiten unserer Bildungslandschaft hier sprechen die jungen Leute sehr an: Eine Karriere kann mit einer EBA-Ausbildung starten und bis zu einem Doktortitel gehen. So müssen sich die Lernenden gar noch nicht entscheiden, wo sie schlussendlich hinwollen, sondern können einfach mal schauen, wie sie ihre Ausbildung erleben.»

Das Ausbildungsmodell «Lerninsel»

Das Konzept, Auszubildende enger in der Praxis zu verankern, entstand in den Neunzigerjahren in der Industrie: Der deutsche Automobilhersteller Daimler-Benz (heute Daimler AG) rückte damals die Ausbildung der «Azubis» immer näher an die Produktion und integrierte die ersten «Lerninseln» in seinen Betrieben. Ein wichtiger Kopf hinter dieser Idee war Prof. Dr. Peter Dehnbostel, der mit seinen Studien zum Thema «dezentrales und erfahrungsorientiertes Lernen» die theoretischen Grundlagen für die «Lerninseln» schuf und diesen auch ihren Namen gab.

Am Universitätsspital Basel wurde diese Idee – inspiriert von Dehnbostels Modell – weiterentwickelt und für den Gesundheitsbereich adaptiert. 1999 lief der erste Pilot dazu, seit 2001 ist das Ausbildungsmodell «Lerninsel» in allen Pflegeberufen fest verankert und mit einzelnen Elementen auch in anderen Ausbildungen präsent.

 

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