Ziele

Bei der Begutachtung für eine IV-/UV-Rente sollen Gutachter bei Personen mit einer vergleichbaren Beeinträchtigung aus psychischen oder anderen Gründen zu vergleichbaren Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit kommen (akzeptable Übereinstimmung). Zudem sollen Gutachter zwischen Patienten mit hoher, mittlerer oder geringer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit unterscheiden können (akzeptable Reliabilität). Bis heute gibt es jedoch kein Verfahren, mit dem die Arbeitsfähigkeit, eine Teilarbeitsfähigkeit oder eine völlige Arbeitsunfähigkeit «gemessen» und eindeutig festgestellt werden kann. Bis ein solches Verfahren gefunden und etabliert ist, gilt der professionelle Konsens.

Hier setzten die RELY-Studien an, die darauf abzielten, diesen professionellen Konsens zu verbessern. Dazu hat sie den bisherigen Begutachtungsprozess um eine funktionsorientierte Ausrichtung erweitert.

Die RELY 1-Studie untersuchte, ob Psychiater nach einem Training in funktionsorientierter Begutachtung im Rahmen realer IV-Begutachtungen eine akzeptable Reproduzierbarkeit (Überbegriff für Reliabilität und Übereinstimmung) in der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit erzielten. Dabei wird das Ausmass der Arbeitsfähigkeit in der Schweiz auf einer Skala zwischen 100% (Prozentpunkten) Arbeitsfähigkeit und 0% (Prozentpunkten) Arbeitsfähigkeit abgebildet. Die Zwischenergebnisse aus der RELY 1-Studie haben gezeigt, dass weder die angestrebte Reliabilität noch eine akzeptable Übereinstimmung erreicht wurden. Allerdings hat die funktionsorientierte Begutachtung bei den Gutachtern wie bei den versicherten Personen eine hohe Akzeptanz gefunden. Die geringe Reproduzierbarkeit führen wir auf das erhebliche Zeitintervall zwischen Training und Begutachtung sowie ein zu wenig intensives Training zurück, mit der Folge, dass die neuen Komponenten der funktionsorientierten Begutachtung - Strukturierung und Standardisierung - nicht zum Tragen kamen. Damit entsprechen die Ergebnisse der RELY 1-Studie eher den Beobachtungen der üblichen Praxis [Barth 2017]  

Ziel der RELY 2-Studie war, die Fragestellung aus RELY 1 unter Bedingungen zu überprüfen, die unserer ursprünglichen Studienplanung entsprachen und welche die Rückmeldungen der RELY 1-Gutachter nach mehr und intensiviertem Training in der funktionsorientierten Begutachtung integrierten. Die Fragestellung lautete demnach: Erzielen Psychiater nach einem intensiveren Training in funktionsorientierter Begutachtung und zeitnaher Umsetzung im Rahmen realer IV-Begutachtungen eine akzeptable Reproduzierbarkeit in der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit? Des Weiteren wird erfasst, wie die versicherte Person die funktionsorientierte Begutachtung erlebt hat.

Mit der Studie kann NICHT überprüft werden, wie zutreffend die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit bzw. der Arbeitsunfähigkeit ist.