Blog des Universitätsspitals Basel
30. Juni 2021

Am Bett oder vor der Tür? Studie sucht nach idealem Ort für Patientenvisite im Spital

Eine Studie des Universitätsspitals Basel hat untersucht, ob der Ort, an dem die Patientenvorstellung während der Visite stattfindet, einen Einfluss auf das Verständnis von Patientinnen und Patienten hinsichtlich ihrer Krankheit und deren Behandlung hat.

 

Eine Patientenzentrierte Versorgung bezieht Patientinnen und Patienten in verschiedene Aspekte der medizinischen Entscheidungsfindung ein. Dies umfasst für die stationäre Versorgung Erörterungen der Krankheit des Patienten während der Visite, welche ausserhalb des Patientenzimmers oder am Krankenbett stattfinden können. Oft wird medizinische Fachsprache verwendet, mit der ein Patient oder eine Patientin möglicherweise nicht vertraut ist. Dies kann zu Unsicherheiten oder Missverständnissen führen. Für die erfolgreiche Umsetzung von Therapien gelten jedoch gerade Verständnis und Wissen als wichtige Voraussetzung.

In der wissenschaftlichen Zeitschrift «Annals of Internal Medicine» wurde Ende Juni eine wichtige, vom schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie zur medizinischen Kommunikation im Visitengespräch veröffentlicht. Das Team von Prof. Dr. med. Sabina Hunziker in der Abteilung Medizinische Kommunikation/Psychosomatik am Universitätsspital Basel untersuchte gemeinsam mit Abteilungen Innere Medizin des Universitätsspitals Basel (Prof. Stefano Bassetti), des Kantonsspitals Aarau (Prof. Philipp Schütz) und des Kantonsspitals Basel-Land (Prof. Leuppi), ob der Ort eines Visitengesprächs relevant ist. Bisher fehlte es weitgehend an Forschungsergebnissen zu diesem Thema.

Um diese Wissenslücke zu schliessen, ordneten Forscherinnen und Forscher des Universitätsspitals Basel an den drei genannten Schweizer Lehrspitälern über 900 Patienten nach dem Zufallsprinzip entweder einer Gruppe mit einer Visite am Krankenbett oder einer Gruppe mit einer Visite ausserhalb des Krankenzimmers zu. Ziel dieser Untersuchung war es, herauszufinden, ob Patientinnen und Patienten die Angaben zu ihrer Krankheit und deren Behandlung besser verstehen, wenn die Patientenvorstellung während der Visite direkt am Patientenbett oder vor der Tür stattfindet.

Zusammenfassend stellte das Forscherteam fest, dass beide Gruppen ein ähnliches Wissen über ihre medizinische Versorgung angaben. Eine objektive Bewertung des Patientenwissens durch das Studienteam fiel ebenfalls für beide Gruppen ähnlich aus. Patientinnen und Patienten, bei denen die Visite am Bett stattfand, gaben mehr Verwirrung durch die medizinische Fachsprache und Unsicherheit infolge der medizinischen Diskussion innerhalb des ärztlichen Teams an. Darüber hinaus wurden in der Gruppe mit der Visite am Bett weniger heikle Themen angesprochen. Auf der anderen Seite war der direkte Arzt-Patienten-Kontakt in der Gruppe mit der Visite am Bett länger, obwohl die Visitenzeit insgesamt zeiteffizienter war.

Ein begleitendes Editorial des Herausgebers des „Annals of Internal Medicine“, Professor Michael A. LaCombe, besagt, dass diese Ergebnisse Ärzte ermutigen sollten, die Lehre wieder vermehrt ans Krankenbett zu bringen. Er schreibt, dass Patienten sich umsorgt fühlen wollen. Ein spezifisches Training könnte dieses Gefühl verstärken. Hierfür ist es wichtig, Ärzte und Pflegende für die komplexe Aufgabe der Patientenvisite in Kommunikationsschulungen auszubilden. 

Diese Studie am Frühjahrskongress der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin (SGAIM) als beste Präsentation (Dr. Christoph Becker) ausgezeichnet.

 

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