Blog des Universitätsspitals Basel
03. Februar 2020

Augenmerk beim Hirnschlag auf Gefässverschlüsse legen

Ein Gefässverschluss, der durch eine spezielle Hirnschlags-Ursache entsteht, birgt für Patienten ein erhöhtes Risiko für Folgeschäden und für erneute Vorfälle. Zu diesem Schluss kommt das Forschungsteam des Stroke Center Basel in einer internationalen Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift «Neurology» publiziert wurde.

 

Zervikale arterielle Dissektionen (CeAD) gehören zu den häufigsten Ursachen eines Hirnschlags bei jüngeren Erwachsenen. Hauptmerkmal der CeAD ist ein – meist spontan entstehendes –Wandhämatom, welches zu einem Verschluss der betroffenen zervikalen Arterie und damit zu einem ischämischen Hirnschlag (Hirninfarkt) führen kann. Ein solcher Verschluss findet sich in der Akutphase bei rund einem Drittel aller CeAD Patienten und kann rasch im Rahmen der Akutdiagnostik festgestellt werden. Dies mithilfe einer CT- oder MR-Angiographie aber auch duplexsonographisch. Inwiefern das Vorliegen eines Verschlusses der betroffenen Arterie eine prognostische Bedeutung für den Outcome der Patienten hat, war bislang unklar.

In einer von Christopher Traenka (Erstautor, Neurologie und Stroke Center USB), Stefan Engelter (Letztautor; Neurologie USB und Neurorehabilitaiton FELIX PLATTER), und Philippe Lyrer (Letztautor, Leiter Stroke Center USB) koordinierten, Register-basierten Studie konnten nun Daten von 2148 CeAD Patienten im Hinblick auf die Bedeutung eines Gefässverschlusses systematisch untersucht werden. Co-Autoren der Studie im Rahmen des internationalen Forschungskonsortiums CADISP-PLUS (Cervical Artery Dissection and Ischemic Stroke Patients-PLUS) sind vom Stroke Center Basel Leo Bonati, Gian Marco De Marchis, Henrik Gensicke und Alexandros Polymeris.

Die Auswertung zeigt, dass das Vorliegen eines Gefässverschlusses unabhängig von weiteren Faktoren (u.a. initiale Schwere des Hirnschlages, Auftreten erneuter ischämischer Ereignisse) die Wahrscheinlichkeit eines schlechteren funktionellen Outcomes erhöht. Patienten mit einem Gefässverschluss zeigten zudem eine höhere Rate an Hirnschlägen innerhalb der Follow-Up Periode von bis zu 6 Monaten.

Diese Studie liefert wichtige Evidenz darüber, dass dem Gefässbefund bei CeAD grosse prognostische Bedeutung zukommt, und dieser daher bei Auftreten der CeAD sorgfältig erfasst und in der Nachsorge beobachtet werden sollte. Obwohl die Effektivität der endovaskulären Akut-Behandlung in dieser speziellen Gruppe von Hirnschlagpatienten noch nicht sicher nachgewiesen werden konnte, stützen die Resultate dieser Studie das Vorgehen der Wiedereröffnung des betroffenen Gefässes in der Akutsituation.

Das Stroke Center Basel hat sowohl in der klinischen Betreuung von CeAD Patienten als auch in der Forschung zu CeAD international eine führende Rolle eingenommen. Dies wird durch diese Arbeit ein weiteres Mal dokumentiert.  

 

Diese Studie wurde in der führenden Fachzeitschrift «Neurology» publiziert: Traenka C, Grond-Ginsbach C, Goeggel Simonetti B, Metso TM, Debette S, Pezzini A, Kloss M, Majersik JJ, Southerland AM, Leys D, Baumgartner R, Caso V, Béjot Y, De Marchis GM, Fischer U, Polymeris A, Sarikaya H, Thijs V, Worrall BB, Bersano A, Brandt T, Gensicke H, Bonati LH, Touzeé E, Martin JJ, Chabriat H, Tatlisumak T, Arnold M, Engelter ST, Lyrer P for the CADISP-Plus Study Group. doi 10.1212/WNL.0000000000008654

 

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