Blog des Universitätsspitals Basel
22. Juli 2019

Den Tumor gemeinsam besiegen

Bei komplizierten Tumorerkrankungen spielt die Molekulare Diagnostik eine immer grössere Rolle. Das Universitätsspital Basel hat als erstes Schweizer Tumorzentrum ein regelmässig stattfindendes Molekulares Tumorboard eingerichtet, an welchem Patientinnen und Patienten interdisziplinär diskutiert werden.

 

Das etablierte Tumorboard bespricht Befunde aus unterschiedlichen Fachdisziplinen. «Wir haben damit 2016 begonnen, in Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Baselland», sagt PD Dr. med. Dr. phil. Sacha Rothschild, der Leiter des Zentrums für Lungentumore und Co-Leiter des Kompetenznetzwerks Molekulare Tumortherapie. «Mittlerweile gibt es solche Boards auch an allen Kliniken in der Schweiz, aber wir sind nach wie vor die Einzigen, die das in dieser strukturierten Form betreiben». Alle 14 Tage treffen sich Ärztinnen und Ärzte des Kantonsspitals Baselland und des Universitätsspitals Basel zur Besprechung von Tumorpatienten. Anwesend sind jeweils Pathologen, Molekularbiologen, Onkologen und Genetiker. Und natürlich die jeweils zuständigen Fachärztinnen und -ärzte anderer Disziplinen.

Die Molekulare Diagnostik hilft den meist etwa 20–25 Spezialistinnen und Spezialisten zu verstehen, warum sich ein Tumor auf eine bestimmte Art entwickelt. Neben Neudiagnosen werden aber auch Fälle besprochen, bei denen der Patient bereits mit den Standardtherapien behandelt wurde, jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Dabei haben die Ärzte dann die Hoffnung, dass die Molekulare Diagnostik zusätzliche therapeutische Optionen ermöglicht. «Man könnte dann beispielsweise versuchen, eine experimentelle Therapie zur Anwendung zu bringen, etwa im Rahmen einer klinischen Studie», sagt Rothschild.

Angewandt werden diese speziellen Tests bei vielen Patientinnen und Patientinnen. Nur ein Teil dieser Patienten wird dann auch am Tumorboard besprochen. «Es gibt Menschen, bei denen haben wir eine bestimmte Zellveränderung gefunden. Sie haben eine zielgerichtete Therapie erhalten auf Basis unserer Molekularen Diagnostik. Und nun wird der Tumor wieder aktiv, hat also eine Resistenz entwickelt». Hier machen die Spezialisten eine weitere Biopsie oder untersuchen Erbsubstanz aus dem Blut und suchen die molekulare Ursache in der Hoffnung, eine weitere Veränderung aufzuspüren, die den Mechanismus der Resistenzbildung erklärt und eine erneute zielgenaue Behandlung ermöglicht.

Die Molekulare Diagnostik ist ein wichtiger Schritt in Richtung personalisierte Medizin. Das heisst, man liest die Erbinformationen eines Tumors und versucht, darauf basierend eine auf den Patienten abgestimmte Behandlung zu ermöglichen. Dafür nötig sind neben entsprechend ausgestatteten Labors auch enorme Rechenleistungen für die grossen Datenmengen. Und eben die bunt gemischte Expertengruppe an den Tumorboards, die aus diesen Daten Therapien macht.

PD Dr. med. Dr. phil. Sacha Rothschild leitet das Zentrum für Lungentumore und ist Co-Leiter des Kompetenznetzwerks Molekulare Tumortherapie. Er präsidiert zudem die Arbeitsgruppe Molekulare Onkologie der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK), welche schweizweit klinische Studien im Bereich der Molekularen Diagnostik und perso-nalisierten Medizin koordiniert.

 

Tumorboard

Tumorboard oder auch Tumorkonferenz bezeichnet eine interdisziplinäre Sitzung, an der einzelne Fälle aus dem klinischen Alltag besprochen werden. Expertinnen und Ex­perten verschiedener medizinischer Fachrichtungen ver­suchen gemeinsam, einen möglichst Erfolg versprechenden Behandlungsweg zu bestimmen. Anwesend sind zumeist Onkologen, Radio­-Onkologen, Radiologen, Pathologen und die Ärztinnen und Ärzte anderer Fachrichtungen wie etwa Lungenspezialisten, Frauenärztinnen oder Dermatologen. Neben dem direkten Nutzen für die besprochenen Patien­tinnen und Patienten dienen Tumorboards auch der steten Weiterbildung der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte.

Molekulare Diagnostik

Mit Methoden der Molekularbiologie werden medizinische Tests durchgeführt, die zeigen, ob es Auffälligkeiten in den Genen des Tumors gibt. Dadurch ist eine genau auf den Patienten und seine Krankheit abgestimmte Behandlung möglich. Statt die Krankheit bei allen Patientinnen und Patienten mit standardisierten Therapien zu bekämpfen, ist es so möglich, wesentlich individueller vorzugehen. Damit ist die Molekulare Diagnostik eine Grundvoraussetzung für die sogenannte personalisierte Medizin.

 

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