Blog des Universitätsspitals Basel
24. Juli 2019

Die Perspektive der Patientin: Die Frage aller Fragen

«Wie geht es Ihnen?» Diese Frage bekommen wir alle täglich öfters gestellt. Die Patientinnen und Patienten am Universitätsspital Basel werden in Zukunft vermehrt nach ihrem Befinden gefragt, allerdings wesentlich detaillierter als im Alltag.

 

Anhand von ausführlichen Fragebogensollen Patientinnen und Patienten angeben, wie sie ihre Gesundheit empfinden, wie sie ihre Beschwerden erleben. Diese Befragung läuft unter dem Namen PROMs, das steht für «Patient Reported Outcome Measures», also in etwa «vom Patienten berichtete Ergebnismessung». Der Patient sagt dem Arzt, wie er seinen Gesundheitszustand selber wahrnimmt. Und wie er den Erfolg der Behandlung empfindet. Bis anhin war die Tendenz in der Medizin umgekehrt: Der Arzt sagt der Patientin anhand von Untersuchungen, wie es ihr geht. «Sie haben einen zu hohen Blutdruck, Ihnen geht es nicht gut», um ein ganz simples Beispiel zu wählen. Nun empfindet aber jeder Mensch anders.

Das heisst, die Patienten fühlen sich bei ähnlichen Symptomen unterschiedlich schlecht, sprechen auf unterschiedliche Behandlungen ungleich an, haben mehr oder weniger Nebenwirkun-gen. Darüber können sie selbst, ganz unwissenschaftlich und persönlich, am besten urteilen. Genau diese Selbstbeobachtungen werden am Universitätsspital Basel vermehrt systematisch erhoben und ausgewertet, sagt Dr. Florian Rüter, der Leiter des Qualitätsmanagements: «Der Patient erlebt es unmittelbar am eigenen Körper und kann darum am besten Auskunft darüber geben, was ihm hilft und was bei ihm ankommt».

Eine vernünftige, wertebasierte Medizin anbieten

Der Patient wird vor einem Hüftgelenkseingriff befragt, «Wie geht es Ihnen hinsichtlich Ihrer Erkrankung und wie stark schränkt sie Ihr Leben ein?». Konkrete Fragen, ganz alltäglich. «Wie stark schmerzt Ihre Hüfte, wenn Sie morgens aufstehen?» Die Fragen werden auch nach der Behandlung immer wieder gestellt, in regelmässigen Abständen über einen längeren Zeitraum hinweg. Das ist eine wichtige Ergänzung zu den klassischen Messungen und Analysen. «Ziel ist es, den Patientinnen die für sie richtige Behandlung anbieten zu können, nicht mehr und nicht weniger», sagt Rüter. Fühlen sich Patientinnen nach einem bestimmten Eingriff nicht wesentlich besser als davor, dann muss man über die Sinnhaftigkeit dieses Eingriffs nachdenken. «Ein ganz grosses Anliegen des Universitätsspitals Basel ist es, eine vernünftige, wertebasierte Medizin anzubieten», sagt Rüter. «Value Based Healthcare» meint eine Medizin, die nicht automatisch alles macht, was gemacht werden kann, sondern das, was dem Patienten wirklich hilft.

Dafür sind die Daten, die mit PROMs generiert werden, so wichtig. Ihre Auswertung zeigt, welche Eingriffe den Patientinnen und Patienten den grössten Nutzen bringen. «Bis jetzt konnten wir das in acht Kliniken im Universitätsspital Basel etablieren», bilanziert Rüter: «Begonnen haben wir in der Brustchirurgie. Dort machen wir sehr gute Erfahrungen». Nicht zuletzt, weil es Patientinnen leichter fällt, über gewisse Dinge zu sprechen, wenn sie zuerst die Befragung am Tablet ausfüllen. So hat der Arzt bereits die aufbereiteten Daten, wenn das Gespräch beginnt. Er kann dann beispielsweise Themen wie Sexualität oder Selbstwertgefühl von sich aus ansprechen, wenn er sieht, dass es diesbezüglich Gesprächsbedarf gibt. «Erfahrungen aus einer der renommiertesten amerikanischen Krebskliniken in New York zeigen zudem, dass Patientinnen, die an PROMs teilgenommen haben, auf lange Sicht eine höhere Überlebensrate haben als jene, die es nicht taten». Die Erklärung dafür ist einfach: Die Mitarbeitenden im Spital sahen anhand der von den Patientinnen via Internet ausgefüllten PROMs, dass etwas nicht so lief wie erhofft und holten die Patientinnen für eine Untersuchung ins Spital. So konnten Rückfälle frühzeitig entdeckt und behandelt werden, mit entsprechend besseren Resultaten.

Die PROMs sind also nicht nur ein Instrument zur Qualitätskontrolle und zur Vermeidung unnötiger Eingriffe. Sie dienen auch ganz direkt der Verbesserung der medizinischen Versorgung der Patientinnen und Patienten.

 

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