Blog des Universitätsspitals Basel
10. August 2020

Multiple Sklerose: Erwartungen an Ofatumumab bestätigen sich

Ofatumumab ist ein neues hochwirksames Medikament zur Behandlung der Multiplen Sklerose. Im New England Journal of Medicine wurden die Ergebnisse zweier kontrollierter Studien (ASCLEPIOS I und II) publiziert

 

Eine internationale Forschergruppe unter Führung von Stephen Hauser (UCSF) und Ludwig Kappos (Universitätsspital und Universität Basel) stellt in der renommierten Fachzeitschrift «The New England Journal of Medicine» die Ergebnisse zweier grosser kontrollierter Studien zur Behandlung der Multiplen Sklerose vor. In die von Novartis finanzierten Studien ASCLEPIOS I und II wurden weltweit  insgesamt 1882 MS-Betroffene mit aktiver schubförmig verlaufender Erkrankung an 385 MS-Kliniken in 37 Ländern nach dem Zufallsprinzip entweder mit Ofatumumab, einem neuen monoklonalen Antikörper gegen B-Zellen (alle vier Wochen zu wiederholende subkutane Injektion)  oder mit Teriflunomid (täglich als Tablette), einem bereits für die Behandlung der MS zugelassenen,  einzunehmenden Medikament und dem jeweils entsprechenden Plazebo behandelt. Nach einer durchschnittlichen Verlaufsbeobachtung von 1,6 Jahren war die Häufigkeit von Schüben in der Ofatumumab-Gruppe statistisch signifikant um etwa 50% niedriger. Das Risiko, eine nach drei, bzw. nach sechs Monaten wieder bestätigte Verschlechterung zu erleben, war um 34%, bzw. um 32% ebenfalls signifikant niedriger. 11,0% der Teilnehmenden in der Ofatumumab-Gruppe und 8,1% in der Teriflunomide-Gruppe erlebten eine auch nach sechs Monaten anhaltende Verbesserung (Unterschied nicht statistisch signifikant). Deutliche Überlegenheit zeigte Ofatumumab gegenüber Teriflunomide bei der Verringerung der Zahl neuer und sich vergrössernder Herde in der Magnetresonanztomographie und bei der Senkung des Spiegels der Neurofilament Leichtketten im Blut, einem spezifischen Marker für neuronale Schädigung. Kein signifikanter Unterschied zeigte sich hinsichtlich der Veränderung des Hirnvolumens. Beide Behandlungen wurden gut vertragen. Injektionsnebenwirkungen traten bei 20,2% der mit Ofatumumab und bei 15,0% der mit Placebo injizierten Patienten auf. Schwere Infektionen traten im Verlauf der Studie bei 2,5% der Ofatumumab- und 1,8% der Teriflunomide-Behandelten auf.

Ofatumumab ist der erste vollständig humane und unter die Haut (subcutan) injizierbare monoklonale Antikörper gegen B-Zellen, der bei MS eingesetzt werden kann. Er bindet an andere Oberflächenstrukturen des CD20 Rezeptors der B-Zellen als die bisher schon in der Therapie der MS eingeführten, als Infusion in die Vene verabreichten, monoklonalen anti-CD20 Antikörper. Aufgrund der bisher guten Verträglichkeit und der Möglichkeit für die MS-Betroffenen, sich das Medikament alle 4 Wochen selbst unter die Haut zu injizieren sowie der kürzeren und damit besser steuerbaren Wirkung, hat Ofatumumab das Potenzial als hochwirksame Therapie schon sehr frühzeitig bei Menschen mit Multipler Sklerose eingesetzt zu werden.

 

 

Weitere Themen

100 Tage als...

100 Tage als FaGe-Lernende

Lotta Geisenhainer hat im August am Universitätsspital Basel ihre Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit begonnen. Wir wollten von ihr nach den ersten 100 Tagen wissen, was sie bereits erlebt hat und wie...

 
3 Fragen an...

3 Fragen an Nicole Roth, Expertin in Intensivpflege NDS HF

Nicole Roth ist Expertin in Intensivpflege und hat sich im Rahmen unserer Serie "3 Fragen an..." unseren Fragen gestellt.

 
5 Fragen an...

5 Fragen an... Claudia Cierpka aus der Betriebsergonomie

In unserer Rubrik «5 Fragen an…» stellen wir in regelmässigen Abständen USB-Mitarbeitende aus den unterschiedlichsten Bereichen und Berufsgruppen vor. Den Beginn macht Claudia Cierpka, welche vor 11...

 

Treffer 1 bis 3 von 3