27. Okt 2014

Stents senken Hirnschlagrisiko gleich wirksam wie chirurgische Eingriffe

Eine Verengung der Halsschlagader kann zu einem Hirnschlag führen. Um die Arterienwand von Cholesterinablagerungen zu befreien, werden zwei Verfahren angewendet: Der chirurgische Eingriff, der mit einem Einschnitt am Hals verbunden ist, sowie die Einführung eines Stents, der die Halsschlagader von innen ausweitet. Eine internationale Studie mit Beteiligung einer Forschungsgruppe des Universitätsspitals Basel kommt nun zum Schluss, dass beide Verfahren gleichwertig sind, um einem schweren Hirnschlag vorzubeugen, der zum Tod oder zu einer Behinderung führen kann.

Der Hirnschlag ist in industrialisierten Staaten die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für eine Behinderung im Erwachsenenalter. Für rund 15 Prozent aller Hirnschläge ist eine Verengung der Halsschlagader, welche das Gehirn mit Blut versorgt, verantwortlich. Eine solche Karotis-Stenose entsteht durch die Ablagerung von Blutfetten (Cholesterin) in der Arterienwand. Wird eine Karotis-Stenose als Ursache eines Hirnschlags oder einer Streifung festgestellt, steigt das Risiko, einen weiteren Hirnschlag zu erleiden, deutlich. Um das Hirnschlagrisiko zu senken, ist es deshalb wichtig, einer Verengung der Halsschlagader entgegenzuwirken.

Um eine Karotis-Stenose zu beheben, stehen zwei Verfahren zur Verfügung: Beim chirurgischen Eingriff erfolgt unter Voll- oder Teilnarkose ein Einschnitt am Hals, die Halsschlagader wird vorübergehend geöffnet, und die Cholesterinablagerungen werden entfernt. Bei der Einführung eines Katheters über die Leistenarterie unter Lokalanästhesie wird die Halsschlagader mit einem Röhrchen (Stent) von innen ausgeweitet. Nun hat eine internationale Studie unter Mitwirkung der Hirnschlag-Forschungsgruppe des Universitätsspitals Basel (USB) herausgefunden, dass beide Verfahren gleich wirksam sind, um das Hirnschlagrisiko zu senken.

Ebenbürtig in der Hirnschlagprävention

Für den Erstautor der Studie PD Dr. Leo Bonati vom Hirnschlagzentrum des USB lässt sich folgendes Fazit ziehen: „Die beiden Verfahren sind ebenbürtig, um einem schweren Hirnschlag vorzubeugen. Beide Methoden ziehen unterschiedliche Behandlungsrisiken nach sich, welche für jeden Patienten gegeneinander abgewogen werden müssen. Insgesamt zeigte sich aber nach einem Eingriff kein Unterschied zwischen den beiden Verfahren in Bezug auf das alltägliche Leben der Patienten.“

Aus früheren Studien war bereits bekannt, dass als Komplikation der Stent-Behandlung etwas öfter leichte Hirnschläge auftreten als beim chirurgischen Eingriff. Diese betreffen jedoch vorwiegend ältere Patienten. Auch führen diese leichten Hirnschläge nicht zu einer Behinderung im Alltag. Dagegen kann es beim chirurgischen Eingriff zu Verletzungen von Nerven am Hals und zu Blutergüssen kommen, was bei der Stent-Methode nicht der Fall ist. Zudem hinterlässt die operative Behandlung eine Narbe am Hals, und es treten bei ihr häufiger Herzinfarkte auf als beim Stent-Verfahren. Hingegen war über die Langzeitwirkung der Stent-Behandlung bisher wenig bekannt.

In die Studie, die soeben in der renommierten britischen Fachzeitschrift Lancet publiziert wurde, wurden 1‘713 Patienten einbezogen, von denen die Hälfte mit Stents und die andere Hälfte chirurgisch behandelt wurden. Die Studienteilnehmer wurden bis zu 10 Jahre nach dem Eingriff nachuntersucht. Dabei traten nach beiden Behandlungsmethoden schwere Hirnschläge, welche zu einer Behinderung im Alltag oder zum Tod führten, gleich selten auf, nämlich bei nur rund 6,5 Prozent der Patienten. Auch traten erneute Verengungen der behandelten Arterien bei beiden Methoden etwa gleich wenig auf.

Medienauskunftsstelle