14. Oktober 2014

Basler Forscher verbessern Diagnose von Herzinfarkten bei Frauen

Frauen haben ein höheres Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben als Männer. Weshalb dies so ist, ist nicht gut erforscht. Es könnte daran liegen, dass Frauen Symptome eines Herzinfarkts länger ignorieren, entsprechend später ins Spital gehen und auf der Notfallstation weniger ernst genommen werden als Männer. Eine Forschungsgruppe des Universitätsspitals Basel hat nun Lösungsansätze gefunden, um die Diagnose von Herzinfarkten bei Frauen zu verbessern.

 

Der Herzinfarkt ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Obwohl prozentual weniger Frauen einen Herzinfarkt erleiden als Männer, ist das Risiko als Frau an einem Herzinfarkt zu sterben höher als das der Männer. Die höhere Sterblichkeitsrate erklärt sich womöglich damit, dass bei Frauen mehr falsche oder verspätete Diagnosen gestellt werden als bei Männern. Deshalb wollte die Forschungsgruppe des Universitätsspitals Basel (USB) herausfinden, ob frauenspezifische Symptome existieren, anhand derer das Risiko für Herzinfarkte bei Frauen frühzeitig zu erkennen und einzudämmen wäre.

Nachdem frühere Studien darüber berichteten, dass es bei den Symptomen eines Herzinfarkts geschlechtsspezifische Unterschiede gebe, kann dies die neue, federführend am USB erstellte Studie nur bedingt bestätigen. Zwar wurde festgestellt, dass Frauen und Männer bei Herzinfarkten teilweise unterschiedliche Formen von Brustschmerzen erleben, doch sind die Ergebnisse nicht signifikant genug, um von tatsächlich geschlechtsspezifischen Symptomen sprechen zu können.

Für Projektleiterin Dr. Maria Rubini Giménez und Studienleiter Prof. Christian Müller, Leitender Arzt Kardiologie des USB und Leiter Cardiovascular Research Institute Basel (CRIB), ist die Hauptaussage aus der Studie klar: In der Behandlung von Frauen und Männern, die über Brustschmerzen klagen, darf es beim ersten Arztkontakt keinen Unterschied geben. Deshalb muss bei allen Frauen, die mit Verdacht auf Herzinfarkt eine Notfallstation aufsuchen, gleich verfahren werden wie es bei Männern Standard ist: Zwingend nötig sind ein Elektrokardiogramm zur Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Herzens und eine Blutanalyse zur Bestimmung des kardialen Troponin, welches im Falle eines Herzinfarktes erhöht ist.

Rasche Diagnose ist entscheidend

Eine Verbesserung der Frühdiagnose des Herzinfarkts ist für Frauen wie Männer essentiell. Denn je schneller die Diagnose Herzinfarkt feststeht, umso schneller kann eine Therapie begonnen und das Risiko eines tödlichen Ausgangs verringert werden. Mit jeder Minute ohne Therapie steigt die Wahrscheinlichkeit, an einem Herzinfarkt zu sterben oder aufgrund einer Herzschwäche deutlich an Lebensqualität einzubüssen.

In die Studie, die unlängst in der renommierten US-Fachzeitschrift JAMA Internal Medicine publiziert wurde, wurden seit 2006 2‘475 Patientinnen (32%) und Patienten (68%) an sieben Spitälern in der Schweiz, Italien, und Spanien einbezogen. Projektleiterin Dr. Maria Rubini Giménez erhielt Mitte September von der Herzstiftung Olten den Forschungspreis „Frau und Herz“ überreicht sowie schon im Sommer den Otto Hess Trainee Award der Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie. Rubini wurde für ihren Beitrag zur Verbesserung der Erkennung und Behandlung von Frauen mit Herzinfarkten ausgezeichnet.

Die Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Christian Müller wird am Thema weiter forschen. Deshalb wurde beim Schweizerischen Nationalfonds soeben beantragt, die Finanzierung um weitere drei Jahre zu verlängern. Gemäss Prof. Stefan Osswald, Chefarzt Kardiologie des USB, zeigt die ausgezeichnete Arbeit eindrücklich und beispielhaft, wie wichtig die Ergebnisse der klinischen Forschung am USB sind, um die Behandlung von Patientinnen mit Verdacht auf Herzinfarkt weiter zu verbessern.

 

Medienauskunftsstelle