14. November 2013

Bei starkem Übergewicht wirken Operationen besser als Diäten

In industrialisierten Ländern werden Übergewicht und Adipositas zu einem immer grösseren Gesundheitsproblem. So haben Betroffene ein höheres Risiko für Typ 2 Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislaufprobleme, Beschwerden des Bewegungsapparates und sogar Krebserkrankungen. Eine am Universitätsspital Basel durchgeführte Studie kommt nun zum Schluss, dass operative Massnahmen das Körpergewicht stärker reduzieren können als Diäten oder körperliche Aktivität.

 

In den meisten europäischen Ländern sind 40 bis 50 Prozent der erwachsenen Bevölkerung übergewichtig oder adipös. Als adipös gelten stark übergewichtige Personen mit einem Body Mass Index von mindestens 30 kg/m2. Mit der Entwicklung der bariatrischen Chirurgie (Gewichtsreduktionschirurgie) stehen heutzutage operative Möglichkeiten zur Verfügung, mit welchen das Körpergewicht gesenkt werden kann.

Wie nun eine Studie am Universitätsspital Basel zeigt, können mit bariatrischer Chirurgie, wie Magenverkleinerungs- oder Magenbypassverfahren grössere Gewichtsverluste erzielt werden als mit nicht-operativen Massnahmen. So nahmen operierte adipöse Patienten im Schnitt 26 Kilogramm mehr ab als Personen, die eine Diät befolgten oder vermehrt körperlich aktiv waren.

Die Ergebnisse der Studie, die unter der Leitung von Dr. Viktoria Gloy und Prof. Alain Nordmann vom Institut für Klinische Epidemiologie und Biostatistik am Universitätsspital Basel entstand, wurden vor Kurzem im renommierten „British Medical Journal“ publiziert. Die Studie bietet eine systematische Übersicht und Meta-Analyse, welche die Effekte der bariatrischen Chirurgie im Vergleich zu nicht-operativen Massnahmen zur Behandlung von Adipositas analysiert und quantifiziert. In die Studie wurden 11 randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt 796 Personen mit einem mittleren Body Mass Index zwischen 30 und 50 kg/m2 aufgenommen.

Auch weniger Risikofaktoren

Dass die bariatrische Chirurgie Vorteile gegenüber nicht-operativen Massnahmen hat, zeigt sich nicht nur bezüglich Gewichtsabnahme sondern auch bei den Risikofaktoren für andere Erkrankungen. So zeigt die Studie, dass die Anzahl der Patienten mit Diabetes und Metabolischem Syndrom, dem entscheidenden Risikofaktor für koronare Herzkrankheiten, bei operierten Personen stärker zurückging als bei nicht-operierten Personen. Positiv wirkten sich Operationen auch auf andere Faktoren aus: Die Triglyceridspiegel senkten sich und die HDL-Cholesterinspiegel erhöhten sich nämlich bei operierten Personen stärker als bei nicht operierten.

Ebenfalls untersucht wurden mögliche Nebenwirkungen der bariatrischen Operation. Die häufigsten Nebeneffekte waren die Notwendigkeit einer erneuten Operation sowie eine eisenmangelbedingte Blutarmut. Hingegen wurde in den eingeschlossenen Studien über keine Herzkreislaufkomplikationen oder Todesfälle im Zusammenhang mit Operationen berichtet. Die Verfasser der Studie betonen, dass weitere Forschungsarbeiten nötig seien, um die Langzeitfolgen der bariatrischen Chirurgie bezüglich Langzeitnebenwirkungen oder Herz-Kreislauferkrankungen zu evaluieren.

Link zur Studie "Bariatric surgery versus non-surgical treatment for obesity: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials"

 

Medienauskunftsstelle