12. Mär 2019

Besteht ein Zusammenhang zwischen Vorhofflimmern und Demenz?

Vorhofflimmern ist mit rund 100'000 Betroffenen alleine in der Schweiz die häufigste Herzrhythmusstörung und wird mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung gebracht. Schon länger bekannt sind zum Beispiel Zusammenhänge mit der Herzinsuffizienz und dem Schlaganfall. Aber auch der allmähliche Verlust an kognitiver Funktion bis hin zur Entwicklung einer Demenz scheinen mit Vorhofflimmern assoziiert zu sein.

Welche Mechanismen bei der Verbindung von Vorhofflimmern und Demenz spielen ist nicht geklärt. Diesen Zusammenhang untersucht deshalb ein vom Schweizerischen Nationalfonds unterstütztes Forschungsprojekt. Die Swiss-AF Studie (Swiss Atrial Fibrillation Cohort Study) steht unter der Leitung zweier Mitarbeiter des Universitätsspitals Basel, Prof. Stefan Osswald, Chefarzt Kardiologie, und Prof. Michael Kühne, Leitender Arzt Kardiologie und Leiter der Vorhofflimmer-Klinik Basel.

Die ersten Resultate zum Zusammenhang zwischen strukturellen Hirnveränderungen (Hirnläsionen) und kognitiver Leistungsfähigkeit wurden nun bei über 2'400 Patienten in Zusammenarbeit mit Prof. David Conen (McMaster University in Hamilton, Kanada) im renommierten Journal of the American College of Cardiology (JACC) veröffentlicht. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Mehrheit der Patienten mit Vorhofflimmern relevante Hirnläsionen aufweisen wie zum Beispiel kleine Blutungen, Lakunen (Löcher), Narben von Hirninfarkten oder Verlust an weisser Hirnsubstanz. Neu ist, dass die meisten davon «klinisch stumm», also für Arzt und Patient unerkannt verlaufen. Die Analyse zeigt weiter, dass diese stummen Hirnläsionen mit einer tieferen kognitiven Leistungsfähigkeit einhergehen, und zwar in einem vergleichbaren Umfang wie die Leistungseinbusse nach einem klinisch klar erkennbaren Hirnschlag. Aus praktischer Sicht wirft die Studie die Frage auf, ob eine möglichst frühzeitige Erkennung der Risikopatienten mittels Magnetresonanztomographie (MRI) und Kognitionstests sowie die konsequente Frühbehandlung des Vorhofflimmerns die beobachteten Veränderungen im Gehirn und letztlich den Abbau der kognitiven Leistung verhindern können. Hierfür werden weitere Studien unter Beobachtung der kognitiven Funktion im Langzeitverlauf durchgeführt.

Swiss-AF ist eine prospektive Beobachtungsstudie, in die zwischen April 2014 und August 2017 2’415 Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern eingeschlossen wurden. Die Studie wird in der ganzen Schweiz an insgesamt 14 Zentren durchgeführt. Die Patienten füllen regelmässig Fragebögen zur Krankengeschichte, Medikamenten und Lebensstilfaktoren aus. Ausserdem unterziehen sich alle Patienten verschiedenen Tests (zum Beispiel Gedächtnistests), um die kognitive Leistungsfähigkeit bestimmen zu können. Zusätzlich wird ein MRI des Gehirns bei Studienbeginn und nach zwei Jahren gemacht, damit Art, Anzahl und Volumen der Hirnläsionen erfasst werden können. Die Patienten kommen im Rahmen der Swiss-AF Studie jährlich ans Studienzentrum, um die Untersuchungen zu wiederholen. So kann zukünftig auch der Langzeitverlauf untersucht werden.

Medienauskunftsstelle