13. April 2015

Deutlich weniger Infektionen nach herzchirurgischen Eingriffen

Erfolg für das Herzzentrum des Universitätsspitals Basel: Mit verschiedenen Massnahmen hat die Klinik für Herzchirurgie die Zahl der postoperativen Infektionen markant reduzieren können. Vor fünf Jahren lagen die Infektionsraten noch im Mittelfeld aller schweizerischen herzchirurgischen Kliniken. Heute belegt die Klinik für Herzchirurgie des Universitätsspitals Basel mit einer Infektionsrate von 3,2 Prozent in der Schweiz einen Spitzenplatz.

 

Am Universitätsspital Basel (USB) werden jährlich rund 700 meist hochkomplexe Herzoperationen durchgeführt. Solche Eingriffe dauern mehrere Stunden und benötigen mehrheitlich den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. Eine Operation am Herzen birgt - wie jede Operation - das Risiko eines postoperativen Wundinfektes. Dieses Risiko hängt stark vom allgemeinen Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten sowie vom Vorliegen von zusätzlichen Grunderkrankungen ab.

Im USB überwacht die Abteilung für Spitalhygiene das Auftreten von postoperativen Infektionen. Patientinnen und Patienten werden auch noch ein Jahr nach erfolgreicher Operation befragt, ob sich nach der Spitalentlassung eine Komplikation ereignet hat. Diese Erhebungen werden im Auftrag des Nationalen Vereins für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) durch den Verein Swissnoso koordiniert. Swissnoso gibt Empfehlungen ab, was Spitäler gegen Krankenhausinfektionen vorkehren können.

Erfreuliche Entwicklung

Vor fünf Jahren lagen die Infektionsraten nach herzchirurgischen Eingriffen im USB noch im Mittelfeld aller schweizerischen herzchirurgischen Kliniken. Darauf haben Prof. Friedrich Eckstein, Chefarzt Herzchirurgie des USB, und Prof. Andreas Widmer, Leiter Spitalhygiene des USB, gemeinsam ein Interventionskonzept erarbeitet, das nun klar messbare Erfolge zeigt. Aktuell erleiden nur noch 3,2 Prozent aller herzchirurgischen Patientinnen und Patienten im USB eine Infektion. Es handelt sich dabei meist um Patientinnen und Patienten, die notfallmässig operiert werden müssen und bei denen vorbereitende Massnahmen auf Grund der lebensbedrohlichen Situation nicht abgeschlossen werden können.

Zu den Massnahmen im Operationsaal gehören beispielsweise die strenge Überwachung der Hygienerichtlinien, das obligatorische Tragen von doppelten Handschuhen,  eine minimale Rasur der Körperhaare mit einem speziellen medizinischen Rasierer, der keine Hautschürfungen hervorruft, die von einer Fachperson überwachte Hautdesinfektion und die minutengenaue Antibiotikaprophylaxe. Im Herzteam wird regelmässig besprochen, wie sich die Infektionszahlen entwickeln, ob neue Massnahmen eingeführt oder ob bestehenden angepasst werden müssen. Die Ergebnisse werden für alle sichtbar auf einem Schild vor dem Operationssaal transparent gemacht.

Zudem wird im USB genau darauf geachtet, dass den Patientinnen und Patienten vor der Operation mehrmals eine Gurgellösung und eine Nasensalbe gegeben werden, um einen typischen Erreger von postoperativen Infektionen zu eliminieren. Diese Massnahmen haben bei geplanten Operationen dazu geführt, dass dieser gefährliche Keim bei Patientinnen und Patienten nicht mehr aufgetreten ist.

Die am USB umgesetzten Massnahmen zur Vermeidung von postoperativen Infektionen in der Herzchirurgie werden nun allen schweizerischen Kliniken als Modul des Vereins Swissnoso angeboten, damit auch andere Kliniken von den Erfahrungen profitieren können. So erfreulich die Erfolge für Patientinnen und Patienten, aber auch das USB sind, so herausfordernd ist es, künftig eine noch bessere Qualität anbieten zu können.

 

Medienauskunftsstelle