01. Jul 2019

Dr. YouTube ist ein Quacksalber

36 Prozent der meistgesehenen YouTube-Videos zu Neurodermitis können potentiell Schaden anrichten. Das zeigt eine Studie von Basler Dermatologen, die sie auf einem Kongress in Liverpool präsentiert haben. Einmal mehr zeigt sich, dass Selbstdiagnosen oder gar Therapieempfehlungen via Internet nicht verlässlich sind.

 

Ekzeme, auch bekannt als Neurodermitis oder atopische Dermatitis, betreffen weltweit etwa 20 Prozent der Kinder und rund zwei Prozent der Erwachsenen. Auf der Videoplattform YouTube, der am zweithäufigsten aufgerufenen Internetseite, finden sich tausende Videos zu diesem Thema. Eine Studie von Dermatologen des Universitätsspitals Basel um Oberarzt Dr. Simon Müller hat die Qualität der Informationen in den 100 meistgesehenen Ekzem-bezogenen Videos auf YouTube untersucht. Diese Videos haben eine gesamthafte Laufzeit von 7h 52 Min und zählten zum Zeitpunkt der Erfassung eine kombinierte Zahl von 8,52 Millionen Views. Die Studie wurde am britischen Dermatologenkongress vorgestellt.

Die wissenschaftliche Qualität der Videos wurde mit zwei etablierten Bewertungs-Tools evaluiert. Zusätzlich wurden die Videos in die Kategorien «nützlich», «irreführend» und «potentiell schädigend» eingestuft. Die Autoren kamen zum Schluss, das 46% der Videos «irreführend» sind und 36% als «potentiell schädigend» eingestuft werden müssen. So wurden zum Beispiel Ekzem-Patienten nicht nur ermutigt, unnötige Diäten wie etwa die Vermeidung von Milchprodukten oder Gluten einzuhalten. Es wurden auch potentiell schädigende Hautbehandlungen und Lichttherapien für den Heimgebrauch empfohlen, ohne detaillierte Informationen über die Anwendungsdauer oder potentielle Gesundheitsrisiken. Zudem wurden konventionelle medizinische und ärztliche Ratschläge auf verschiedene Art und Weise diskreditiert und stattdessen «Wunderkuren» versprochen. 50 Prozent der Videos stammten denn auch von Vertreibern alternativer Behandlungsmethoden und nur knapp 30 Prozent von Institutionen aus dem Gesundheitsbereich oder Universitäten.

Die Bewertungs-Tools kamen zum Schluss, zwei Drittel der Videos seien von minderwertiger oder sehr minderwertiger wissenschaftlicher Qualität. Dabei korrelierten die Bewertungen der Konsumentinnen und Konsumenten nicht mit der wissenschaftlichen Einschätzung, was zum Schluss führt, dass die Informationssuchenden nicht in der Lage waren, guten von schlechtem wissenschaftlichen inhalt zu unterscheiden.  «Wir lehnen Laien-Recherchen im Internet keineswegs ab, aber wir raten dringend davon ab, Entscheidungen nur aufgrund von Youtube-Videos zu treffen», sagt der Erstautor der Studie, Dr. Simon Müller.

 

Medienauskunftsstelle