17. November 2016

Intensive Forschung zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen

Am Universitätsspital und der Universität Basel werden in den kommenden Jahren neue Lösungsansätze erforscht, um Antibiotikaresistenzen zu bekämpfen. Das Nationale Forschungsprogramm «Antimikrobielle Resistenz» unterstützt gleich sechs Projekte von Forschungsteams des Universitätsspitals und der Universität Basel. Hierfür hat der Schweizerische Nationalfonds einen Betrag von insgesamt CHF 2,79 Millionen gesprochen.

 

Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien haben in den vergangenen Jahren weltweit deutlich zugenommen. Auch in der Schweiz werden immer mehr Keime resistent gegen die heutzutage bekannten Antibiotika. Deshalb ist es zunehmend schwierig, Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien zu behandeln. Die eingeschränkten und teilweise sogar fehlenden Therapieoptionen haben schwerwiegende Konsequenzen für die Patientinnen und Patienten. Wenn Medikamente ihre Wirksamkeit verlieren, wandeln sich einst leicht behandelbare Infektionen zu tödlichen Krankheiten.

Dieser Entwicklung möchte das Nationale Forschungsprogramm «Antimikrobielle Resistenz» (NFP 72) entgegenwirken. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) hat für das NFP 72 ein Budget von CHF 20 Millionen bereitgestellt. Von insgesamt 108 eingegangenen Vorschlägen hat der SNF nun die ersten 21 Forschungsprojekte bewilligt. Dabei werden gleich sechs Forschungsprojekte mit Beteiligung der Universität und des Universitätsspitals Basel (USB) gefördert. Diese Projekte werden mit insgesamt CHF 2,79 Millionen unterstützt.

Die Projekte im Einzelnen

Die sechs Basler Projekte beschäftigen sich mit unterschiedlichen Aspekten sowohl der Entdeckung von Antibiotikaresistenzen als auch mit deren Verbreitung. Es handelt sich um folgende Projekte:

-       Die Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene des USB untersucht bei der Verbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien die spezifischen Anteile von Übertragungen inner- und ausserhalb des Spitals. Dazu wird das gesamte Erbgut von Bakterien mit der modernen Methode «Next Generation Sequencing» aufgeschlüsselt. In Zusammenarbeit mit der ETH Zürich wird ein Modell zur Ausbreitung von multiresistenten Bakterien erstellt, womit sich Rückschlüsse auf die entsprechenden Übertragungsketten ziehen lassen.

-       Die Abteilung für Klinische Mikrobiologie des USB erprobt im klinischen Alltag eine neuartige Methode zur schnelleren Detektion der Antibiotikaempfindlichkeit von Bakterien. Mit der von der ETH Zürich entwickelten neuen Messmethode könnten Patientinnen und Patienten in Zukunft deutlich schneller eine wirksamere antibiotische Therapie erhalten.

-       Die Abteilung für Klinische Mikrobiologie des USB schlüsselt Bakterien nach ihren Erbgutinformationen auf, um genaue Übertragungsmechanismen in der Umwelt zu verstehen. Unter der Leitung der ETH Zürich wird die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen von Bakterien in der Umwelt, im Tier und im Menschen erforscht. Damit sollen vorbeugende Massnahmen zu Ausbreitung von multiresistenten Bakterien entwickelt werden können.

-       Das Basel Institute for Clinical Epidemiology & Biostatitics des USB führt eine nationale Interventionsstudie durch, welche die Antibiotikaverschreibung bei Atemwegs- und Harnwegsinfektionen in der Grundversorgung verringern soll und den Einfluss auf die Resistenzentwicklung bei Harnwegsinfekten überprüft. Angestrebt wird eine Verringerung der Antibiotikaverschreibung durch die an der Studie teilnehmenden Ärzte um 5 Prozent.

-       Am Biozentrum der Universität Basel wird der Funktionsmechanismus untersucht, mit dem sich viele pathogene Bakterien mit einer äusseren Membran schützen. Ziel ist, den Entstehungsmechanismus der Proteine dieser Membran zu verstehen, um ihn blockieren und so für neue Antibiotika nutzen zu können.

-       Am Biozentrum der Universität Basel werden die Grundlagen von Antibiotikatoleranz und ihre Bedeutung für das Entstehen resistenter Keime untersucht. Hintergrund ist die zunehmende Zahl von Krankheitserregern, die eine Antibiotikatherapie auch ohne die Entwicklung einer Resistenz überstehen. In der Studie sollen die molekularen und metabolischen Mechanismen der Antibiotikatoleranz erforscht werden. Damit lassen sich neue diagnostische Werkzeuge entwickeln, welche dabei helfen, das Auftreten von Antibiotikatoleranzen in der Klinik zu überwachen und einzudämmen.

 

Medienauskunftsstelle