04. Jul 2019

«Kalte» Laserablation statt herkömmlicher Säge und Bohrer

Nach rund acht Jahren der Entwicklung, diversen Studien und Tests ist am 3. Juli 2019 am Universitätsspital Basel die weltweit erste Oberkieferkorrektur mittels robotergesteuerter kalter Laserablation durchgeführt worden. Die angewandte Lasertechnik ist integraler Bestandteil des CARLO®-Systems.

 

In Operationssälen gehören heute eine Vielzahl digitaler Geräte und robotischer Systeme zur Standardausrüstung. Den meisten dieser Systeme ist gemein, dass sie die herkömmlichen mechanischen Instrumente entweder robotergesteuert positionieren oder Bewegungen des Arztes mittels Joystick in Aktionen des Instruments umwandeln. Die Basler Entwicklung CARLO® geht andere Wege. Das Akronym CARLO® steht für «Cold Ablation Robot-guided Laser Osteotome». CARLO® ist der weltweit erste medizinische, taktile Roboter, der Knochen berührungsfrei mit kalter Lasertechnologie schneiden kann. Das System des Medtech-Startups Advanced Osteotomy Tools AG (AOT) mit Sitz in Basel ist eine Plattformtechnologie, bestehend aus einer Navigations- und einer Robotereinheit, die das Laser-Osteotom steuert. Der Laser und somit das System sind universell einsetzbar und ermöglichen, ähnlich einem Smartphone, das Aufspielen von Apps, die den Arzt oder die Ärztin bei der kompletten Umsetzung des Eingriffs von der präoperativen Planung bis zur intraoperativen Durchführung digital unterstützen. Eine erste solche App hat AOT bereits für die Indikation «Oberkieferkorrektur» entwickelt und am Unispital Basel nun erstmals erfolgreich eingesetzt. «Die kontaktlose Laser-Osteotomie ist der digitale Schlüssel für die robotische Chirurgie», zeigt sich Cyrill Bätscher, CEO von AOT, überzeugt.

«Mit diesem First-In-Man-Einsatz eines Systems, das den gesamten Ablauf des Eingriffs digitalisiert, untermauert das Universitätsspital Basel seinen Anspruch, in der Digitalisierung der Medizin ganz vorne mitzuspielen», sagt Spitaldirektor Dr. med. Werner Kübler. Die First-in-Man-Studie, die momentan am Unispital Basel, dem Kantonsspital Aarau und dem AKH Wien läuft, ist Teil der europäischen Zulassung für das CARLO®-System.

Das Potenzial der Laser-Osteotomie wird als sehr hoch eingestuft. So arbeitet AOT momentan an Echtzeit-Gewebeanalysen. Diese sollen ermöglichen, dass der Arzt jederzeit weiss, ob er in gesundem oder in krebsbefallenem Gewebe operiert. «Der Laser hat zudem nicht nur sicherheitsrelevante Vorteile gegenüber herkömmlichen Instrumenten. In präklinischen Studien konnte gezeigt werden, dass die Heilung schneller verläuft und beliebige funktionale Knochenschnitte durchgeführt werden können, welche neue und schonendere OP-Techniken erlauben», sagt Prof. Philipp Jürgens, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg am Unispital Basel und Mitgründer von AOT.

Der Laser ist universell am gesamten Körper einsetzbar. Nach erfolgreicher Studie und Zulassung des Gerätes soll das Gerät international kommerzialisiert werden.

 

Medienauskunftsstelle