30. August 2016

Mit modernsten Methoden auf der Jagd nach gefährlichen Bakterien

Bakterielle Infektionen in der Blutbahn eines Menschen verlaufen in bis zu 20 Prozent der Fälle tödlich. Um eine Blutvergiftung adäquat zu behandeln und somit ein mögliches Organversagen zu verhindern, ist es wichtig, die Bakterien möglichst rasch zu identifizieren. Mit dem Massenspektrometer können Bakterien nun direkt in der Blutkultur bestimmt werden. Das neue Messverfahren ist deutlich schneller als die bisherigen konventionellen Methoden, wie eine Studie am Universitätsspital Basel zeigt.

 

Wenn sich gefährliche Bakterien im Blut eines Menschen ausbreiten, ist schnelles Handeln gefragt. Mit einer raschen Identifikation der Bakterien kann die antibiotische Therapie bereits früh auf die entsprechenden Keime angepasst werden. Direkte Folge davon ist eine bessere und wirksamere Therapie für die Patientinnen und Patienten. Dank neuer Verfahren der Massenspektrometrie können Bakterien nun direkt in der Blutkultur bestimmt und damit deutlich schneller als bisher identifiziert werden.

Eine Studie der Abteilung für Klinische Mikrobiologie des Universitätsspitals Basel (USB) bestätigt den positiven Einfluss dieser neuen Methodik bei Blutvergiftungen. Der Zeitgewinn von der Blutentnahme bis zur Identifikation des Bakteriums ist frappant: Mit der konventionellen Diagnostik dauerte der Prozess durchschnittlich 59,1 Stunden, mit der Massenspektrometrie lediglich 33,2 Stunden. Somit ergab sich eine Zeitersparnis von mehr als 24 Stunden.

Tiefere Sterblichkeit

Die Schnelldiagnostik mit dem Massenspektrometer führte dazu, dass Patientinnen und Patienten mit einer Blutvergiftung deutlich seltener auf eine Intensivstation eingeliefert werden mussten (23,1 Prozent vs. 37,2 Prozent). Ausserdem zeigte sich auch eine leicht tiefere Sterblichkeit (9,6 Prozent vs. 16,4 Prozent). Die überzeugenden Studienresultate haben nun dazu geführt, dass die Massenspektrometrie zur Identifikation von Bakterien in der Blutbahn in das Routinerepertoire der Diagnostik für Patientinnen und Patienten des USB und des Universitäts-Kinderspitals beider Basel aufgenommen wurde.

Die Studie hat insgesamt 368 Patientinnen und Patienten mit Blutvergiftungen über den Zeitraum von einem Jahr untersucht. Bei einem Teil der Patienten wurde die bisherige Methodik angewandt, beim anderen Teil wurde zusätzlich eine raschere Identifikation der Bakterien mittels Masssenspektrometrie durchgeführt. Das Massenspektrometer erkennt das Muster der Proteinbestandteile, welches für ein bestimmtes Bakterium hoch charakteristisch ist. Auf diese Weise können Staphylococcus aureus Escherichia coli, Enterobacter clocae, Klebsiella pneumoniae, Pseudomonas aeruginosa und andere gefährliche Bakterien zuverlässig identifiziert werden, die häufig eine Infektion der Blutbahn verursachen.

Neben der Abteilung für Klinische Mikrobiologie haben auch die Kliniken für Infektiologie und Spitalhygiene, für Innere Medizin sowie die beiden Intensivstationen des USB mitgewirkt. Die Studienresultate wurden soeben in der renommierten Fachzeitschrift «Clinical Microbiology and Infection» publiziert.

 

Medienauskunftsstelle