04. Dezember 2017

Neuer Ansatz, um Operationen noch sicherer zu machen

Auch während und nach Operationen, die nicht am Herzen vorgenommen werden, haben Risikopatienten ein nicht unbedeutendes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Solche vom Patienten oft gar nicht bemerkten kleinen Herzinfarkte tragen ganz erheblich zu unerwarteten Todesfällen nach Operationen bei. Das zeigt eine Studie des Universitätsspitals Basel, die soeben in der Fachzeitschrift «Circulation» der American Heart Association publiziert wurde. Die Studienautoren empfehlen, Risikopatienten, die vor einer Operation stehen, erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken, um die Gefahr eines Herzinfarkts mit potentieller Todesfolge möglichst tief zu halten.

 

Bei sämtlichen Operationen gelten Menschen, die über 65 Jahre alt sind oder an einer kardiovaskulären Erkrankung leiden, als Risikopatienten. Solche Patienten haben während und vor allem in den ersten Tagen nach einer Operation ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Eine Studie des Universitätsspitals Basel (USB) zeigt nun, dass einer von sieben Risikopatienten im Zusammenhang mit einer Operation einen Herzinfarkt hat. Genau gesagt wurde bei ihnen ein so genannter perioperativer Myokardinfarkt (PMI) festgestellt.

Die Forschenden erfassten für ihre Studie 2‘018 Risikopatienten, die sich in den Jahren 2014 und 2015 im USB 2‘546 Operationen unterzogen. Untersucht wurden sowohl wenig risikoreiche Operationen (z.B. Kniespiegelung) wie auch moderat risikoreiche (z.B. Hüftprothese) bis hin zu hoch risikoreichen Operationen (z.B. Leberresektion). Bewusst nicht untersucht wurden Operationen am Herzen. Die Studie wurde im USB als fächerübergreifendes Projekt der Kardiologie, der Anästhesie, mehrerer chirurgischen Abteilungen und der Labormedizin durchgeführt.

Höhere Sterblichkeit

Die Studie kommt zum Ergebnis, dass ein PMI bei Risikopatienten eine meist unerkannte Komplikation darstellt und assoziiert ist mit einer erhöhten Sterblichkeit. So hatten Patienten mit einem PMI ein dreimal höheres Risiko, innerhalb von 30 Tagen nach der Operation zu versterben, als Patienten ohne PMI. Wichtig ist, dass nur sechs Prozent der Patienten mit einem PMI einen für einen Herzinfarkt typischen Brustschmerz verspürten und nur 20 Prozent andere verdächtige Symptome, die auf einen Herzinfarkt hindeuten können. «Patienten mit einem PMI werden oft nicht erkannt, da sie grossmehrheitlich keine Symptome haben, die für einen Herzinfarkt typisch sind», erklärt Dr. Christian Puelacher, Erstautor der soeben in der Fachzeitschrift «Circulation» veröffentlichten Studie und Forscher am Cardiovascular Research Institute Basel (CRIB) des USB.

Um trotzdem sagen zu können, ob sich ein PMI ereignet hat, wurde vor und nach einer Operation das kardiale Troponin T der Patienten bestimmt. Dieses Herzprotein zeigt unabhängig von Symptomen an, ob der Herzmuskel geschädigt wurde. «Zu wissen, dass ein PMI ein Risikofaktor für das Versterben nach Operationen ist, bedeutet, dass die Sicherheit bei Operationen weiter verbessert werden kann», sagt Forschungsgruppenleiter Prof. Christian Müller, Leitender Arzt Kardiologie am USB und Direktor des CRIB. «Da es noch keine klaren Therapieleitlinien gibt, ist bei Risikopatienten erhöhte Achtsamkeit, ein individualisiertes Vorgehen und eine gute Zusammenarbeit der verschiedenen Fachdisziplinen essentiell.» Das Forschungsprojekt BASEL-PMI wird fortgeführt und nun auch am Kantonsspital Aarau umgesetzt.

 

Medienauskunftsstelle