28. Juni 2021

Neues Zentrum vereint medizinische Tradition und Künstliche Intelligenz

Das Universitäre Zentrum für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und Gesichtsfehlbildungen vereint eine 150-jährige Basler Medizintradition mit modernsten Behandlungsmethoden. Unter der Führung von PD Andreas Müller entwickelt das Universitätsspital Basel eine zukunftsträchtige Methode, die die Behandlung vereinfachen wird und betroffenen Kindern auch in ärmeren Ländern eine wesentlich bessere Lebensqualität ermöglichen soll.

 

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sind die häufigsten angeborenen Fehlbildungen im Kiefer- und Gesichtsbereich und treten etwa bei einer von 750 Geburten auf. Sie entstehen zwischen der sechsten und zwölften Entwicklungswoche, weil sich die Lippen- und Gaumenhälften beider Seiten nicht vereinigen. In den meisten Fällen wird eine Spalte bereits im ersten Lebensjahr verschlossen, was optimal für die Entwicklung des Kindes ist. Frühe operative Eingriffe ermöglichen so eine normale Nahrungsaufnahme, eine gute Sprachentwicklung und ein verbessertes äusseres Erscheinungsbild.

Das neue Zentrum bietet betroffenen Kindern und ihren Eltern einen Ort, an dem sie eine koordinierte und kontinuierliche Behandlung durch alle erforderlichen Spezialisten erhalten. Oftmals erstreckt sich eine solche Behandlung bis ins Erwachsenenalter. Das unter der Leitung von PD Andreas Müller am Universitätsspital Basel neu gegründete Zentrum für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und Gesichtsfehlbildungen ist zurzeit gemeinsam mit dem Botnar Research Centre for Child Health, der ETH Zürich, Disney Research und internationalen Partnern aus Indien und Polen daran, die in Basel entwickelte schonende Methode mit nur einer Operation weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Dabei soll die relativ aufwendige Herstellung des operationsvorbereitenden Gaumenplättchens durch künstliche Intelligenz stark vereinfacht werden. Ohne Narkose und Röntgenstrahlen ist die Analyse mit optischer Abtastung nicht nur schonend, sondern auch risikoarm.

In Zukunft sollen Ärztinnen und Ärzte den Gaumen mit einem Smartphone fotografieren und die Bilder in eine spezielle Software einspeisen können. Diese erstellt automatisch ein räumliches Modell des Gaumens und entwirft ein individuelles Gaumenplättchen, das anschliessend mit einem 3D-Drucker schnell und günstig ausgedruckt wird. Andreas Müller und sein Team möchten diesen Prozess nun soweit vereinfachen, dass auch Kliniken in ärmeren Ländern problemlos Gaumenplättchen herstellen können.

Basel hat eine mehr als 150-jährige Tradition zur Behandlung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, die mit den bahnbrechenden Forschungsergebnissen von August Socin und Wilhelm His sen. im 19. Jahrhundert begann und mit dem neuen Zentrum für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und Gesichtsfehlbildungen fortgesetzt wird. Dieses Zentrum wird nicht nur für Patientinnen und Patienten aus der grenzüberschreitenden Region Basel und der Schweiz, sondern auch für solche in vielen ärmeren Ländern einen zukunftsweisenden Beitrag zur optimalen Behandlung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und anderen Gesichtsfehlbildungen leisten. 

 

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