28. August 2018

Verengte Herzkranzgefässe sind auch ohne Stents gut behandelbar

Um Verengungen von kleinen Herzkranzgefässen zu behandeln, werden bisher in der Regel Stents eingesetzt. Nun zeigt eine am Universitätsspital Basel durchgeführte Studie eine gute Alternative auf: Mit Medikamenten beschichtete Ballonkatheter sind genauso sicher und effektiv wie Stents. Die Ergebnisse der Studie werden heute am Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in München präsentiert und online in der Fachzeitschrift «The Lancet» publiziert.

 

Schädigungen in kleinen Herzkranzgefässen mit weniger als drei Millimetern Durchmesser werden bisher üblicherweise mit dem Einsetzen von Stents behandelt. Diese permanenten Gefässstützen sorgen dafür, dass die verengten Koronargefässe dauerhaft erweitert werden und das Blut wieder ungehindert zirkulieren kann. Seit einigen Jahren stehen für die Behandlung von solchen Stenosen auch mit Medikamenten beschichtete Ballonkatheter zur Verfügung, die nur vorübergehend in das betroffene Gefäss eingeführt und dann wieder herausgezogen werden. Eine federführend am Universitätsspital Basel (USB) durchgeführte Studie hat nun die beiden Methoden miteinander verglichen.

Es handelt sich um die bisher grösste Studie, welche die Wirkung von Medikamenten-beschichteten Ballons (drug-coated balloons, DCB) und Medikamenten-beschichteten Stents (drug-eluting stents, DES) als Therapien bei verengten Herzkranzgefässen einander gegenübergestellt hat. Zwischen 2012 und 2017 wurden an 14 Spitälern in Deutschland, Österreich und der Schweiz 758 Patientinnen und Patienten in die Studie einbezogen. In randomisierter Weise wurde die eine Hälfte mit Stents und die andere Hälfte mit Ballonkathetern behandelt.

Methode mit Ballonkatheter hat Vorteile

Die Auswertung der Daten hat gezeigt, dass mit beiden Methoden gleichwertig gute Behandlungsergebnisse erzielt werden. Bei beiden Verfahren war die Rate an schwerwiegenden unerwünschten kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt oder Tod zwölf Monate nach dem Eingriff praktisch gleich tief. Somit lässt sich die Aussage machen, dass Stenosen in kleinen Koronargefässen mit Ballonkathetern sicher behandelt werden können, so dass der Einsatz von Stents nicht zwingend notwendig ist.

Für Studienleiter Prof. Raban Jeger, Leitender Arzt Kardiologie am USB, hat der Einsatz von Ballonkathetern Vorteile: «Mit dem Verzicht auf Stents kann zum Beispiel die normale Gefässfunktion erhalten werden. Ausserdem ist die Behandlungszeit mit Plättchenhemmern kürzer, und es können vor allem keine Stentthrombosen auftreten.» Aus diesen Gründen und der nun vorliegenden wissenschaftlichen Evidenz wird das Verfahren mit Ballonkatheter mittlerweile am USB standardmässig eingesetzt.

Jeger präsentiert die Studienergebnisse heute als late breaking result am Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in München. Gleichzeitig wird die Studie mit dem Namen BASKET-SMALL 2 online in der renommierten Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlicht. Die Studie wurde von Jegers Forschungsgruppe am Departement Klinische Forschung der Universität Basel und des USB durchgeführt. Sie wurde vom Schweizerischen Nationalfonds, der Stiftung für kardiovaskuläre Forschung Basel und von der Firma B. Braun Medical AG unterstützt.

Link zur Studie: www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)31719-7/fulltext

 

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