29. August 2014

Völlig neue Möglichkeiten in der Behandlung von Knorpelschäden

Mit Knorpelzellen aus der Nase könnten Knorpelschäden im Kniegelenk repariert werden. Diesen Ansatz untersuchen Forschende von Universität und Universitätsspital Basel im Rahmen einer derzeit laufenden klinischen Studie. Kürzlich publizierte Forschungsresultate aus der Grundlagenforschung unterstützen diese These und eröffnen somit völlig neue Möglichkeiten für die Therapie von Knorpelschäden. Bestärkt in der Entwicklung neuer Strategien sieht sich insbesondere die Klinik für Traumatologie des Universitätsspitals Basel.

 

Seit mehr als zehn Jahren forschen Ärztinnen und Ärzte der Klinik für Traumatologie an innovativen Therapien, um Knorpelschäden an Gelenken zu behandeln. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Chirurgische Forschung und Spitalmanagement (ICFS) des Universitätsspitals Basel (USB) ist die Traumatologische Klinik mittlerweile in der Lage, im Labor natürliches Gewebe aus körpereigenen Zellen zu züchten und damit geschädigtes Knorpelgewebe zu ersetzen.

Als neustes Verfahren hat ein Team am Departement Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel um Prof. Ivan Martin sowie Prof. Marcel Jakob, Chefarzt Traumatologie, herausgefunden, dass Knorpelzellen der Nase solche eines Kniegelenks ersetzen können (vgl. Medienmitteilung der Universität Basel vom 28.8.14). In der laufenden klinischen Studie mit 25 Patienten am USB wird nun weiter untersucht, wie mit Knorpelzellen aus der Nasenscheidewand gezüchtetes Knorpelgewebe sicher und ohne Nebenwirkungen in Gelenke transplantiert werden kann. Die Studie schliesst derzeit erst Patientinnen und Patienten mit traumatischen Knorpelverletzungen ein, behandelt jedoch noch keine mit degenerativen Krankheiten wie Arthrose.

Grosses Interesse an Knorpelsprechstunde

Die neuen Erkenntnisse eröffnen ein weites Feld von möglichen Behandlungen von Knorpeldefekten. Dass die neuen Verfahren bei Patientinnen und Patienten auf grosses Interesse stossen, zeigt sich in der Knorpelsprechstunde, welche die Traumatologische Klinik des USB in Zusammenarbeit mit der Crossklinik Basel anbietet. Die Knorpelsprechstunde entspricht seit ihrem Bestehen 2009 einem Bedürfnis und wartet mit stetig steigenden Besucherzahlen auf.

Weil sportliche Aktivitäten heutzutage in der Bevölkerung einen hohen Stellenwert haben, nehmen entsprechend vor allem bei jungen Menschen Unfälle mit Gelenks- und Knorpelverletzungen zu. Ein bisher ungelöstes Problem war, dass Gelenkknorpelschäden in aller Regel nicht von selbst heilen und unbehandelte Defekte Jahre später zu Arthrose führen können. Für junge Patientinnen und Patienten steht deshalb eine bestmögliche Reparatur des Knorpels im Vordergrund, um Spätfolgen zu verhindern und den Einsatz einer Gelenkprothese möglichst hinauszuzögern.

Grössere Knorpeldefekte erfordern dabei meist aufwändige Verfahren mit Transplantationen von Gewebe, welches fähig ist, hochwertige Ersatzknorpel zu bilden. Allerdings erfordert dies auch spezielle Reinräume, in denen solches Gewebe gezüchtet werden kann. Mit der im USB am Departement Biomedizin aufgebauten Infrastruktur wird es möglich, diese für die Schweiz einzigartige Technik mit aus der Nase gezüchtetem Knorpelgewebe in weiteren klinischen Versuchen anzuwenden.

 

Medienauskunftsstelle