19. September 2016

Wissenschaftlich belegt: Ein Glas Bier macht gesellig

Was wir stets vermutet haben, ist nun auch wissenschaftlich belegt: Ein Glas Bier fördert die Geselligkeit und lässt uns fröhliche Gesichter schneller erkennen. Alkohol verändert die Wahrnehmung von Gefühlen und von sexuellen visuellen Reizen, hat aber keine sexuell anregende Wirkung. Erstmals hat eine Studie den Effekt von Alkohol auf die menschliche Empathie untersucht. Die Studie ist am Universitätsspital Basel entstanden und wurde heute in Wien präsentiert sowie in der Fachzeitschrift «Psychopharmacology» publiziert.

 

Die meisten Erwachsenen haben die akute Wirkung von Alkohol auf ihren Gemütszustand schon direkt erlebt. Doch erstaunlicherweise existieren dazu nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen. Überhaupt keine Daten lagen bisher zum Effekt von Alkohol auf die Empathie eines Menschen vor. Nun zeigt eine am Universitätsspital Basel (USB) durchgeführte Studie, wie Alkohol die Wahrnehmung von Gefühlen und von sexuellen visuellen Reizen verändert.

Studienleiter Prof. Matthias Liechti, Leitender Arzt   Klinische Pharmakologie und Toxikologie des USB, fasst die Studienergebnisse zusammen: «Wer ein Glas Bier trinkt, erkennt fröhliche Gesichter rascher und hat ein stärkeres Bedürfnis, mit anderen Menschen zusammen zu sein. Alkohol fördert nicht nur die Geselligkeit, sondern führt auch zu subjektiv erhöhter Gesprächigkeit und Offenheit. Diese subjektiven Alkoholeffekte werden von Personen, die sich als eher zurückhaltend und sozial scheu beurteilten, besonders stark empfunden.»

Alkohol führt zu mehr Empathie

Die Studie zeigt ferner, dass Alkohol das Mitgefühl für Personen in angenehmen Situationen erhöht. Bei Personen in unangenehmen Situationen ist dies hingegen nicht der Fall. Nach einem Glas Bier erhöhte sich die Empathie bei Personen, welche sich generell als eher wenig empathisch beurteilten. Ausserdem empfanden die Studienteilnehmer die Betrachtung erotischer Bilder als angenehm. Die Betrachtung explizit sexueller Bilder wurde – vor allem von Frauen – nach Alkoholkonsum deutlich angenehmer empfunden als ohne Alkohol. Dass Alkohol zu einer sexuellen Erregung führt, konnte die Studie hingegen nicht bestätigen.

Für die Studie wurden 60 gesunde Männer und Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren ein­geladen, ein alkoholhaltiges Bier zu trinken. An einem anderen Tag konsumierten sie ein alkoholfreies Bier. Die Reihenfolge war zufällig, und die Studienteilnehmer wussten nicht, ob ein alkoholhaltiges oder ein alkoholfreies Bier serviert wurde. Die konsumierte Biermenge von im Mittel 0,5 Liter (je nach Geschlecht und Körpergewicht) führte auf leeren Magen getrunken zu einem Alkoholgehalt im Blut von durchschnittlich 0,4 Promille. Keine Wirkung hatte der Alkohol auf das «Kuschelhormon» Oxytocin. Die Versuchspersonen führten Tests zur Erkennung von Gesichtsausdrücken durch und mussten ihr Mitgefühl mit Personen in angenehmen oder unangenehmen Situationen bewerten. Schliesslich wurden den Personen erotische und sexuell-explizite Bilder gezeigt, zu welchen sie gefragt wurden, wie erregend und angenehm sie diese empfinden.

Prof. Liechti stellte die Studienergebnisse heute in Wien am Kongress des European College of Neuropsychopharmacology (ECNP) vor. Gleichzeitig erfolgte die Publikation in der Fachzeitschrift «Psychopharmacology».

 

Medienauskunftsstelle