Hormonbehandlung

Die geschlechtsangleichende Hormontherapie stellt einen wesentlichen Teil der medizinischen Transition von Personen mit Geschlechtsdysphorie (GD) bzw. Geschlechtsinkongruenz (GI) dar. Die Beratung und Begleitung während der Hormontherapie erfolgt durch hierfür spezialisierte Ärzt_innen der Klinik für Endokrinologie in jeweiliger Absprache mit dem interdisziplinären Behandlungsteam. Dieses Vorgehen erlaubt einen abgestimmten und einen für Behandlungssuchende nahtlose Betreuung zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen. Das Vorgehen betreffend die geschlechtsangleichende Hormontherapie folgt den neuesten internationalen Behandlungsleitlinien (z.B. Endocrine Society Clinical Practice Guideline oder Guidelines der World Professional Association of Transgender Health WPATH).

Die Hormontherapie verfolgt das Ziel, bestehende und als störend erlebte sekundäre körperliche Geschlechtsmerkmale zu unterdrücken und jene für das eigene Geschlecht passende körperliche Merkmale zu entwickeln bzw. aufrechtzuerhalten. Dabei wird auf eine physiologische Hormonbehandlung geachtet, was die Risiken und Nebenwirkungen der Hormonbehandlung minimiert. Das Ausmass und der zeitliche Verlauf der hormonellen Wirkung ist individuell unterschiedlich, im Gespräch mit den Behandlungssuchenden werden die Grenzen der Hormonwirkung aufgezeigt um realistische Vorstellungen dieser Therapieoption zu erlangen.

 
 

Hormonbehandlungen bei trans femininen Personen

In der geschlechtsangleichenden Hormontherapie von trans feminine Personen werden einerseits Testosteronblocker (antimaskulinisierende Hormonwirkung) und andererseits Östrogenpräparate (feminisierende Hormonwirkung) eingesetzt.

Antimaskulinisierende Hormone: Mit diesen Medikamenten, meist Cyproteronacetat (Androcur®) oder Spironolacton (Aldactone®), wird die maskulinisierende Wirkung der körpereigenen Hormone blockiert. Die Wirkung hält nur während der Medikamenteneinnahme an und wird in der Regel bis zum Zeitpunkt einer Hodenentfernung verabreicht. Diese Medikamente erlauben es, die Dosis der Östrogene im physiologischen Bereich zu halten, was das Nebenwirkungsrisiko der Östrogene wesentlich vermindert.

Feminisierende Hormone: Die erwünschten verweiblichenden Wirkungen auf den Körper treten individuell unterschiedlich ein. Mit einem Beginn der Hormonwirkung ist innerhalb von 3-6 Monaten zu rechnen. Es wird dabei auf eine ähnliche Dosierung der Östrogene wie bei einer cis Frau ohne eigene Hormonproduktion geachtet. Aufgrund des erhöhten thrombo-embolischen Risikos wird der Einsatz von natürlichen 17β-Estradiolpräparaten (transdermal appliziert, zB. Estradot TTS® oder als orales Präparat, zB. Estrofem®) empfohlen. Der Einsatz von Ethinylestradiol (wie in kontrazeptiven Präparaten enthaltend) ist mit erhöhten kardiovaskulären Komplikationen assoziiert und kommen heute nicht mehr zur Anwendung. Die feminisierenden Hormonpräparate müssen nach einer geschlechtsangleichenden Operation lebenslang ersetzt werden.

 

Hormonbehandlungen bei trans maskulinen Personen

Zur geschlechtsangleichenden Hormontherapie bei trans maskulinen Personen kann Testosteron als intramuskuläre Injektion alle zehn bis zwölf Wochen (z. B. Nebido®) oder transdermal in täglicher Applikation (z. B Tostran®) angewendet werden. Das Ziel der gegengeschlechtlichen Hormontherapie ist die Unterdrückung der feminisierenden Wirkung der körpereigenen Hormone und die Entwicklung äusserer männlichen Geschlechtsmerkmale. Die Wirkungen treten unterschiedlich rasch in sehr individueller Art ein, meist innerhalb von drei bis sechs Monaten. Um den Körper an das Hormon zu gewöhnen und Nebenwirkungen zu vermeiden wird die Testosterondosis langsam gesteigert.

 

Hormontherapie aus pädiatrisch-endokrinologischer Sicht

Die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit einer GD/GI setzt einen intensiven Austausch im interdisziplinären Behandlungsteam zusammen mit der betroffenen Person und ihrem Umfeld (Eltern, andere Familienmitglieder, etc.) voraus. Sollte eine hormonelle Behandlung erwünscht sein, wird in einem ersten Schritt eine pubertätsblockierende Behandlung mit Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analoga (zB Lucrin®) eingesetzt. Das primäre Behandlungsziel dieses Schritts ist die Blockade der Geschlechtshormonbildung und damit die Verhinderung eines Fortschreitens der Pubertätsentwicklung.

Früh eingeleitete hormonelle Massnahmen zur Pubertätsunterdrückung können die geschlechtsdysphorischen Symptomatik nicht gänzlich verringern. Sie verhindern aber die als belastend empfundene Entwicklung sekundärer Geschlechtsmerkmale. Bei persistentem Wunsch einer gegengeschlechtlichen Hormonbehandlung wir in der Folge eine geschlechtsangleichende Hormontherapie (wie oben beschrieben) eingeleitet, wobei zur erwünschten Pubertätsinduktion zu Beginn eine langsame Steigerung der eingesetzten Hormone (Östrogen bewziehungsweise Testosteron) notwendig ist.