Leistungsangebot

Das Gehirn und das Rückenmark, auch das «zentrale Nervensystem» genannt, steuern beinahe alle Funktionen im Körper. Verletzungen oder Erkrankungen des zentralen Nervensystems sind sehr vielfältig und führen zu einer grossen Bandbreite an Symptomen. Deshalb ist eine präzise und schnelle Diagnose und Behandlung dieser Erkrankungen durch spezialisiertes Personal wichtig und zentral.

Unsere Klinik bietet ein grosses Spektrum an neurochirurgischen Abklärungen und Eingriffen am Gehirn an. Die Behandlung von Verletzungen und Erkrankungen an der Wirbelsäule und am Rückenmark erfolgt durch die Klinik für Spinale Chirurgie.

 

Unser Sprechstundenangebot

Für eine Untersuchung werden unsere Patienten von ihrem Hausarzt oder von Spezialärzten überwiesen und von uns schriftlich oder telefonisch aufgeboten.

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Wir sind Mo-Fr 08:00 - 12:00 und 13:00 - 17:00 Uhr telefonisch für Sie erreichbar

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Freitag       09:30 - 12:00 Uhr
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Spezialsprechstunden

 
 

Hirntumore

 

Schädelbasis & Hypophysen

 

Neurovaskuläre Sprechstunde

 

Bewegungsstörungen

 

Kinderneurochirurgische Sprechstunde (UKBB)

 

Privatsprechstunde

 

Sie finden uns in Klinikum 1, 1.OG, Ambulatorium Chirurgie

 

Vaskuläre Neurochirurgie

Die vaskuläre Neurochirurgie ist eine Subspezialisierung der Neurochirurgie, welche sich mit Erkrankungen von Hirngefässen befasst und diese behandelt. Sie beinhaltet in erster Linie die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Gefässmissbildungen, Hirnschlag und Carotisstenosen.

Die Behandlung von vaskulären Erkrankungen am Universitätsspital Basel erfolgt in einem interdisziplinären Rahmen, bestehend aus hochspezialisiert ausgebildeten vaskulären Neurochirurginnen und -chirurgen, interventionellen Neuroradiologinnen und Neuroradiologen, und vaskulären Neurologinnen und Neurologen. Unsere Institution ist die einzige in der Schweiz, welche über einen doppelt ausgebildeten Neurochirurginnen und Neurochirurgen (Neurochirurgie und interventionelle Neuroradiologie) verfügt. Dies führt zu einer idealen Zusammenarbeit beider Disziplinen im Alltag sowie in unserem neuen und hochmodernen Hybridsaal, wo operative und endovaskuläre Eingriffe simultan durchgeführt werden können.

Patientinnen und Patienten mit vaskulären neurochirurgischen Erkrankungen werden wöchentlich an unserem Stroke Kolloquium interdisziplinär besprochen und unsere Spezialisten legen die beste Behandlungsoption für jeden Patienten fest. Patienten mit Hirnschlag werden effizient, schnell und professionell durch unsere hochspezialisierte Stroke Unit abgeklärt und behandelt.

 
 

Aneurysma

Ein Aneurysma ist eine sackartige Ausstülpung, welche durch eine Gefässwandschwäche entsteht. Diese Schwäche kann sowohl angeboren als auch, im Zusammenhang mit gewissen Nebenerkrankungen (wie zum Beispiel Bluthochdruck), erworben sein.

Die dünnhäutige Wand eines Aneurysmas kann reissen und eine lebensgefährliche Blutung im Gehirn verursachen (Subarachnoidalblutung), was zu Symptomen wie heftigen, plötzlich auftretenden Kopfschmerzen, neurologischen Ausfällen wie Lähmung oder sogar zum Koma führen kann. Aneurysmen, die nicht platzen, verursachen typischerweise keine Symptome und werden meist zufällig im Rahmen einer Bildgebung des Kopfes entdeckt (inzidentell entdeckte Aneurysmen).

Ein geplatztes Aneurysma mit Subarachnoidalblutung bedeutet eine höchste Notfallsituation und die Behandlung beinhaltet den Verschluss des Aneurysmas und eine langzeitige intensive medizinische und neurochirurgische Nachbehandlung. In der Regel benötigen Patientinnen oder Patienten nach der akuten Behandlung einen stationären Aufenthalt in einer Neurorehabilitation. Ein inzidentelles Aneurysma gilt nicht als Notfallsituation und je nach Grösse, Konfiguration und Lokalisation des Aneurysmas muss dieses entweder verschlossen oder engmaschig nachkontrolliert werden.

Die Therapie des Aneurysmas kann entweder geschlossen (endovaskulär), mittels spezieller Mikrokatheter und Platinspiralen (Coiling), oder offen mittels einer Operation (Clipping) durchgeführt werden. Die jeweilige Therapie wird für jede Patentin oder jeden Patienten von unserem hochspezialisierten interdisziplinären neurovaskulären Team, bestehend aus vaskulären Neurochirurgen und interventionellen Neuroradiologen, individuell festgelegt.

Dank unserem neuen Hybrid-Operationssaal, welcher mit einem endovaskulären Instrumentarium ausgestattet ist, bieten wir eine vaskuläre Versorgung auf höchstem und modernstem Niveau. Wir können Operationen an Hirngefässen (wie beispielsweise Clipping) vervollständigen und das Resultat endovaskulär sofort überprüfen oder sogar kombinierte offene, operative und endovaskuläre Eingriffe kombinieren und in der gleichen Sitzung im Operationssaal durchführen.

 

Hirngefässmissbildungen

Verschlingungen und Kurzschlüsse von Gefässen werden als arteriovenöse Malformationen (AVM) bezeichnet. Im Gehirn werden solche Missbildungen häufig im Kindesalter und im jungen Erwachsenenalter (20  bis 30-Jährige) diagnostiziert. In der Regel sind diese Missbildungen angeboren, und in etwa 40 Prozent der Fälle ist eine Hirnblutung das erste Anzeichen der Erkrankung. Die AVM kann sich aber auch durch Lähmung, epileptische Anfälle oder Kopfschmerzen bemerkbar machen.

Die jeweilige Therapie einer AVM wird von unserem hochspezialisierten interdisziplinären neurovaskulären Team, bestehend aus vaskulären Neurochirurgen und interventionellen Neuroradiologen, für jede Patientin und jeden Patienten individuell festgelegt. Die Behandlung kann chirurgische, endovaskuläre oder strahlentherapeutische Massnahmen oder eine Kombination all dieser Techniken umfassen.

Dank unserem neuen Hybrid-Operationssaal, welcher mit einem endovaskulären Instrumentarium ausgestattet ist, bieten wir eine vaskuläre Versorgung auf höchstem und modernstem Niveau. Wir können Operationen an Hirngefässen (wie zum Beispiel AVM-Verschluss) vervollständigen und das Resultat endovaskulär sofort überprüfen oder sogar kombinierte offene, operative und endovaskuläre Eingriffe kombinieren und in der gleichen Sitzung im Operationssaal durchführen.

 

Kavernome

Kavernome (kavernöse Hämangiome) sind in der Regel erworbene Gefässmissbildungen des Gehirns. Sie kommen zu 80 Prozent im Grosshirn und zu 15 Prozent im Kleinhirn oder Hirnstamm vor.

Kavernome können lebenslang asymptomatisch bleiben und werden in solchen Fällen häufig zufällig anlässlich einer Bildgebung des Kopfes entdeckt. Symptomatische Kavernome verursachen häufig epileptische Anfälle, können aber auch zu chronischen Kopfschmerzen, Hirnblutungen, und fokal neurologischen Defizite (Lähmung, Sprachstörung und weitere) führen.

Kavernome müssen nicht immer sofort behandelt werden, jedoch falls entdeckt, engmaschig kontrolliert werden. Im Falle einer Hirnblutung, einer korrelierenden Symptomatik oder eines Wachstums des Kavernoms ist eine Behandlung zu erwägen. Die Behandlung ist in der Regel die operative Entfernung des Kavernoms. Dies ist jedoch nicht immer möglich und abhängig von der Lokalisation im Gehirn.

 

Hirnschlag (Stroke/Schlaganfall)

Ein Hirnschlag tritt auf, wenn die Sauerstoffzufuhr des Gehirns unterbrochen wird. Es kommt zu  einer Minderdurchblutung von einem oder mehreren Hirnarealen, was zum Absterben von Hirngewebe und -zellen führt. Dies wird als Hirnschlag, Stroke oder Schlaganfall bezeichnet.

Gründe für einen Hirnschlag können akute Gefässverschlüsse durch Verschleppung von Blutgerinnseln (Embolien), Gefässverengungen (Stenosen), Infektionen, erhöhter Hirndruck oder Hirnblutungen sein. Ein Hirninfarkt kann aber auch zu einer sekundären Einblutung im Gehirn führen, was als hämorrhagischer Hirnschlag bezeichnet wird.

Abhängig von betroffenem Hirnareal und -seite treten verschiedene Symptome auf wie beispielsweise Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen und Vigilanzminderung bis hin zum Koma.
Im Falle eines Hirnschlags spielt die Zeit bis zu einer Behandlung eine grosse Rolle. Damit der Prozess der Abklärung bis zur Behandlung möglichst rasch durchgeführt wird, werden Hirnschlagpatientinnen oder -patienten in unserer Stroke Unit behandelt. Diese Abteilung ist speziell für Hirnschläge eingerichtet und wird von einem Team bestehend aus Neurochirurgen, Neurologen und Neuroradiologen betreut. Dadurch erhalten die Patienten die bestmögliche ganzheitliche und schnellste Abklärung und Behandlung.  

Die Behandlung eines Schlaganfalls wird vor allem endovaskulär durchgeführt, mit dem Ziel, die verschlossenen oder verengten Gefässe wieder zu eröffnen. In gewissen Fällen ist eine neurochirurgische Operation notwendig, dies vor allem. bei einer schweren Schwellung des Gehirns, verursacht durch den Hirnschlag (sogenannter maligner Infarkt), oder bei Hirnblutungen, welche zu einem erhöhten Hirndruck führen. In solchen Fällen wird ein Teil der Schädelkalotte entfernt, um den Druck im Gehirn zu reduzieren und somit das Überleben des Patienten zu ermöglichen, oder wenn die Hirnblutung chirurgisch ausgeräumt werden muss.

 

Carotisstenose

Eine Carotisstenose wird als Einengung der Halsschlagader (Carotis) bezeichnet. Abhängig vom Grad der Engstelle besteht ein erhöhtes Risiko für einen Hirnschlag. Liegt der Grad der Stenose über 80 Prozent, beträgt das jährliche Risiko für einen Schlaganfall circa 3 Prozent.

Ursache für eine Carotisstenose ist in der Regel eine Gefässverkalkung an hirnversorgenden Arterien. Diese Verkalkungen werden unter anderem durch Rauchen, hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck, hohes Lebensalter oder Diabetes verursacht.

Eine Carotisstenose kann asymptomatisch sein und wird in solchen Fällen entweder per Zufall oder bei Routineuntersuchungen entdeckt. Die symptomatischen Carotisstenosen führen häufig zu kurzzeitigen neurologischen Ausfällen («kleiner Schlaganfall», TIA oder PRIND), wie Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen, gelten jedoch als Warnsymptome vor einem Hirnschlag.

Ziel der Behandlung bei Nachweis einer Carotisstenose ist die Vermeidung eines Hirnschlags. In Abhängigkeit von Stenosegrad und Beschwerden steht eine konservative (medikamentöse) Therapie oder eine invasive (operative oder endovaskuläre) Therapie zur Verfügung.
Die chirurgische Therapie besteht in der Entfernung der Verkalkungen (Plaques) im Bereich der Stenose und wird Thrombendarteriektomie genannt. Die endovaskuläre Therapie beinhaltet die Erweiterung des Gefässes mittels eines Ballons mit oder ohne Einlage eines Röhrchens aus Metallgeflecht (Stent), welches das Gefäss offenhält. Beide Interventionen werden mit Hilfe von Neuromonitoring durchgeführt, dabei werden während der Operation Hirnstrommessungen abgeleitet, um eine maximale Sicherheit für den Patienten zu gewährleisten.
Alle Patientinnen und Patienten mit Carotisstenose werden an unserem wöchentlichen Stroke-Kolloquium interdisziplinär besprochen und durch unsere Spezialisten die besten Behandlungsoptionen für jeden Patienten individuell festgelegt.

 

Schädelhirnverletzungen (Schädelhirntrauma)

Ein Schädelhirntrauma umschreibt die Verletzung des Schädels und der Gehirnstrukturen, meist verursacht durch Unfälle oder auch tätliche Angriffe. Das Ausmass eines Schädelhirntraumas kann stark variieren – von einer Rissquetschwunde ohne bleibende Folgen bis hin zu einer schweren Hirnverletzung oder -blutung mit bleibenden schweren Schädigungen des Gehirns und des Körpers.

Leichte Schädelhirnverletzungen können meist konservativ mit schmerzlindernden Medikamenten und Schonung behandelt werden. Bei schweren Schädelhirnverletzungen bedarf es gegebenfalls einer lebensrettenden Notoperation mit anschliessender intensivmedizinischer Behandlung und langzeitiger Neurorehabilitation in einer spezialisierten Klinik.

 
 

Hirnblutungen bei Schädelhirnverletzungen

Im Rahmen eines Schädelhirntraumas können verschiedene Arten von Hirnblutungen entstehen. Manche erfordern eine lebensrettende Notoperation und andere wiederum können ohne Operation behandelt werden. Die Blutungen nach einem Schädelhirntrauma werden nach ihrer anatomischen Lokalisation eingeteilt.

Epidurale Blutung: Es handelt sich um eine Blutung zwischen Knochen und harter Hirnhaut (Dura). Hierbei kommt es zum Einriss eines arteriellen Blutgefässes mit in der Regel rascher Ausbildung einer Blutung. Durch eine Grössenzunahme der Blutung kommt es zu zunehmendem Druck auf das Gehirn, was zu Symptomen führen kann. Typisch ist eine kurze Bewusstlosigkeit am Unfallort mit rascher Erholung danach. Wenn die Blutung im Verlauf zunimmt, trüben die Patienten wieder ein bis hin zum Koma. Aus diesen Gründen bedarf die epidurale Blutung häufig einer sofortigen neurochirurgischen Notoperation. Bei der Operation wird der Knochen eröffnet, die Blutung entfernt, das blutende Gefäss verschlossen und der Knochen wieder eingesetzt. Die Prognose ist meistens sehr günstig, da keine begleitenden Hirnverletzungen vorliegen.

Akute subdurale Blutung: Es handelt sich um eine frische Blutung zwischen harter Hirnhaut (Dura) und Hirnoberfläche. Blutungsquelle sind häufig Venen, welche zwischen Dura und Hirn ziehen und bei einem Trauma zerreissen. Je nach zeitlichem Verlauf unterscheidet man zwischen akuten (frischen) und chronischen (alten) subduralen Blutungen. Bei der akuten subduralen Blutung kommt es in der Regel zu einer schnellen Einblutung mit Druck auf das Gehirn, so dass häufig eine chirurgische Entlastung notwendig ist. Da in diesen Fällen oft begleitende Hirnverletzungen vorliegen, ist die Prognose schlechter und die Sterberate bei dieser Blutung relativ hoch (30 bis 80 Prozent). Ebenfalls ist die Prognose stark vom Alter der Patientin oder des Patienten abhängig. Als Therapie bei symptomatischen Patienten bietet sich nur die sofortige Operation mit Ausräumung der Blutung an. Oft muss im Rahmen dieser Operation ein grosses Stück der Schädelkalotte entfernt werden. In den meisten Fällen wird dieses Knochenstück am Ende der Operation nicht wieder eingesetzt, da es durch die begleitenden Hirnverletzungen im Verlauf häufig zu einer starken Schwellung des Gehirns kommt.

Chronische subdurale Blutung: Es handelt sich um eine alte Blutung zwischen harter Hirnhaut (Dura) und Gehirn, welche sich langsam über mehrere Wochen ansammelt und oft erst im Verlauf zu Symptomen führen kann. Häufig entsteht diese Blutung bei älteren Patienten nach Bagatellverletzungen. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Wesensveränderungen, Gangstörungen und Lähmungen. Die Behandlung von symptomatischen chronischen Blutungen erfolgt durch eine Operation mittels zweier Bohrlöcher in der Schädelkalotte, Ausspülen des Blutes und Belassen einer Drainage für 24 bis 48 Stunden. Die Prognose ist günstig, obwohl etwa 10 Prozent der Patienten einen Rückfall der Blutung (Rezidiv) erleiden, was in der Regel zu einer erneuten Operation führt.

Intrazerebrale Blutung (Kontusionsblutung): Es handelt sich um Blutungen direkt im Hirngewebe. Die Symptome richten sich nach der Grösse und Lokalisation der Blutung. Diese Blutungen werden in der Regel ohne Operation behandelt, wobei grosse raumfordernde Blutungen eine Operation notwendig machen können. Die Prognose ist abhängig vom Patientenalter und der Lokalisation der Blutung.

 

Scherverletzungen des Gehirns

Scherverletzungen des Gehirns, auch diffuse axonal injury oder shearing injuries genannt, sind eine Spezialform des Schädelhirntraumas mit einer relativ schlechten Prognose. Shearing injuries entstehen oft bei Aufprall des Kopfes auf weiche Flächen wie zum Beispiel der Verkleidung eines Autos, da bei solchen Flächen die Kraft gleichmässig auf das Gehirn einwirkt. Das Verletzungsmuster ist deshalb diffus, das heisst im gesamten Gehirn verteilt, jedoch sind die einzelnen Bereiche im Gehirn nur leicht verletzt und kaum sichtbar. Nichtsdestotrotz führen shearing injuries häufig zu schweren Behinderungen, da das gesamte Gehirn von der Verletzung betroffen ist. Eine chirurgische Behandlung ist nur im Falle einer generalisierten Hirnschwellung (Hirnödem) notwendig, die shearing injuries können jedoch nicht chirurgisch behandelt werden.

 

Schädelkalottenbruch (Fraktur)

Im Rahmen von Schädelhirnverletzungen sind Schädelkalottenbrüche, auch Schädelfrakturen genannt, nicht selten. Man unterscheidet zwischen dislozierten (das heisst: verschobenen), nicht dislozierten, Trümmer- und verkeilten Frakturen. Zusätzlich wird zwischen offenen und geschlossenen Frakturen unterschieden. Eine spezielle Unterform der Schädelfraktur ist die Schädelbasisfraktur.

Die meisten Schädelfrakturen bedürfen keiner operativen Behandlung und können konservativ mit Schmerzmedikamenten und Schonung behandelt werde. Frakturen, welche zu einer Verletzung der harten Hirnhaut (Dura) oder Hirngewebe führen, verkeilt oder disloziert sind, brauchen in der Regel eine operative Versorgung. Frakturen der Schädelbasis können ebenfalls in der Regel konservativ behandelt werden. In seltenen Fällen kann es zu Austritt von Hirnflüssigkeit (Liquor) kommen, in einem solchen Fall muss operativ abgedichtet werden.

Die Prognose bei Schädelfrakturen hängt von der begleitenden Gehirnverletzung ab. Wenn keine Gehirnverletzung vorliegt, ist die Prognose sehr gut.

 

Hirntumore

Abnormales Gewebe, welches durch unkontrollierte Zellspaltung wächst und das umgebende Gewebe beschädigt, wird als Tumor bezeichnet. Hirntumoren können aus Hirngewebe (Gliome), Hirnhaut (Meningeome), oder als Ableger von Tumoren in anderen Organen im Körper (Hirnmetastasen) entstehen.

Die Symptome bei einem Hirntumor sind sehr variabel und hängen von der Lokalisation des Tumors und seiner Grösse ab. Oft führen Hirntumore zu wenig Symptomen, besonders Tumore, welche langsam und in nicht funktionelle Hirnregionen wachsen. Mögliche Anzeichen eines Hirntumors sind Kopfschmerzen, Übelkeit, rezidivierendes Erbrechen, Wesensveränderungen, Lähmungser-scheinungen und epileptische Anfälle.

Die Behandlung von Hirntumoren erfolgt in der Regel chirurgisch, wobei meistens eine totale Entfernung das Ziel ist. Abhängig von der Lokalisation des Tumors und seiner Grösse ist eine vollständige Resektion manchmal nicht möglich oder sinnvoll. In solchen Fällen wird eine (Nadel-)Biopsie empfohlen.

Alle Patientinnen und Patienten mit Hirntumoren werden im Rahmen unseres interdisziplinären Tumorboards besprochen und eine individuelle Therapie für jeden Patienten festgelegt. Die weitere Nachsorge dieser Patienten findet im Rahmen unseres Hirntumorzentrums statt, bestehend aus Neurochirurgen, Neuroonkologen und Neuro-Strahlentherapeuten.

Die neurochirurgische Klinik am Universitätsspital Basel ist in der Gliom-Forschung sehr engagiert. Prof. Luigi Mariani leitet neben seiner klinischen Beschäftigung ein Hirntumor-Forschungslabor (Brain Tumor Biology Labor), wo u.a. die Biologie der Gliome untersucht wird und mögliche innovative Therapien entwickelt werden (zum Beispiel Immuntherapien).

Prof. Dr. med. Dr. sc. nat. Gregor Hutter erhielt eine Förderungsprofessur des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und erforscht mit seiner Gruppe neuartige Therapien gegen bösartige Hirntumore.

 
 

Gliome

Gliome sind die häufigsten hirneigenen Tumore bei Erwachsenen. Sie entwickeln sich aus dem Stützgewebe (Gliazellen) des Nervensystems. Manche Arten von Gliomen können bereits im Kindesalter auftreten, andere bilden sich erst im Erwachsenenalter. Prinzipiell unterscheidet man zwischen niedriggradigen Gliomen (low grade gliomas) und hochgradigen Gliomen (high grade gliomas).

Niedriggradige Gliome: Niedriggradige Gliome werden gemäss der WHO-Klassifikation als Grad II-Gliome bezeichnet. Sie treten meistens bei Patientinnen oder Patienten jüngeren bis mittleren Alters auf (typischerweise zwischen 30 und 45 Jahren), können aber auch bereits im Kindesalter auftreten.
Niedriggradige Tumore wachsen typischerweise langsam und führen deshalb relativ spät und nur zu geringen Symptomen. Das langsame Wachstum erlaubt dem Gehirn, wichtige Funktionen von tumorbefallenen Hirnarealen in andere, gesunde Regionen des Gehirns zu verlagern. Weil diese Tumore langsam wachsen und zu geringgradigen Symptome führen, werden sie in der Regel relativ spät entdeckt, wenn sie bereits zu einer beträchtlichen Grösse herangewachsen sind. Typischerweise können epileptische Anfälle erste Hinweise auf niedriggradige Gliome sein. Weitere unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Wesensveränderung, Müdigkeit, Schwindel, Gangunsicherheit, Übelkeit und Erbrechen sind ebenfalls möglich. Eine MRI-Untersuchung führt zur Verdachtsdiagnose und zur Zuweisung an den Neurochirurgen.

Die Therapie besteht in der Regel aus einer chirurgischen Entfernung, zum einen, um den Druck im Gehirn, welcher durch den Tumor entsteht, zu reduzieren, und zum anderen, um eine genaue histologische Diagnose zu erhalten. Die Überlebensrate nach Resektion ist umso grösser, je radikaler die Resektion ausgeführt wird. Ziel der Operation ist es deshalb, den Tumor möglichst komplett zu entfernen, ohne Funktionen des Körpers zu verletzen (Sprache, Motorik und so weiter). Je nach Lokalisation und Grösse des Tumors kann lediglich eine Teilresektion oder Biopsie (kleine Gewebsentnahme) durchgeführt werden. Da diese Art von Tumoren nicht selten angrenzend an oder innerhalb von wichtigen Hirnzentren wachsen (zum Beispiel Sprachzentrum, Bewegungszentrum etc.) werden neue moderne Hilfsmittel eingesetzt wie beispielsweise das Operationsmikroskop, die Neuronavigation und das intraoperative Monitoring. Bei Tumoren in der Nähe des Sprach- oder Sehzentrums muss die Operation im Wachzustand durchgeführt werden, da diese Funktionen am schlafenden Patienten nicht kontrolliert werden können.

Am Universitätsspital Basel werden regelmässig solche Eingriffe im Wachzustand durchgeführt, es besteht dafür ein hochspezialisiertes und speziell für diese Eingriffe ausgebildetes Team aus Neurochirurgen, Neuroanästhesisten und Neuropsychologen. In der Regel wird eine Chemo- und Bestrahlungstherapie bei niedriggradigen Gliomen nicht in erster Linie eingesetzt, sondern erst, falls diese sich im Verlauf zu hochgradigen Gliomen entwickeln.

Die Prognose bei niedriggradigen Gliomen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Aus Studien wissen wir, dass das Ausmass der Resektion der wichtigste prognostische Faktor für das Langzeitüberleben ist. Alter unter 50 Jahre, kleines Tumorvolumen sowie geringe Symptome haben ebenfalls einen günstigen Einfluss auf die Prognose. Zusätzlich beeinflussen molekulargenetische Faktoren (z.B. Mutation des p53-Gens, Mutation 1p19qLOH, IDH-Mutation etc.) des Tumors die Prognose. 






Hochgradige Gliome:
Hochgradige Gliome: Die beiden häufigsten hirneigenen Tumore sind das Glioblastom (WHO Grad IV) und das anaplastische Astrozytom (WHO Grad III). Diese Tumore treten meist im Alter zwischen 50  und 60 Jahren auf und entstehen aus den Stützzellen des Gehirns (sogenannte Glia).

Je nach Lokalisation des Tumors im Gehirn entstehen unterschiedliche Beschwerden. Ein Tumor in der Nähe des Sprachzentrums führt zu Sprachproblemen, ein Tumor in der Nähe des Bewegungszentrums kann zu Kraftverlust führen. Zudem können unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, Bewusstseinsveränderung, Müdigkeit, Schwindel, Gangunsicherheit, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Diese Tumore führen typischerweise zu einer Schwellung des umliegenden Gehirngewebes, was die Symptomatik verstärkt. Deshalb führt eine oft im Vorfeld verabreichte medikamentöse Therapie mit Steroiden (Fortecortin) zu einer Linderung der Symptome.

Auch bei diesen Operationen werden neue moderne Hilfsmittel eingesetzt wie zum Beispiel das Operationsmikroskop, die Neuronavigation und das intraoperative Monitoring sowie die moderne Technologie der Blaulichtfluoreszenz-Technik (5-ALA), welche uns hilft, den Tumor zuverlässig zu identifizieren und zu entfernen. Vor der Operation werden je nach Bedarf moderne bildgebende Verfahren wie das funktionelle MRI (fMRI), welches wertvolle Informationen zur Lokalisation der Sprachfunktion und der Bewegungszentren liefert oder ein MRI-basiertes Fibertracking, welches den genauen Verlauf wichtiger Nervenbahnen in der Tiefe des Gehirns darstellt, eingesetzt. Nach der chirurgischen Tumorresektion wird in der Regel eine zusätzliche medikamentöse Behandlung (Chemotherapie) und Bestrahlung (Radiotherapie) eingeleitet. Nach der endgültigen feingeweblichen (histologischen) Beurteilung des entfernten Gewebes wird im Rahmen des wöchentlichen Tumorboards unseres Hirntumorzentrums der individuelle Therapieplan festgelegt.

 

Meningeome

Meningeome sind in der Regel gutartige, langsam wachsende Tumoren, welche aus einer Schicht (Arachnoidea) der Hirnhäute entstehen. Die Meningeome werden nach der WHO-Klassifikation in drei Stufen eingeteilt (WHO Grad I-III). WHO Grad I-Meningeome sind gutartig, kommen am häufigsten vor und weisen eine niedrige Wachstumsgeschwindigkeit und ein geringes Risiko des Wiederauftretens auf. Höhergradige Meningeome (WHO Grad III)  sind aggressiver, kommen jedoch viel seltener vor und weisen eine erhöhte Wachstumsgeschwindigkeit, Neigung zur Infiltration des umgebenden Gewebes sowie ein höheres Risiko des Wiederauftretens auf. WHO Grad II-Meningeome gelten als Zwischenstufe zwischen Grad I- und Grad III-Meningeomen.

Meningeome treten vermehrt ab dem 50. Lebensjahr auf, wobei Frauen etwa doppelt so häufig betroffen sind als Männer.

Die Ursache zur Entstehung eines Meningeoms ist weiterhin unbekannt. Ionisierende Strahlung gilt als Risikofaktor; Studien zufolge haben Menschen, die einer besonders hohen Strahlendosis ausgesetzt waren, ein deutlich höheres Risiko (circa 6 bis 10-fach), ein Meningeom zu entwickeln. Ein zusätzlicher Risikofaktor, Meningeome zu entwickeln, ist die genetische Erkrankung Neurofibromatose Typ 2.

Die Therapie von symptomatischen Meningeomen oder Meningeomen, welche im Verlauf an Grösse zunehmen, besteht in einer möglichst vollständigen chirurgischen Entfernung. Kleine und nicht symptomatische Meningeome müssen nicht operiert werden, bedürfen jedoch einer jährlichen bildgebenden Kontrolle, da sie im Verlauf an Grösse zunehmen können. Die vollständige Entfernung des Tumors bedeutet in den meisten Fällen eine Heilung für den Patienten. In Fällen, wo eine vollständige Entfernung nicht möglich ist (beispielsweise wenn der Tumor an wichtigen Gefässen oder Hirnarealen anhaftet), bietet die Strahlentherapie eine gute Alternative zur Reduktion des Wachstums des Resttumors.

 

Vestibularisschwannome (Akustikusneurinome)

Beim Vestibularisschwannom handelt es sich um einen gutartigen Tumor der Schwann-Zellen, den Stützzellen der Gleichgewichtsnerven. Die Symptome äussern sich meistens als einseitiger Hörverlust, Hörgeräusch (Tinnitus) und/oder Gleichgewichtsstörungen. Trotz ihrer Gutartigkeit stellen diese Tumore je nach Grösse eine Herausforderung für die Behandlung dar aufgrund der heiklen Lokalisation mit engster Beziehung zum Gehörnerv, zum Gesichtsnerv (N. facialis) und oft zum Hirnstamm.

Bei kleinen Tumoren ist ein abwartendes Verhalten möglich. Das Wachstum wird in regelmässigen radiologischen Untersuchungen mittels MRI kontrolliert. Die Chancen einer gehörerhaltenden Operation sind jedoch im Frühstadium deutlich besser.

Die chirurgische Entfernung mit Überwachung der Hirnnervenfunktion durch Neuromonitoring  ist für Tumore jeder Grösse geeignet.  Kleine Tumore können auch mittels gezielter Bestrahlung (radiochirurgisch) behandelt werden. In den meisten Fällen kann so ein weiteres Wachstum des Tumors verhindert werden. Die Ergebnisse und die Komplikationsrate einer Operation und einer radiochirurgischen Behandlung sind weitgehend vergleichbar. Ziel der chirurgischen Behandlung ist die maximale Tumorentfernung bei gleichzeitigem Erhalt der Hirnnervenfunktionen (Gehör, Gesichtsbeweglichkeit, Gleichgewicht und Koordination). Eine Gesichtslähmung bedeutet eine starke Beeinträchtigung für den Patienten, der Erhalt des Gesichtsnervs hat deshalb bei der Behandlung höchste Priorität. Ein Hörerhalt auf der betroffenen Seite ist in etwa der Hälfte der Fälle möglich, dies hängt jedoch sehr von der Grösse und Beschaffenheit des Tumors ab. Dauerhafte Gleichgewichtsstörungen sowie andere Komplikationen sind sehr selten und können in der Regel gut behandelt werden.

 

Hypophysentumore

Die Hypophyse ist eine erbsengrosse Drüse, die an der unteren Oberfläche unseres Gehirns hängt (Hirnanhangdrüse) und den gesamten hormonellen Haushalt unseres Körpers steuert.
Ungefähr jeder fünfte Tumor des Gehirns ist ein Hypophysentumor. Die häufigsten Tumore der Hypophyse sind Adenome, diese sind praktisch immer gutartig. Abhängig von der Grösse unterscheidet man kleine Mikroadenome (<10 mm) von grösseren Makroadenomen (>10 mm). Andere seltenere Tumore der Hypophysenregion sind Kraniopharyngeome, Metastasen, Zysten (sogenannte Rathke-Zysten) oder Germinome.

Tumore der Hypophyse verursachen Symptome durch den Ausfall hormoneller Funktionen, den Druck auf die Sehnerven oder eine Überproduktion von Hormonen.
In der Regel werden Hypophysenadenome durch die Nase, über einen sogenannte minimal-invasiven transsphenoidalen Zugang, entfernt. Manche Hypophysenadenome werden anfänglich oder dauerhaft mit Tabletten behandelt (typischerweise Prolaktinome). Andere Tumore erfordern eine chirurgische Therapie, welche endoskopisch assistiert von einem interdisziplinären Team, bestehend aus einem Neurochirurgen und einem Hals-Nasen-Ohren Arzt, durchgeführt wird. In seltenen Fällen muss der Tumor über einen Zugang durch den Schädel (Kraniotomie) entfernt werden.

Alle Patientinnen und Patienten mit Hypophysentumoren werden im Rahmen unseres interdisziplinären Hypophysenboards, bestehend aus Hals-Nasen-Ohren-Ärzten, Endokrinologen, Augenärzten und Strahlenspezialisten, besprochen und eine individuelle Therapie wird für jeden Patienten festgelegt.

 

Hirnmetastasen

Hirnmetastasen sind Ableger von Krebszellen aus anderen Organen. Sie sind die häufigsten Tumore im Gehirn. Bis zu ein Drittel aller Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung entwickeln Hirnmetastasen. Metastasen können im Grosshirn, im Kleinhirn, aber auch an der Hirnhaut vorkommen. In bis zu 50% der Fälle tritt eine einzelne (singuläre) Metastase auf, es können aber auch mehrere Metastasen auftreten. Die häufigsten Metastasen im Gehirn gehen von einem Brust- und Lungenkrebs aus.

Die Symptome sind je nach Lokalisation der Metastase im Gehirn unterschiedlich. Sie können unspezifische Symptome eines erhöhten Hirndrucks auslösen (Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen) oder Symptome wie epileptische Anfälle, Lähmungen oder Sprachstörungen. Manchmal werden Hirnmetastasen zufällig entdeckt, ohne dass Symptome auftreten.
In der Regel werden Metastasen mittels MRI des Kopfes diagnostiziert. Falls eine andere Krebserkrankung im Körper (Primärtumor) nicht bekannt ist, wird mittels CT des Brustkorbes und des Bauches aktiv ein Primärtumor gesucht.

Die Therapiemöglichkeiten einer Hirnmetastase sind die operative Entfernung oder die radiochirurgische Bestrahlung. In der Regel werden diese beiden Methoden mit einer medikamentösen Therapie (Chemotherapie) komplettiert. Die Entscheidung, welche Metastase man operieren und welche man radiochirurgisch behandeln sollte, wird im Rahmen des wöchentlichen Tumorboards unseres Hirntumorzentrums individuell festgelegt.

 

Hydrocephalus

Der Hydrocephalus (Wasserkopf) entsteht durch eine übermässige Produktion der Nervenwassermenge im Vergleich zu deren Resorption. Es besteht ein permanentes Überangebot an Nervenwasser (Liquor). Zwei Ursachen kommen hier prinzipiell in Frage. Zum einen kann der Nervenwasserabfluss aus den inneren Hirnkammern, in denen er gebildet wird, mechanisch verlegt sein (Verschlusshydrocephalus).

Die andere Ursache ist die verminderte Wiederaufnahme des Nervenwassers in den Räumen um das Gehirn, hervorgerufen durch möglicherweise degenerative Veränderungen in den Resorptionsstrukturen (Normaldruckhydrocephalus / Hydrocephalus male resorptivus).

 
 

Verschlusshydrocephalus

Bei der mechanischen Verlegung der Liquorabflusswege aus den Hirnkammern kommt es sehr rasch zu Symptomen der Hirndrucksteigerung mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Ursachen sind häufig Tumoren, Zysten, Entzündungen oder Blutungen. Die Therapie der Wahl ist die Entfernung der Raumforderung. In seltenen Fällen kann dieses aber nicht möglich sein. Hier kommt dann das Verfahren zur endoskopischen Drittventrikulostomie zum Einsatz.

 

Normaldruckhydrocephalus

Über eine relativ lange Zeit kommt es zu einem langsamen Anstieg des Nervenwasservolumens im Schädelinneren. Ein Druckanstieg findet nicht oder nur sehr gering statt, da mit der Zunahme an Liquorvolumen ein Verlust von Gehirnmasse einhergeht. Daher treten die Symptome oft verzögert und schleichend auf. Bemerkbar macht sich der Normaldruckhydrocephalus vor allem durch den Funktionsverlust des Gehirns. Typisch hierfür ist die Hakim-Trias mit kleinschrittigem, breitbasigem Gangbild, amnestischen Störungen und Urge-Inkontinenz. Da die Resorptionsfähigkeit des Gehirns für den Liquor dauerhaft gestört ist, gelingt keine ursächliche Behandlung. Die Behandlung der Wahl ist die Implantation eines subcutan gelegenen Shuntsystems, welches das Nervenwasser von den inneren Hirnkammern zum Beispiel nach intraperitoneal ableitet. Hier kann der Liquor in der Regel problemlos resorbiert werden.

Die Bilder zeigen eine Verlegung der Abflusswege des Nervenwassers aus den Seitenkammern des Gehirns durch eine Zyste (Koloidzyste) im 3. Ventrikel.

 

Endoskopische Behandlung des Okklusivhydrocephalus

Bei dieser Patientin kam es über die Jahre zu einem Nervenwasserstau wegen einer Abflussbehinderung zwischen der 3ten und 4ten Nervenwasserkammer (so genannte Aqueduktstenose). Das Video zeigt, wie man mit einer kleinen Optik in die Nervenwasserkammer eindringen kann und eine neue Öffnung am Boden der 3ten Nervenwasserkammer als Umgehung der Abflussbehinderung durchgeführt werden kann.

 

Funktionelle Neurochirurgie

Bei der so genannten funktionellen Neurochirurgie handelt es sich um die operative Behandlung neurologischer Krankheitszustände, die nicht - oder nicht mehr - genügend auf eine rein medikamentöse Therapie ansprechen. Dazu gehören allen voran die unwillkürlichen Bewegungsstörungen wie die Parkinson’sche Krankheit, Tremor anderer Ursache (wie der essentielle Tremor oder EIN Tremor, der durch eine multiple Sklerose bedingt ist) oder Dystonie. Es werden über Bohrlöcher am Schädel Stimulationselektroden tief ins Innere des Gehirns eingepflanzt. Ein elektrischer Strom wird von einem ebenfalls permanent implantierten Schrittmachergerät erzeugt und über die Elektroden ins Hirn geleitet, wo er die Funktion der Zielstrukturen tief im Hirn günstig beeinflussen kann. Somit werden die Symptome der Krankheit erleichtert, so dass der Patient/die Patientin die Medikamentendosis reduzieren und eine bessere Lebensqualität geniessen kann. Die Methode nennt sich „tiefe Hirnstimulation" (gängige Bezeich-nung auf Englisch: „deep brain stimulation", DBS).
Die erwähnten tiefen Hirnelektroden werden millimeterpräzis in die als Ziel genommenen Strukturen implantiert und zwar mithilfe einer besonderen operativen Technik, genannt Stereotaxie. Hierbei wird der Kopf des Patienten in einem Metallrahmen fixiert, so dass die Koordinaten der Zielstruktur in einem Röntgenbild abgelesen und dann mit höchster Genauigkeit angesteuert werden können. Eine weitere Anwendung der Stereotaxie ist die diagnostische Entnahme von Gewebeproben bei Hirntumoren unklarer Art (Hirnbiopsie).

Zur funktionellen Neurochirurgie gehören auch die Behandlung der Trigeminusneuralgie mit perkutanen Methoden wie die Thermokoagulation („Verödung des Trigeminusnervs") sowie die Behandlung anderer chronischer Schmerzzustände mit Rückenmarkstimulation oder eingepflanzten Medikamentenpumpen.

 
 

Epilepsiechirurgie

Die unkontrollierte elektrische Entladung durch Nervenzellen im Gehirn kann zu epileptischen Anfällen führen. Wenn sich diese Anfälle wiederholen, liegt eine Epilepsie im engeren Sinne vor. Die Lebensqualität von Patienten mit einer chronischen Epilepsie ist stark beeinträchtigt, vor allem wenn die Anfälle trotz Einsatz verschiedener Medikamente immer wieder auftreten. Bei vielen dieser Patienten liegt eine fokale Epilepsie vor, d.h. dass ein bestimmtes Gebiet im Gehirn "krank" ist und zu den Anfällen führt. Bei vielen dieser Patienten ist es möglich, die kranke Hirnregion zu identifizieren und chirurgisch zu entfernen. Die Resultate dieser Chirurgie sind z.T. verblüffend gut, so dass bis zu 90 % der operierten Patienten anfallsfrei werden. Am USB besitzen wir in diesem spitzenmedizinischen Gebiet, wo Neurologen und Neurochirurgen sehr eng zusammenarbeiten, eine besondere Fachkompetenz.

Selektive Amygdalohippokampektomie rechts durch einen transsylvischen, transliminären Zugang (nach Yasargil).

Nach einer Schädelöffnung am Übergang Schläfe/Stirn, wird zwischen Stirn- und Schläfenlappen in der Tiefe die hippokampale Formation dargestellt und entfernt.

 

Stereotaktische Neurochirurgie

 

Mikrovaskuläre Neurochirurgie

 

Kinderneurochirurgie

Dabei handelt es sich um einen Schwerpunkt unseres Behandlungsspektrums, in Kooperation mit dem Universitätskinderspital beider Basel (UKBB). Weitere Informationen zum Zentrum für pädiatrische Neurochirurgie (USB-UKBB) finden Sie auf der Webseite des UKBB.

 

Moderne operative Hilfsmittel

 
 

Mikrochirurgie

 

Neuronavigation

Abb. 1 Präoperative Planung mit MR Bildern zur Darstellung des Tumors (pink), der in der Nähe zur Pyramidenbahn lokalisiert ist.

Abb. 2 Intraoperative Neuronavigation bei der Operation eines Hypophysen-Adenoms mit präoperativen CT und MR Bildern. Der Tumor wurde konturiert (pink) und der Fokuspunkt des Operationsmikroskops (blaues Kreuz) dient als Navigatonshilfe.

Abb. 3 Intraoperative Neuronavigation bei Entnahme von Tumorgewebe. Der Tumor wird konturiert (pink), die Biopsie-Nadel (gelbe Linie und Kreuz) wird entlang des vordefinierten Weges zum Ziel (rotes Kreuz) geführt.

Abb. 4 Intraoperative Ultraschall-Bildgebung. Die Tumorkontur (grün) wird im Ultraschall-Bild überlagert (grosses Bild, oben rechts). Die aktualisierte Lage des Tumors wird durch eine Verschiebung der Tumorkontur (grün) in Bezug zum präoperativen MR-Bild dargestellt (drei kleinere Bilder, links untereinander).

Bei neurochirurgischen Operationen im Gehirn wird eine möglichst vollständige Entfernung der raumfordernden Läsion (z.B. Tumor, Zyste etc.) angestrebt ohne benachbarte Hirnregionen, die u.a. für die Bewegung und Kontrolle des Armes und Beines oder auch für die Sprache zuständig sind, zu verletzen. Insbesondere kleine und tiefliegende Läsionen sollen minimal-invasiv und mit grösst möglichem Schutz der umliegenden Strukturen intraoperativ lokalisiert werden. Voraussetzung dafür sind hochauflösende, präoperative Bild-Daten, z.B. Magnetresonanztomographie (MR) und Computertomographie (CT) Bilder, die eine drei-dimensionale Orientierung bei der Planung des operativen Zugangs und während der Operation ermöglichen. Diese Methode wird als computer-unterstützte Chirurgie (CAS, computer-assisted surgery) oder Neuronavigation bezeichnet. Dazu werden die präoperativen Bilder des Patienten in eine Planungs-Workstation übertragen. An Hand dieser Daten kann der Neurochirurg den optimalen Zugangsweg planen und funktionell relevante Strukturen in der Nähe des Tumors oder auf dem Weg dorthin darstellen.

Während der Operation werden diese Bild-Daten verwendet, um dreidimensionale Orientierung im Operationsgebiet zu verbessern. Die Methode ist vergleichbar mit einem GPS (global positioning system), das die Position des Autos auf einer Strassenkarte anzeigt. Dabei werden die Koordinaten des Autos durch einen Satelliten übermittelt. In diesem Sinne, entspricht die Strassenkarte den präoperativen MR und CT Bildern und das Auto ist vergleichbar mit einem chirurgischen Instrument, dessen Position in den Bildern angezeigt wird. Die Funktion des Satelliten übernimmt eine Infrarot-Kamera, die die Koordinaten der Instrumente und des Patientenkopfes bestimmt. Zusätzlich dienen eindeutige Punkte oder Konturen im Gesicht als Referenz um die Bild-Daten auf den Kopf des Patienten abzubilden. Auf diese Art und Weise kann der Neurochirurg die Position der chirurgischen Instrumente in den Bild-Daten überprüfen, navigiert bis zur Läsion und bestimmt ihre Ausdehnung um eine optimale Entfernung zu erreichen Abb. 2. Es besteht auch die Möglichkeit entlang eines geplanten Weges, gezielt mit einer Biopsie-Nadel Gewebe vom Tumor zu entnehmen.

Weitere Methoden stehen in unserer Klinik zur Verfügung, um eine möglichst umfassende Entfernung von raumfordernden Läsionen, wie zum Beispiel Tumoren, zu unterstützen.

Intraoperative Ultraschall-Bildgebung
Mit der intraoperativen Ultraschall-Untersuchung kann zusätzlich noch nicht entfernter Tumor dargestellt werden. In Verbindung mit der Neuronavigation kann überprüft werden, inwieweit sich das Hirngewebe mit Tumor durch den Verlust an Hirnflüssigkeit nach dem Öffnen des Schädels verschoben hat. Diese Verschiebung kann durch die Ultraschall-Bildgebung dargestellt werden und ermöglicht eine Neuronavigation mit aktualisierten Daten Abb. 4.

Intraoperative Tumordarstellung mit Fluoreszenz (5-ALA)

Während der Operation können einige Tumore mit Hilfe eines fluoreszierenden Farbstoffes und mit einem blau-violettem Filter (440 nm) im Operationsmikroskops sichtbar gemacht werden und so besser vom umliegenden Hirngewebe abgegrenzt werden.  

Weitere Informationen zur Neuronavigation finden Sie unter der Tumorchirurgie.

 

Neuromonitoring/Neurostimulation

 

Neuroendoskopie

 

Hybrid-Operationssaal