Deformitäten des Brustkorbs

Es gibt angeborene oder erworbene Deformitäten des Brustkorbs, die zu einer erheblichen Einschränkung des Patienten vor allem in sozialer Hinsicht führen können. Die bekanntesten sind die Trichterbrust (lat. pectus excavatum) und die Kielbrust (lat. pectus carinatum). Dabei ist das Brustbein im unteren Anteil entweder stark nach innen zur Wirbelsäule hin gezogen oder wölbt sich deutlich nach aussen vor. Dadurch kommt es nur in Extremfällen zu Funktionsstörungen der Organe (v.a. des Herzens). Die äusserlich gut sichtbare Konturveränderung des Brutkorbs führt aber zu einem sozialen Rückzug der Patienten, da sie sich in der Öffentlichkeit nicht mit entblösstem Oberkörper zeigen wollen (Schwimmbad, Sport, Strand o.ä.). Die häufiger auftretende Trichterbrust sollte bereits frühzeitig therapeutisch angegangen werden. In der Kindheit erzielt man gute Erfolge mit der Saugglocke. Das Brustbein besteht zu dieser Zeit noch zu einem grossen Teil aus Knorpel und passt sich so dem Wachstum des Menschen an. Dies kann man nutzen und über mehrere Monate hinweg täglich über eine gewisse Zeit diese Behandlung vornehmen und damit versuchen eine Operation zu vermeiden (abhängig von der Ausprägung der Trichterbrust). Zur dauerhaften Stabilisierung ist jedoch eine jahrelange Therapie erforderlich. Sind die Patienten bereits älter, dann ist das Verfahren der Wahl die Operation nach Nuss, bei der minimal invasiv über zwei kleine Schnitte beidseits am seitlichen Brustkorb ein (oder zwei) Metallbügel hinter dem Brustbein hindurch geschoben und seitlich an den Rippen verankert werden. Der Bügel drückt über mindestens ein Jahr das Brustbein nach vorne und gleicht so die Abweichung aus. Dann ist das Brustbein verlagert und man kann den Bügel wieder entfernen. Für diese Massnahme ist das Ende der Adoleszenz (15-18 Jahre) der ideale Zeitpunkt. Wenn Patienten erst später ihre Deformität beheben lassen möchten, dann ist bei den über 20-Jährigen mit bis dahin schon im wesentlichen verknöcherten Brustbein noch eine Aufrichtung modifiziert nach Ravitch möglich. Hierbei wird das Brustbein am Abknickungswinkel eingeschnitten und wieder aufgerichtet. Dafür ist es erforderlich, dass auch die Verbindungen zu den Rippen beiderseits des Brustbeins angeglichen werden und das Brustbein mit Metallstäben unterstützt wird.

Das geeignete Verfahren wird vor der Operation mit dem Patienten individuell festgelegt. Damit sind die Erfolge der jeweiligen Methoden gut und wir erreichen ein schönes ästhetisches Ergebnis.

Deformitäten des Brustkorbs treten auch häufig in Zusammenhang mit einer Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose) auf. Hierbei ist die Behandlung der Skoliose der entscheidende Faktor. Bleibt eine Deformität des Thorax zurück, wird diese sekundär behoben.

 

Trichterbrust im CT und vor und nach OP modifiziert nach Ravitch: