Hyperhidrosis (krankhaftes Schwitzen) und Erythrophobie (häufiges Erröten und Angst davor)

Das krankhafte Schwitzen ist eine für die Patienten sehr belastende und häufig zum sozialen Rückzug führende Erkrankung. Sie betrifft ungefähr 1% der Bevölkerung und ist in ihren Ursachen letztlich nicht geklärt. Es wird eine Fehlregulation des vegetativen Nervensystems oder eine direkte Schweissdrüsenfehlfunktion angenommen.

Das übermässige Schwitzen tritt besonders störend an den Händen, Füssen und Achseln in unterschiedlicher Ausprägung auf und erfordert teilweise mehrfach täglich einen Wäschewechsel des Patienten.

Konservative Therapieverfahren wie Salben (Aluminiumchlorhydroxid in Alkohol-Lösung), Iontophorese (Gleichstrom in Salzbad) oder Botox-Behandlung müssen lebenslang oder wiederholt durchgeführt werden. Auch medikamentöse Therapieversuche mit Betablockern, Sedativa oder Anticholinergika können unternommen werden. Als primäre Alternative oder bei fehlendem Erfolg der konservativen Behandlung können chirurgische Verfahren angewendet werden. Die Resektion oder das Absaugen von Schweissdrüsen ist häufig mit entweder störenden Narben oder nicht dauerhaftem Erfolg verknüpft. Hingegen kann die Unterbrechung der in der oberen Thoraxhöhle nahe der Wirbelsäule gelegenen regulierenden Bahnen des sympathischen Teils des vegetativen Nervensystems eine dauerhafte Lösung des Problems bringen. Dies gilt auch für das häufige Erröten.

Insbesondere das verstärkte Schwitzen unter den Achseln und an den Händen kann durch einen kleinen thoraxchirurgischen Eingriff (Sympathektomie) in über 90% der Fälle langfristig erfolgreich behandelt werden. Das Ergebnis tritt sofort ein und die Ptienten haben warme und trockene Hände und Achseln. In einigen Fällen führt die Regulationsstörung des vegetativen Nervensystems in der Folge zu einem verstärkten Schwitzen der unteren Körperhälfte, das jedoch nur selten als störend empfunden wird. Auch hier kann man über eine Sympathektomie direkt oberhalb des Zwerchfells (Splanchnikektomie) in Einzelfällen eine Linderung erreichen.

Mit Hilfe der minimal invasiven Chirurgie wird der für die Regulation des Schwitzens (und anderer vegetativer Funktionen wie der Durchblutung) zuständige Bereich des sympathischen Nervenbündels nahe der Brustwirbelsäule durchtrennt. Daraufhin kommt es zu einer Unterbrechung der Sympathikus-Überregulation und nachfolgend zum Versiegen des Schweissflusses und wärmeren Haut der oberen Extremitäten.

Auch bei Durchblutungsstörungen an den Händen, die durch Fehlregulation der vegetativen Nerven hervorgerufen werden (M. Raynaud), führt diese Operation zum Erfolg.
Die Operation findet in Vollnarkose statt und es können beide Seiten in einem Eingriff behandelt werden. Der Krankenhausaufenthalt erstreckt sich üblicherweise über 2-3 Tage. Das kosmetische Ergebnis ist hervorragend, da ausschliesslich mit sehr dünnen, Nadeln vergleichbaren Instrumenten gearbeitet wird, deren Narben später kaum sichtbar sein werden, zumal sie in nicht offen sichtbaren Bereichen des Oberkörpers platziert werden.