Pleuramesotheliom

Ausgedehntes Pleuramesotheliom rechter Thorax:

Das Pleuramesotheliom ist eine bösartige Wucherung des Rippenfells, das meistens mit einer Verzögerung von meist mehr als 15 Jahren nach Kontakt zu Asbestfasern auftreten kann. Das Einatmen von Asbestfasern, die bei der Bearbeitung von Asbest entstehen (Sägen, Bohren, etc.), ist ein klarer Risikofaktor für die Entstehung der Erkrankung. Da die Erkrankung sehr schleichend beginnt und häufig erst entdeckt wird, wenn Therapiemassnahmen nicht mehr zur Heilung führen können, wird jeder, der oben beschriebenen Asbestkontakt hatte, aufgefordert, regelmässig Röntgenbilder der Lunge durchführen zu lassen. Die Erkrankung ist eine der am längsten anerkannten Berufskrankheiten und die Übernahme der Behandlungskosten durch die Schweizerische Unfallversicherung oder die Berufsgenossenschaft ist gewährleistet. Die Beurteilung der im Rahmen dieses screenings durchgeführten Röntgenbilder ist nicht trivial und sollte von einem darauf spezialisierten Fachmann erfolgen. Jeder Pleuraerguss bei Menschen mit Asbestbelastung ist dringend abklärungsbedürftig. Bis eine eindeutige andere Diagnose gestellt werden kann gilt er als Mesotheliom-bedingt.

Aufgrund der praktisch fehlenden Symptome sehen wir jedoch die wenigsten Patienten im Frühstadium. Da man jedoch auch Patienten im fortgeschrittenen Stadium helfen möchte, wurden verschiedene Behandlungskonzepte entwickelt. Ist der Tumor nicht mehr operabel und ist der Erguss, d.h. die daraus entstehende Atemnot, das wesentliche Symptom, so kann minimal invasiv eine Pleurodese durchgeführt werden. Ist der Tumor in einem lokal operablen Stadium, so sollte der Patient im Rahmen einer Studie behandelt werden, da gegenwärtig das optimale Behandlungsregime noch nicht entwickelt worden ist. Ein prinzipiell operabler Tumor gilt als heilbar. Zunächst ist die Diagnose zu sichern und der Patient auf ein  multimodales Vorgehen vorzubereiten. Es wird eine thorakoskopische Probe von mehreren Stellen des Rippenfells genommen und eine sog Pleurodese durchgeführt, d.h. eine Verklebung des Rippenfells mit der Lunge, damit der Tumor während der folgenden Behandlung keine Flüssigkeit absondern kann, die zu Atemnot und ggf. zum Abbruch der Therapie führen kann. Dann wird eine Kombination aus Chemotherapie mit nachfolgender Operation und ggf. Bestrahlung durchgeführt. Dieser aggressive Ansatz kann zu einer deutlichen Lebensverlängerung führen. Statistisch gesehen kann man damit das durchschnittliche Überleben von ca. 1 Jahr nach Diagnosestellung auf über drei Jahre nach Diagnosestellung ausdehnen. Anders ausgedrückt steigt die Wahrscheinlichkeit 5 Jahre nach Diagnose noch zu leben von ca. 10% auf 30 - 40% an. Dies gilt für Patienten, die gut auf die Chemotherapie angesprochen haben, eine vollständige Entfernung des Tumors erhalten haben und kein Lymphknoten-Befall nachgewiesen werden kann.

Im Rahmen dieses Konzepts wird üblicherweise 6 Wochen nach Ende der Chemotherapie die Operation durchgeführt. Dabei wird die Lunge im Rippenfellsack aus dem Brustkorb herauspräpariert und mit einem Anteil des anhaftenden Herzbeutels und Zwerchfells entfernt. Der Herzbeutel und das Zwerchfell werden durch Kunststoffnetze ersetzt. Das äussere Erscheinungsbild des Brustkorbs verändert sich nach der Operation kaum merklich. Die Erholungsphase nach diesem Eingriff zieht sich über ca. 2 Wochen. Danach wird noch eine Rehabilitation angeschlossen, bevor die weitere Behandlung durchgeführt wird. Die Lebensqualität der Patienten ist nach der Behandlung zufriedenstellend und soweit wieder hergestellt, dass die eingreifende Therapie auch von diesem Blickwinkel her durchaus gerechtfertigt ist.

Absiedelungen des Tumors in entfernte Organe sind selten. Der Tumor neigt jedoch sehr zum Wiederauftreten an gleicher Stelle und wächst in die benachbarten inneren Organe ein, deren Funktionsversagen er damit einleitet.

Die Ergebnisse in der Behandlung des Pleuramesothelioms sind in den letzten Jahren deutlich verbessert worden. Dies liegt neben den modernen Konzepten vor allem daran, dass die Patienten an spezialisierten Zentren behandelt werden, die den komplexen Behandlungsablauf gut standardisiert haben.

Die Thoraxchirurgie des Universitätsspitals Basel ist Teil eines solchen Zentrums und leistet einen Beitrag zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse, indem jeder Patient mit einem Pleuramesotheliom in einer interdisziplinären Studie behandelt wird.