Pneumothorax

Pneumothorax rechts mit Lunge

und nach Drainageeinlage mit noch nicht komplett entfalteter Lunge

Unter einem Pneumothorax versteht man Luft innerhalb der Brusthöhle, aber ausserhalb der Lunge. Die Luft kann dorthin entweder von aussen (z.B. durch offene Verletzung), von innen aus der Lunge (sog. Spontanpneumothorax, ohne (primär) oder mit (sekundär) zugrunde liegender Lungenerkrankung) oder als Komplikation (z.B. beim Anlegen eines venösen Katheters am Hals) gelangen. Abhängig von der Menge der eingedrungenen Luft und der Möglichkeit des Druckausgleichs mit der Umgebung spürt der Patient von nichts über Atemnot mit Spannungsgefühl bis hin zu einem Kreislaufkollaps, der als sog. Spannungspneumothorax ohne sofortige Therapie rasch zum Tode führen kann.

Neben einer typischen Anamnese wird ein Röntgenbild der Lunge den Befund bestätigen. Unter sterilen Bedingungen wird eine Thoraxdrainage in die betroffene Seite eingelegt. Ein Sogsystem wird angeschlossen und die Lunge kann so wieder zur Ausdehnung gebracht werden. Die Drainage wird dann nach ein paar Tagen wieder entfernt.

In einigen speziellen Fällen ist im zweiten Schritt dennoch eine Operation zu empfehlen. Bei Patienten mit einem sog. primären Spontanpneumothorax entsteht der Pneumothorax ohne Vorwarnung aus dem völligen Wohlbefinden heraus. Bei diesen Patienten findet man in bis zu 90% der Fälle Veränderungen in der Lunge, die das Risiko für das erneute Auftreten eines Spontanpneumothorax deutlich erhöhen. Diese Veränderungen (Bläschen, Bullae) befinden sich üblicherweise in der Lungenspitze und sind der Entstehung der Lunge in der Embryonalentwicklung zuzuschreiben. Bevorzugt treten sie bei grossen, hageren Männern in der jungen Erwachsenenzeit auf. Wenn Patienten, bei denen diese Veränderungen im CT nachgewiesen sind, operiert werden, dann ist das Risiko für die Entstehung eines erneuten Pneumothorax mit 4% nur ein Zehntel dessen, was man bei einer ausschliesslichen Drainagebehandlung erwartet. Deshalb werden (die meist jungen) Patienten mit einem Spontanpneumothorax dahingehend beraten, dass sie sich einer Operation unterziehen sollten, die minimal invasiv über 3 etwa 10 mm durchmessende Zugänge in der Brustwand erfolgt und in Vollnarkose durchgeführt wird. Dabei werden die im CT identifizierten Veränderungen entfernt und das Rippenfell mit der Lungenspitze verklebt. Hierbei ist die mechanische Bearbeitung des Rippenfells ausreichend. Eine Verabreichung von Talkum-Puder ist in diesen Fällen nicht erforderlich. Da die Veränderungen häufig beidseits auftreten, stellen sie für den Patienten auch auf der Gegenseite ein gewisses Risiko für einen Pneumothorax dar. Aus diesem Grund wird den Patienten empfohlen sich auch die Gegenseite operieren zu lassen.

Der Vorteil der Chirurgie gegenüber der Drainagebehandlung ist die deutlich geringere Rezidivrate (etwa um den Faktor 8-10), weil man den verursachenden Teil der Lunge entfernt und zusätzlich durch eine gezielte mechanische Verklebung des Rippenfells nur im betroffenen Abschnitt die Beeinträchtigung der Lunge möglichst gering hält. Dies ist bei einer ungezielten Talkumverabreichung über eine Thoraxdrainage nicht der Fall. Darüber hinaus kann durch die Operation der Krankenhausaufenthalt insgesamt verkürzt werden und das kosmetische Ergebnis ist durch die Verwendung kleiner Schnitte ebenfalls gut.

Patienten sind durch das Risiko für einen Pneumothorax für einige berufliche Tätigkeiten ungeeignet und sollten dies auch in ihrem Freizeitverhalten berücksichtigen. Insbesondere Aktivitäten mit starken Druckschwankungen in der Umgebung oder im Körper wie Tauchen oder Sportfliegen o.ä. sollten vermieden werden.