Thymus / Myasthenie

Die Thymusdrüse liegt hinter dem Brustbein und hat in der Kindheit eine wesentliche Bedeutung bei der Ausbildung des Immunsystems (Abwehrkräfte). Danach schrumpft das Gewebe und ist vielfach nicht mehr erkennbar. In einigen seltenen Fällen kann das Gewebe der Thymusdrüse im Verlauf des Lebens jedoch gutartig oder (noch seltener) bösartig wuchern. Gutartige Wucherungen der Thymusdrüse sind normalerweise ohne Krankheitswert, wenngleich manchmal eine eindeutige Differenzierung von anderen Tumoren des Mediastinums (z.B. Lymphom) allein durch die Bildgebung nicht möglich ist und deshalb mittels Biopsie geklärt werden müssen.

Es gibt eine neurologische Erkrankung, die sog. Myasthenia gravis oder Myasthenie, bei der Antikörper gegen Acetycholinrezeptoren (Empfangsstellen auf den Muskelzellen für die Botenstoffe der Nervenzellen) gebildet werden. In der Folge kommt es zu einer fortschreitenden Muskelschwäche (z.B. Augenlider hängen, Gesichtsmuskulatur erschlafft, Sprachstörungen ("klosige Sprache")), die medikamentös nur begrenzt und mit zum Teil deutlichen Nebenwirkungen zu behandeln ist. Die Medikamente können nicht die Ursache der Erkrankung bekämpfen, sondern beeinflussen das Immunsystem oder die Auswirkungen der Antikörper auf die Muskulatur, um die Auswirkungen der Erkrankung einzudämmen. Da die Ursache nicht bekämpft wird, müssen die Medikamente lebenslang eingenommen werden, u.U. mit steigender Dosis. Die Antikörper, die die Erkrankung verursachen, werden gerne in einem Rest der Thymusdrüse gebildet. Sieht man in der CT-Untersuchung des Brustkorbs dort eine Wucherung (Thymom), dann liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung nach Entfernung der Drüse geheilt ist, bei ca. 80%. Auch bei Entfernung der Thymusdrüse ohne eindeutige Gewebevermehrung liegt der Behandlungserfolg immer noch bei 10 – 30%. Eine Linderung der Symptome mit einer Dosisreduktion der Medikamente wird jedoch bei fast allen operierten Patienten erreicht.

Ein Thymom kann auch ohne neurologische Symptome entstehen und fällt meist als Zufallsbefund bei einer Röntgenuntersuchung der Lunge auf. Die üblicherweise gutartigen Befunde können gut videothorakoskopisch oder mit der  Roboterchirurgie entfernt werden. Die Operation wird minimal-invasiv mit drei max. 5 mm grossen Zugängen vorgenommen und ist mit einem Spitalaufenthalt von 4-5 Tagen nach der Operation verbunden. Ab einer gewissen Grösse (> 5 cm im Durchmesser) können Thymome auch entarten und sollten dann über eine offene Operation von vorne (Sternotomie) entfernt werden. Die endgültige Entscheidung zu Gutartigkeit oder Bösartigkeit des Tumors kann erst der Pathologe treffen, der den im Ganzen entfernten Tumor beurteilen kann, da sich verschiedene Areale des Tumors unterschiedlich verhalten können und eine grosse Bandbreite an verschiedenen Gewebsmustern möglich ist. Eine Probeentnahme im Rahmen der Abklärung ist zur Diagnosesicherung deshalb nicht  weiterführend.