Tumorchirurgie

Lungenkrebs

In der westlichen Welt gehört der Lungenkrebs zu den führenden Krebstodesursachen sowohl bei Männern als auch bei Frauen und wird dies auch für die nächsten Jahrzehnte bleiben. Dabei ist eine Heilung im Frühstadium der Erkrankung durchaus bei 80% der Patienten möglich. Dazu trägt die Chirurgie wesentlich bei.

Zunehmend auch im Frühstadium, aber vor allem im lokal fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung werden heutzutage multimodale Therapiekonzepte angewandt, die im interdisziplinären Zusammenspiel verschiedener Bereiche für den Patienten das individuell beste Vorgehen planen. Dies schliesst auf jeden Fall eine thoraxchirurgische Beurteilung mit ein, da die operative Behandlung in diesen Therapiekonzepten eine zentrale Rolle spielt. Das heisst, ein neu entdeckter Lungenkrebs sollte immer von ei-nem Thoraxchirurgen dahin gehend beurteilt werden, ob er operativ entfernbar ist. Dies ist meist in den Frühstadien der Fall, wenn der Tumor mit dem ihn umgebenden Lungenlappen sowie den zugehörigen Lymphknoten entfernt werden kann. Allein die Grösse des Tumors sagt nichts über dessen Resektabilität aus. Auch grosse Tumoren können chirurgische entfernt werden.

Der häufigste bösartige Tumor der Lunge (ca. 85%) ist das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (engl. non-small cell lung cancer, abgekürzt NSCLC), unter das verschiedene Zellarten eingereiht werden (Plattenepithelkarzinom, grosszelliges Karzinom, Adenokarzinom, bronchoalveoläres Karzinom und andere seltene Typen). Daneben gibt es das kleinzellige Lungenkarzinom (engl. small cell lung cancer, abgekürzt SCLC), das eine Sonderform der neuroendokrinen Karzinome darstellt und von diesen unabhängig eingeteilt und behandelt wird (ca. 15%). Hierbei spielt die Chirurgie eine untergeordnete Rolle, da nur im Stadium der „very limited disease“ (meist ein Zufallsbefund) eine Resektion einen Überlebensvorteil ergibt im Vergleich zur sonst in fortgeschritteneren Stadien üblichen (Radio-)Chemotherapie. Das SCLC wird nur in Ausnahmefällen im operablen Frühstadium entdeckt und wächst häufig an der Lungenwurzel. Es ist sowohl lokal sehr aggressiv als auch früh metastasierend. In 70 - 80% der Fälle hängen die genannten Krebsarten mit dem Rauchen zusammen, beim SCLC in nahezu 100% der Fälle.

Schliesslich gibt es die neuroendokrinen Karzinome, die ein weites Spektrum an Tumor-Aggressivität abdecken, vom fast nur lokal einwachsenden typischen Karzinoid bis zum aggressiven, früh metastasierenden grosszelligen neuroendokrinen Karzinom. Abhängig von diesen Unterscheidungskriterien und von der Tumorausdehnung sowie vom Zustand des Patienten wird die Behandlung geplant. Um diese drei Faktoren beurteilen zu können, braucht man einige diagnostische und funktionelle Untersuchungen.

Diagnostik und Stadienbeurteilung („klinisches Staging“)

Bevor eine Operation durchgeführt wird, sollte nach Metastasen gesucht werden. Dies ist heutzutage am zuverlässigsten mit einer PET-CT möglich. Dabei wird dem Patienten radioaktiver Zucker verabreicht, der in stoffwechselaktiven Geweben wie Tumor angereichert wird und gemessen werden kann. Gleichzeitig werden die computertomographischen Schichtaufnahmen des Körpers durchgeführt und mit den Messungen der Radioaktivität des Zuckers überlagert, so dass die gemessene Aktivität auch direkt anatomischen Strukturen zugeordnet werden kann. Liegen keine Metastasen vor, so kann der Patient unmittelbar zur Operation eingewiesen werden. Sollten bereits Metastasen in anderen Organen vorliegen, so sollte der Patient zur Planung des weiteren Vorgehens in einem interdisziplinären Tumorboard für thorakale Erkrankungen vorgestellt werden (z.B. über das Behandlungszentrum Lunge am Universitätsspital Basel E-mail: bzlunge(at)uhbs.ch). Sind in der PET-CT Lymphknoten im Mediastinum auffällig, so muss eine Abklärung erfolgen. Dies kann durch zytologische Sicherung mittels Bronchoskopie (Spiegelung der Atemwege) und ultraschallgesteuerter Punktion der Lymphknoten oder Mediastinoskopie, also eine Spiegelung des Mittelfells mit Probeentnahme aus den Lymphknoten erfolgen.

Leider liegt häufig nicht der günstige Fall eines kleinen Tumorherdes in den Aussenbezirken der Lunge vor, sondern ein zentral in der Nähe der Lungenwurzel befindlicher Tumor. Diese Tumoren verschliessen oft einen Bronchus und verschliessen damit den Schleimabfluss. Der Patient bekommt eine Lungenentzündung, die häufig ein erstes Symptom eines Lungenkrebses ist.

Neben der bildgebenden Diagnostik ist im Vorfeld einer Therapie neben der Lungen-funktionsprüfung immer eine Bronchoskopie (Luftröhrenspiegelung) erforderlich, die die Ausdehnung des Tumors ins Bronchialsystem zeigen kann und über die eine Probeentnahme aus dem Tumor in vielen Fällen möglich ist.

Vorbehandlung vor der Operation

Sind Lymphknoten an der Lungenwurzel oder im Mediastinum befallen, so sollte der Patient erst mit einer Chemotherapie behandelt werden. Nach 3 Zyklen der Chemotherapie (1 Zyklus entspricht 3 - 4 Wochen) wird der Patient dann erneut untersucht und beurteilt. Dann wird das Ansprechen des Tumors auf die Therapie hinsichtlich Fortschreiten des Tumors (Progression), Wachstumsstillstand (Stagnation) oder Rückbildung des Tumors (Regression) eingeschätzt und die Operabilität festgelegt. Im Falle einer möglichen Operation wird nicht nur der vom Tumor befallene Lungenlappen entfernt, sondern auch das zugehörige Lymphgewebe (systematische mediastinale Lymphadenektomie).

Viele Patienten müssen vor einer Operation auch hinsichtlich ihrer eingeschränkten Herz- oder Lungenfunktion abgeklärt und medikamentös behandelt werden. Hierzu und zur weiteren Therapieplanung ist eine gute Zusammenarbeit und Abstimmung der beteiligten Fachdisziplinen wichtig.

Operation und Stadieneinteilung ("Staging")

Die etablierte Standardoperation bei Lungenkrebs ist die Entfernung des Tumorherdes im Gesunden (Radikalität). Dies entspricht in den meisten Fällen einer Lappenresektion (es gibt  rechts 3 und links 2 Lungenlappen) mit Entfernung der zugeordneten mediastinalen Lymphknoten. Liegt der Tumor so ungünstig, dass eine Lappenentfernung nicht ausreicht, dann muss ggf. mehr Lungengewebe entfernt werden bis hin zur Entfernung eines ganzen Lungenflügels. Ist der Tumor in den Hauptbronchus eingebrochen, dann ist nicht zwangsläufig die komplette Entfernung eines Lungenflügels nötig. Es wird in diesen Fällen versucht, die nicht befallenen Anteile der Lunge zu erhalten und nur den befallenen Bronchusanteil mit dem betroffenen Lungenlappen heraus zu schneiden und den Bronchus wieder zusammen zu nähen. Dieses Vorgehen wird in gleicher Weise bei Einbruch des Tumors in die grossen Lungengefässe vorgenommen und ist unter dem Begriff der Manschettenresektion (engl. sleeve resection) bekannt. Dieses Vorgehen ist gewebesparend und erlaubt eine deutlich höhere Lebensqualität bei gleichen Langzeiterfolgen wie die Entfernung eines ganzen Lungenflügels.

Viele Patienten leiden zum Zeitpunkt der Diagnose bereits an begleitenden Lungenerkrankungen (z.B. Lungenemphysem) mit der entsprechenden Einschränkung der Leistungsfähigkeit der Lungen. Gerade bei diesen Patienten ist es wichtig so gewebesparend wie möglich aber so radikal wie nötig zu operieren. Insbesondere bei diesen Patienten ist eine sorgfältige funktionelle Abklärung der Lunge vor der Operation wichtig, damit das richtige Vorgehen gewählt werden kann. Im Einzelfall kann bei einem Patienten mit fortgeschrittenem Lungenemphysem mit der Entfernung des Tumors sogar eine Verbesserung der Lungenfunktion und Leistungsfähigkeit erreicht werden, da gleichzeitig mit dem Tumor nicht funktionsfähiges Lungengewebe entfernt wird, das die gesunde Lunge bisher behindert hat.
Die erweiterte Resektion kommt für die Formen des Lungenkrebses in Frage, die aus der Lunge ausgebrochen und in umgebende Strukturen eingewachsen sind (Brustwand, Mediastinum, Wirbelkörper, Herz, etc.). In diesen Fällen werden entsprechend grosse Resektionen unter Mitnahme der befallenen Gewebe durchgeführt, wenn dies dem Patienten zumutbar ist. Häufig sind anschliessend Rekonstruktionen beispielsweise der Brustwand oder der Luftwege erforderlich. In einigen Fällen wird der Patient mit einer Chemotherapie vorbehandelt und unter Umständen nachbestrahlt. Das genaue Vorgehen wird im Einzelfall innerhalb des Tumorboards abgestimmt. Einen Sonderfall stellt der Sulcus superior-Tumor (auch bekannt als „Pancoast-Tumor“) dar. Bei diesem in der Lungenspitze gelegenen Karzinom mit häufigem Ausbrechen in benachbarte Gefäss- und Nervenbahnen wird routinemässig eine Radio-Chemotherapie vor die Operation geschaltet, um den Tumor soweit zu verkleinern, dass eine radikale chirurgische Resektion mit möglichst wenig Flurschaden erreicht werden kann. Für diese ausgedehnten Eingriffe ist eine hoch spezialisierte Klinik erforderlich, die über das gesamte Spektrum der Diagnostik und alle technischen Möglichkeiten der Tumorentfernung verfügt. Damit kann dem Patienten der für ihn beste Behandlungsablauf zusammengestellt und interdisziplinär durchgeführt werden. Dies zeichnet ein universitäres Zentrum wie das Unispital Basel aus.

Nach jeder Operation bei Lungenkrebs untersucht der Pathologe das entfernte Material unter dem Mikroskop und kann dann festlegen wie ausgedehnt die Erkrankung ist. Daraus ergibt sich in Zusammenschau mit den Ergebnissen der Metastasensuche, ob der Patient weiter behandelt werden muss (Bestrahlung oder Chemotherapie) oder ob es ausreicht eine regelmässige Nachsorge durchzuführen.

Andere bösartige Lungentumoren

Es gibt einige seltene bösartige Lungentumoren, die sich in ihrem Auftreten nicht von einem Lungenkrebs unterscheiden.

Am bekanntesten ist das Karzinoid. Es gehört in die Gruppe der neuroendokrinen Tumoren und ist aufgrund seiner üblicherweise geringen Neigung zur Metastasierung lange Zeit in eine Zwischengruppe zwischen gut- und bösartig klassifiziert worden. Dies ist jedoch überholt und das Karzinoid wird wie ein bösartiger Tumor behandelt. Die Heilungsraten des Karzinoids sind wesentlich besser (beim typischen Karzinoid nach 5 Jahren 100% Überleben) als bei einem Lungenkrebs. Dies mag unter anderem damit zusammenhängen, dass sog. typische Karzinoide häufig in den grossen Atemwegen wachsen und dort frühzeitig zu Symptomen wie Asthma oder Bluthusten, Lungenentzündung oder plötzlicher Atemnot führen. Durch diese Symptome können sie im Frühstadium entdeckt und operiert werden. Sog. atypische Karzinoide wachsen im Lungengewebe und verhalten sich wie Lungenkrebs. Dementsprechend liegt auch hier die Behandlung in der Entfernung des betroffenen Lungenlappens und des Lymphabflussgebietes.

Grundsätzlich können alle Zelltypen, die in der Lunge vorkommen, entarten und so ist das Spektrum der möglichen bösartigen Tumoren recht gross und reicht vom Lymphom über das Melanom bis zum Sarkom. Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines dieser seltenen Tumoren ist jedoch ausserordentlich gering. Dies zeigen auch die wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die meist nur über eine weltweite Gesamtzahl von einigen Hundert Fällen berichten können.

Im Einzelfall ist jeweils ein interdisziplinäres Vorgehen in Diagnostik und Therapie nötig, das in einem entsprechenden Tumorboard besprochen werden sollte. Dieses wird beispielsweise über das Behandlungszentrum Lunge am Universitätsspital Basel an-geboten, E-mail: bzlunge@anti-clutteruhbs.ch

Lungenmetastasen

Bösartige Tumoren haben in unterschiedlichem Ausmass die Tendenz Tochtergeschwülste (sog. Metastasen) in anderen Organen zu bilden. Die Tumorzellen setzen sich bevorzugt in Geweben ab, die kleinste Blutgefässe aufweisen und den Zellen die Möglichkeit geben, in das umgebende Gewebe einzuwandern. Hier erfüllt die Lunge alle Voraussetzungen, weshalb häufig Lungenmetastasen bei bösartigen Tumoren auftreten. Die Tatsache, dass man Lungenmetastasen entdeckt, spricht zwar für ein fortgeschrittenes Tumorleiden des Patienten. Andererseits kann bei verschiedenen Tumorarten eine Operation der Metastasen zu einer Heilung oder zumindest starken Verzögerung des Krankheitsverlaufs führen. Deshalb sollte nicht voreilig entschieden werden, dass man die Metastasen nicht operieren kann. Die Patienten sollten immer in einem Tumorboard unter Anwesenheit eines Thoraxchirurgen vorgestellt werden, um ein Gesamtkonzept für die Behandlung des Patienten zu erarbeiten, das alle Optionen berücksichtigt. Mit einer aussagekräftigen aktuellen CT-Untersuchung der Lunge mit Kontrastmittel kann der Thoraxchirurg beurteilen, ob eine Operation sinnvoll durchgeführt werden kann oder andere Therapieformen zum Einsatz kommen sollen. In nicht wenigen Fällen (ca. 30%) geht man bei Rundherden in der Lunge und der Vorgeschichte eines bösartigen Tumors bei dem Patienten irrtümlich davon aus es handele sich um Metastasen. Die Klärung dieser Befunde und die Beurteilung der technischen Machbarkeit sollten beim Thoraxchirurgen erfolgen, da er der darauf spezialisierte Fachmann ist.

Bei folgenden Tumoren in der Vorgeschichte ist bei Lungenherden mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von Metastasen auszugehen:

Hodentumor, malignes Melanom, Weichteil-Sarkome, Nierenzellkerbs,  Dickdarmkrebs (Kolon-Karzinom)

Die Entfernung mehrerer Lungenmetastasen ist mit ausreichender Gründlichkeit nur über eine offene Operation am Brustkorb erreichbar. Bei ausreichender Qualität der präoperativen Computertomographie können einzelne Metastasen auch mit hinreichender Zuverlässigkeit minimal invasiv operiert werden. Voraussetzung hierfür ist eine begrenzte Zahl an Herden, ein möglichst langes Zeitintervall zwischen Ersttumor und Entdeckung der Metastase, die Grösse und vor allem eine günstige Lage in der Peripherie der Lunge. Damit so wenig gesundes Lungengewebe wie möglich mit den Metastasen entfernt wird, kommt am Unispital Basel häufig die Laserchirurgie zum Einsatz, mit der ein sehr exaktes Entfernen der Metastasen mit einem Randsaum gesunden Gewebes möglich ist. Die Beeinträchtigung der Atmung nach der Operation ist dadurch minimal und für den Patienten nach 1 Woche nicht mehr spürbar. Solange währt auch der Krankenhausaufenthalt nach einer solchen Operation.
Die etablierten Indikationen für die Metastasenchirurgie sind Absiedelungen von Darm- und Nierenkarzinomen sowie Weichteilsarkomen. Zunehmend werden in der wissenschaftlichen Literatur auch Vorteile für die Entfernung von Lungenmetastasen anderer Tumoren veröffentlicht. Hier ist in den nächsten Jahren eine deutliche Entwicklung zu erwarten.

In vielen Fällen kann bei einem erneuten Auftreten von Lungenmetastasen auch wiederholt operiert werden. Studienergebnisse zeigen auch hierfür deutlich bessere Ergebnisse als bei nicht operativer Behandlung.

Metastasen eines Kolon-Karzinoms im Röntgen, während der minimal-invasiven Operation und aufgeschnitten im Präparat.

Pleurakarzinose

Im Verlauf bösartiger Erkrankungen kann es aufgrund von Metastasen im Rippenfell zu einem teilweise massiven Pleuraerguss kommen, der auf der betroffenen Seite die Lunge zusammendrückt, so dass sie nicht mehr zur Atmung zur Verfügung steht und Atemnot verursacht. Als Akutbehandlung kann man den Erguss abpunktieren. Häufig laufen diese Ergüsse aber recht schnell innerhalb weniger Tage nach. Dann kann man mit einer kleinen Operation minimal invasiv über 2 höchstens 5mm grosse Öffnungen in der Brustwand mittels einer Probeentnahme den Tumorbefall des Rippenfells nach-weisen und eine vollständige Verklebung der Lunge mit dem Rippenfell unter optimaler Sichtkontrolle erzeugen, damit sich kein Erguss mehr bilden kann. Dadurch ist die Atemnot behoben. Sollte die Lunge durch ausgeprägten Tumor gefesselt sein und sich nach Ergussentfernung nicht mehr entfalten können, so kann das Gefühl der Atemnot dennoch ohne Erguss besser sein. In ausgewählten Fällen kann dann versucht wer-den, durch Entfernung der (Tumor-)Schwarte von der Lunge (sog. Dekortikation) die Lunge doch zur Ausdehnung zu bringen. Sollte aber die Lunge dennoch zu weit vom Rippenfell entfernt ist, um eine erfolgreiche Veklebung durchführen zu können, gibt es die Möglichkeit, einen in der Haut tunnelierten Katheter in die Brusthöhle einzubringen. Über diesen Katheter wird der Patient selbst in die Lage versetzt, zu Hause in regel-mässigen Abständen so viel Erguss ablaufen zu lassen, dass die Atemnot nicht zunimmt.

Die chirurgischen Optionen bei der Diagnose und Behandlung der Pleurakarzinose bieten den Vorteil, dass beides in einer Operation erfolgt, minimal invasiv durchgeführt werden kann und unter Sicht stattfindet, wodurch sicher die Diagnose gestellt und die Therapie durchgeführt werden kann.

Pleuramesotheliom

Das Pleuramesotheliom ist eine bösartige Wucherung des Rippenfells, das meistens mit einer Verzögerung von meist mehr als 15 Jahren nach Kontakt zu Asbestfasern auftreten kann. Das Einatmen von Asbestfasern, die bei der Bearbeitung von Asbest entstehen (Sägen, Bohren, etc.), ist ein klarer Risikofaktor für die Entstehung der Erkrankung. Da die Erkrankung sehr schleichend beginnt und häufig erst entdeckt wird, wenn Therapiemassnahmen nicht mehr zur Heilung führen können, wird jeder, der oben beschriebenen Asbestkontakt hatte, aufgefordert, regelmässig Röntgenbilder der Lunge durchführen zu lassen. Die Erkrankung ist eine der am längsten anerkannten Berufskrankheiten und die Übernahme der Behandlungskosten durch die Schweizerische Unfallversicherung oder die Berufsgenossenschaft ist gewährleistet. Die Beurteilung der im Rahmen dieses screenings durchgeführten Röntgenbilder ist nicht trivial und sollte von einem darauf spezialisierten Fachmann erfolgen. Jeder Pleuraerguss bei Menschen mit Asbestbelastung ist dringend abklärungsbedürftig. Bis eine eindeutige andere Diagnose gestellt werden kann gilt er als Mesotheliom-bedingt.

Aufgrund der praktisch fehlenden Symptome sehen wir jedoch die wenigsten Patienten im Frühstadium. Da man jedoch auch Patienten im fortgeschrittenen Stadium helfen möchte, wurden verschiedene Behandlungskonzepte entwickelt. Ist der Tumor nicht mehr operabel und ist der Erguss, d.h. die daraus entstehende Atemnot, das wesentliche Symptom, so kann minimal invasiv eine Pleurodese durchgeführt werden. Ist der Tumor in einem lokal operablen Stadium, so sollte der Patient im Rahmen einer Studie behandelt werden, da gegenwärtig das optimale Behandlungsregime noch nicht entwickelt worden ist. Ein prinzipiell operabler Tumor gilt als heilbar. Zunächst ist die Diagnose zu sichern und der Patient auf ein  multimodales Vorgehen vorzubereiten. Es wird eine thorakoskopische Probe von mehreren Stellen des Rippenfells genommen und eine sog Pleurodese durchgeführt, d.h. eine Verklebung des Rippenfells mit der Lunge, damit der Tumor während der folgenden Behandlung keine Flüssigkeit absondern kann, die zu Atemnot und ggf. zum Abbruch der Therapie führen kann.

Dann wird eine Kombination aus Chemotherapie mit nachfolgender Operation und ggf. Bestrahlung durchgeführt. Dieser aggressive Ansatz kann zu einer deutlichen Lebensver-längerung führen. Statistisch gesehen kann man damit das durchschnittliche Überleben von ca. 1 Jahr nach Diagnosestellung auf über drei Jahre nach Diagnosestellung ausdehnen. Anders ausgedrückt steigt die Wahrscheinlichkeit 5 Jahre nach Diagnose noch zu leben von ca. 10% auf 30 - 40% an. Dies gilt für Patienten, die gut auf die Chemotherapie angesprochen haben, eine vollständige Entfernung des Tumors erhalten haben und kein Lymphknoten-Befall nachgewiesen werden kann.

Im Rahmen dieses Konzepts wird üblicherweise 6 Wochen nach Ende der Chemotherapie die Operation durchgeführt. Dabei wird die Lunge im Rippenfellsack aus dem Brustkorb herauspräpariert und mit einem Anteil des anhaftenden Herzbeutels und Zwerchfells entfernt. Der Herzbeutel und das Zwerchfell werden durch Kunststoffnetze ersetzt. Das äussere Erscheinungsbild des Brustkorbs verändert sich nach der Operation kaum merklich. Die Erholungsphase nach diesem Eingriff zieht sich über ca. 2 Wochen. Danach wird noch eine Rehabilitation angeschlossen, bevor die weitere Behandlung durchgeführt wird. Die Lebensqualität der Patienten ist nach der Behandlung zufriedenstellend und soweit wieder hergestellt, dass die eingreifende Therapie auch von diesem Blickwinkel her durchaus gerechtfertigt ist.

Absiedelungen des Tumors in entfernte Organe sind selten. Der Tumor neigt jedoch sehr zum Wiederauftreten an gleicher Stelle und wächst in die benachbarten inneren Organe ein, deren Funktionsversagen er damit einleitet.

Die Ergebnisse in der Behandlung des Pleuramesothelioms sind in den letzten Jahren deutlich verbessert worden. Dies liegt neben den modernen Konzepten vor allem daran, dass die Patienten an spezialisierten Zentren behandelt werden, die den komplexen Behandlungsablauf gut standardisiert haben.

Die Thoraxchirurgie des Universitätsspitals Basel ist Teil eines solchen Zentrums und leistet einen Beitrag zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse, indem jeder Patient mit einem Pleuramesotheliom in einer interdisziplinären Studie behandelt wird.

Brustwandtumoren

Brustwandtumoren treten zu einem Drittel in einer gutartigen Form auf (v.a. Fibrome, Lipome, Chondrome). Die 2/3 der bösartigen Brustwandtumoren teilen sich zur Hälfte in primäre, also von der Brustwand ausgehende Tumoren (v.a. Weichteil- oder Knochen-Sarkome bzw. Hauttumoren) oder sekundäre Tumoren auf (v.a. Metastasen oder einwachsender Lungenkrebs). Daneben gibt es als Tumor auffallende Abszesse der Brustwand.

Das Spektrum der Symptome reicht von unauffällig bis hin zu blutenden oder schmerzhaften
Befunden. Meist fällt den Patienten zunächst eine ungewöhnliche derbe Verdickung oder Vorwölbung im Bereich des Brustkorbs auf, die unter Umständen merklich wächst.

Die Diagnostik beinhaltet neben der körperlichen Untersuchung eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs in zwei Ebenen und meist anschliessend eine CT-Untersuchung mit Kontrastmittel, entsprechend der erhobenen Befunden.

Abhängig von der Vorgeschichte des Patienten und vom Therapieplan ist ggf. noch eine PET-CT-Untersuchung oder ein MRT erforderlich. Dies wird mit dem Patienten besprochen und geplant.

Handelt es sich bei dem Thoraxwandtumor um einen einzelnen Herd, dann ist die Operation immer die Behandlung der ersten Wahl, da sie die besten Ergebnisse hinsichtlich einer Heilung verspricht. Entscheidend für den Erfolg der chirurgischen Therapie ist die Radikalität des Eingriffs, d.h. ob der Tumor mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand an gesundem Gewebe herausoperiert werden kann. Das Ausmass der erforderlichen Operation und die Möglichkeiten der Rekonstruktion der Brustwand reichen vom einfachen Muskelverschiebelappen bis hin zu aufwändigen plastischen Rekonstruktionsverfahren, teilweise unter Verwendung von Kunststoff-Netzen oder Knochenzement. Da es sich immer um ein sehr individuelles Vorgehen handelt, wird mit jedem Patienten das Procedere in seinem Fall besprochen und ggf. andere Disziplinen (z.B. plastische Chirurgie) mit einbezogen.

Sollte eine Operation nicht möglich sein, so stehen andere Therapieverfahren z.T. in Kombination zur Verfügung, um den Tumor behandeln zu können, z.B. aus der Strahlentherapie oder interventionellen Radiologie oder Onkologie (Chemotherapie).