Aortenaneurysma

Häufigkeit & Prognose

Bei etwa 9% der Bevölkerung über 65 Jahre lässt sich ein abdominales Aortenaneurysma nachweisen. Die Ruptur eines solchen Aneurysmas ist meistens ein katastrophales Ereignis und von den Patientinnen und Patienten, die das Spital lebend erreichen, sterben bis zu 50% innert der ersten 30 Tage trotz sofortiger Operation.
Daher müssen unsere Anstrengungen auf die frühe Diagnose und die geplante Operation zum richtigen Zeitpunkt gerichtet sein. Ein Screening aller Männer über 65 Jahren scheint sinnvoll zu sein (MASS- Studie 2002).

Die normale Aortenweite beträgt bei Männern im Alter von 55 Jahren ca. 2.2 cm. Als Aneurysma bezeichnet man Aufweitungen über 3 cm.
Je nach Grösse des Aneurysmas erreicht diese Krankheit Mortalitätsraten, die Malignomen nicht nachstehen. In einer Beobachtungsstudie von Patienten, die einer Operation nicht zugeführt werden konnten, starben an einer bewiesenen oder wahrscheinlichen Ruptur des Aneurysmas:

  • Aortendurchmesser 6 bis 6.9 cm: nach 1 Jahr 18%, nach 2 Jahren 45%
  • Aortendurchmesser > 7 cm: nach 1 Jahr 60%, nach 2 Jahren 83%. (Veterans Affairs Study  Nr. 417 2002)

Abwägungen

Andererseits muss das OP-Risiko gegen das Rupturrisiko abgewogen werden. Nach allgemeiner Übereinkunft werden zur Zeit abdominale Aneurysmata mit einem Maximaldurchmesser von 5.5 cm zur OP empfohlen (Aneurysm Detection Study 2002; Small Aneurysm Trial 2002). Sondersituationen sind inflammatorische oder Aneurysmata bei Vasculitis (eher spätere OP) und kleiner Körperbau (eher frühere OP). Für thorakale Aneurysmata werden wegen des höheren Paraplegierisikos tendenziell höhere Durchmesser als OP Indikation gefordert.

Operative Methoden

Neben der offenen Operation mit Implantation einer Rohr- oder Y-Prothese steht die kathetertechnische Endoprothesenimplantation für ausgewählte Patienten zur Verfügung.

Der Verdacht auf eine drohende Ruptur eines Aortenaneurysmas mit Druckschmerz oder Spontanschmerz ist ein absoluter Notfall. Eine Abklärung muss unverzüglich erfolgen.

Kontrolluntersuchungen

Kontrolluntersuchungen eines Aortenaneurysmas oder bei Status nach Aortenstentimplantation werden vorzugsweise mit der Duplexsonographie vorgenommen. Sie kann ggf. durch eine Computertomographie oder Kernspinuntersuchung ergänzt werden. Stets muss nach Aneurysmata an anderer Lokalisation, insbesondere iliacal und popliteal, gesucht werden.