Genetische Abklärung hereditärer Kardiomyopathien und Arrhythmien

Der plötzliche Herztod ist definiert als nicht erwarteter Herzstillstand ohne vorausgehende Symptome bei Patienten, die nicht älter sind als 50 Jahre.

Ein solches Ereignis ist dramatisch und zieht einschneidende Konsequenzen für den Patienten und seine Familie nach sich. Neben der koronaren Herzkrankheit liegen die Ursachen für den plötzlichen Herztod selten auch in vererbbaren Kardiomyopathien und Herzrhythmusstörungen.

Die familiäre hypertrophe Kardiomyopathie (FHC) ist die häufigste Ursache für den familiären plötzlichen Herztod und hat eine Prävalenz von 0.5 %. Es ist eine autosomaldominant vererbbare Erkrankung und ist charakterisiert durch eine primäre links- und/oder rechtsventrikuläre Hypertrophie des Herzmuskels, welche typischerweise das Septum involviert. Die Diagnose wird mittels Echokardiographie gestellt. Ein wichtiges Merkmal der FHC ist die weite intra- und auch interfamiliäre Heterogenität des Phänotyps, was bedeutet, dass sich das klinische Erscheinungsbild innerhalb einer Familie verschieden ausprägen kann. Das Spektrum der klinischen Symptome ist breit und beinhaltet Beschwerdefreiheit, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und den plötzlichen Herztod. Der plötzliche Herztod kann leider als Erstmanifestation ohne Vorzeichen auftreten und zählt auch zu den häufigsten Ursachen von Todesfällen bei Leistungssportlern. Die Risikostratifizierung für den plötzlichen Herztod basiert primär auf Klinik und nicht-invasiven Untersuchungen, wie z.B. die Echokardiographie, das Langzeit-EKG und die Ergometrie. Genetisch ist die FHC eine komplexe Erkrankung mit mindestens 12 involvierten Genen, die das kardiale Sarkomer kodieren. Der Gentest zur Identifizierung von Mutationen ist ein weiterer Marker zur Risikostratifizierung für den plötzlichen Herztod und hilft bei der Beratung von betroffenen Familien. Die Therapie der FHC richtet sich nach den Symptomen und vor allem nach dem Vorhandensein von Risikofaktoren für den plötzlichen Herztod.

Das Long QT-Syndrome (LQTS) ist eine primäre elektrische Erkrankung des Herzmuskels ohne Hinweise auf eine strukturelle Herzerkrankung. Es handelt sich um eine Herzrhythmusstörung, bei der Ionenkanäle im Herz erkrankt sind. Das LQTS wird auf dem 12-Ableitungs-EKG diagnostiziert mit einem verlängerten QTc Intervall von 460 ms. Klinisch kann das LQTS zu komplexen ventrikulären Rhythmusstörungen mit Torsades des pointes und zum plötzlichen Herztod führen. Das Syndrom wird meistens autosomal-dominant vererbt als Romano-Ward Syndrome, selten auch autosomal-rezessiv als Jervell-Lange-Nielsen Syndrome. Heute sind 8 LQTS Typen bekannt, die anhand der Klinik, des 12-Ableitungs-EKG sowie zusätzlichen Pathologien diagnosti-ziert werden. Der Gentest hilft weiter für die Bestätigung der Diagnose und zum Screening von Mutationsträgern innerhalb einer betroffenen Familie. Die Therapie des LQTS richtet sich nach dem vorhandenen Typ des LQTS.

Das Brugada-Syndrom (BS) ist wie das LQTS eine elektrische Erkrankung des Herzmuskels, wobei hier der kardiale Natrium-Kanal erkrankt ist. Das BS wird autosomal-dominant vererbt und wird auf dem 12-Ableitungs-EKG diagnostiziert. Charakteristisch sind dort eine Hebung der ST-Strecke sowie ein Rechtsschenkelblock-ähnliches Bild in Ableitungen V1-V3. Das BS kann über komplexe ventrikuläre Rhythmusstörungen zum plötzlichen Herztod führen. Es kann vorkommen, dass die typischen Veränderungen auf dem EKG nicht eindeutig erkennbar sind und sie medikamentös mit Hilfe von Natrium-Kanal Blockern demaskiert werden müssen. Es gibt Patienten, bei denen das BS nur in Erscheinung tritt, wenn sie Fieber haben im Rahmen eines Infektes. Der Gentest mit Suche nach Mutationen im Natrium-Kanal Gen hilft zur Bestätigung der Diagnose, zur Festlegung der Therapie und zur Identifikation von Mutationsträgern innerhalb der betroffenen Familie.

Für die Abklärung dieser familiären Herzkrankheiten bieten wir an unserer Klinik das komplette Spektrum mit Diagnosestellung, Beratung, genetischer Untersuchung und Therapie von betroffenen Patienten und ihrer Familie an.