Endomyokardbiopsie

Bei der Endomyokardbiopsie werden kleine Gewebeproben aus dem Herzmuskel (Myokard) von dessen Innenseite her über einen venösen Zugang entnommen.

Die Endomyokardbiopsie ist ein zuverlässiges Verfahren zum Nachweis einer akuten Abstossungsreaktion bei Patienten mit Herztransplantation. Daneben wird diese Methode auch zur Diagnostik von Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien) angewendet (z.B. bei Entzündungen des Herzmuskels, Tumoren). Nach Herztransplantation wird diese Untersuchung in regelmässigen Abständen wiederholt, um allfällige Abstossungen des transplantierten Herzens frühzeitig erfassen und behandeln zu können. Das entnommene Muskelgewebe wird vom Pathologen unter dem Mikroskop untersucht. Entsprechend dem mikroskopisch festgestellten Schweregrad einer allfälligen Abstossung und weiterer klinischer Befunde wird die weitere Behandlung festgelegt. Trotz intensiver Forschung konnte diese invasive Methode bis heute nicht durch einfachere, nichtinvasive Untersuchungsmethoden ersetzt werden.

Die Endomyokardbiopsie bedarf keiner grossen Vorbereitung. Die Patienten erscheinen nüchtern zur Untersuchung. Eine vorangehende Beruhigung der Patienten mit Medikamenten ist selten notwendig. Die Untersuchung wird ambulant durchgeführt, d.h. der Patient kann unmittelbar im Anschluss an die Biopsie wieder aufstehen.

Zunächst wird in lokaler Betäubung die rechte Halsvene mit einer Punktionsnadel angestochen und über einen Draht ein Einführungsbesteck („Schleuse“) eingelegt. Anschliessend wird die Biopsiezange (ein gewundener Draht mit einer kleinen, ca. 2mm langen Zange an der Spitze, die von aussen mechanisch geöffnet und wieder geschlossen werden kann ) in die rechte Herzkammer vorgeschoben, wo etwa 4-6 kleine Herzmuskelproben entnommen und dem Pathologen zur histologischen Beurteilung zugestellt werden. Anschliessend entfernt man das Einführungsbesteck und komprimiert die Punktionsstelle manuell für etwa 5 Minuten, wonach der Patient wieder aufstehen kann.

Die Komplikationsrate der Endomyokardbiopsie ist klein. Die Perforation (Durchstechen) des Herzmuskels mit anschliessender Tamponade (verletzungsbedingte Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel) stellt dabei die bedrohlichste Komplikation dar. Beim Herztransplantierten ist dieses Risiko jedoch sehr klein, da der Herzbeutel mit der freien Wand der Herzkammer verwachsen ist und somit in der Regel keine grosse Blutansammlung im Herzbeutel zulässt. Die Diagnose einer Perforation mit Tamponade wird im Herzultraschall (Echokardiographie) gestellt und mittels Perikardpunktion behoben. Selten kann bei der Punktion der Halsvene die Pleura (Brustfell) angestochen werden, was zu Eintritt von Luft in den Pleuraspalt, also zum Pneumothorax (Aufhebung des normalerweise negativen Drucks innerhalb der Pleura und u.U. teilweiser oder kompletter Lungenkollaps) führen kann.

Während der Biopsie kommt es beim Berühren des Herzmuskels durch die Biopsiezange vorübergehend zu kurzen Herzrhythmusstörungen (Extraschlägen), welche der Patient als Herzstolpern verspüren kann.