Koronarangiographie (Linksherzkatheteruntersuchung)

Einverständniserklärung 

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Unter einer Linksherzkatheteruntersuchung verstehen wir die Darstellung der Herzkranzgefässe (Koronarangiographie) sowie der linken Herzkammer (Ventrikulographie) mittels Röntgenkontrastmittel, das durch einen in die Abgänge der Herzkranzgefässe bzw. in die linke Herzkammer eingeführten Katheter injiziert wird.

Die Koronarangiographie wird bei Verdacht auf oder bei bekannter symptomatischer Herzkrankheit (Myokardinfarkt, Angina pectoris, nachgewiesene Durchblutungsstörung), sowie Kardiomyopathien (Herzmuskelerkrankungen) unklarer Krankheitsursache (bei letzteren oft in Kombination mit einer Rechtsherzaktheteruntersuchung) durchgeführt. Die Darstellung der Herzkranzgefässe ist Voraussetzung für die Wahl der geeigneten Behandlung: Koronarangioplastie (Ausweitung eines verengten Herzkranzgefässes mittels Ballonkatheter) bzw. aortokoronare Bypassoperation (operative Umgehung der verschlossenen Gefässe mittels Venen- oder Arterientransplantat).

Bei der Koronarangiographie werden die rechte und die linke Herzkranzarterie mit ihren Seitenästen dargestellt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Koronarangiographische Darstellung der jeweils nicht eingeengten linken und rechten Herzkranzarterie.

 

Dadurch können Verengungen oder Verschlüsse der Koronargefässe lokalisiert und quantifiziert sowie Wandunregelmässigkeiten erfasst werden (Abbildung 2).

Abbildung 2: Hochgradige, fokale Stenosen in der rechten und linken Herzkranzarterie

 

Bei der Ventrikulographie wird Kontrastmittel in die linke Herzkammer injiziert und somit Grösse, globale Herzfunktion und regionale Bewegung der linken Herzkammer sichtbar gemacht.

Die Linksherzkatheteruntersuchung erfolgt ambulant oder während eines kurzen Klinikaufenthaltes. Die Medikamente sollten in der Regel vor der Untersuchung wie gewohnt eingenommen werden (dies gilt insbesondere auch für Thrombozytenaggregati-onshemmer), lediglich bei Patienten mit oraler Antikoagulation (Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten) sollte darauf geachtet werden, dass der Quickwert (Messwert zum Nachweis von Gerinnungsstörungen) nicht allzu tief ist. Der Patient sollte 6 Stunden vor der Untersuchung nichts mehr essen und ausser einem Glas Wasser zur Medikamenteneinnahme nichts mehr trinken. Durch das Pflegepersonal werden in der Regel beide Leisten rasiert und ein venöser Zugang gelegt. Im Herzkatheterlabor werden dann ein Oberflächen-EKG angelegt, die Punktionsstelle desinfiziert sowie die Leiste steril abgedeckt. Da der Eingriff lediglich unter lokaler Betäubung erfolgt, ist der Patient während der Untersuchung wach und kann diese am Monitor mitverfolgen.

Nach Anlegen einer Lokalanästhesie an der Punktionsstelle – in der Regel die rechte oder linke Leiste zur Punktion der Oberschenkelarterie, selten am Handgelenk zur Punktion der Armarterie – wird die Arterie mittels einer Hohlnadel punktiert, durch welche ein Draht in die Arterie eingeführt und über den, nach Entfernung der Nadel, eine „Schleuse“ (Spülschlauch) eingelegt wird (Seldingertechnik). Durch diese Schleuse, welche gleichzeitig die Arterie nach aussen abdichtet, werden die entsprechenden Katheter nacheinander über einen Führungsdraht vorgeschoben, wobei es unterschiedliche Katheter für die rechte bzw. linke Herzkranzarterie sowie für die Herzkammer und für die eventuelle Darstellung von Bypässen gibt. Die Katheter werden durch die Aorta entgegen dem Blutfluss bis zum Herzen vorgeschoben. Mit wiederholten Kontrastmittelinjektionen werden nun zuerst die Herzkranzgefässe nach Einlage der entsprechenden Katheter in die Gefässabgänge sowie mögliche Bypässe bei voroperierten Patienten dargestellt. Im Anschluss daran wird in der Regel eine Ventrikulographie durchgeführt, sofern keine Gründe dagegen sprechen (Kontraindikationen). Bei jeder Kotrastmittelinjektion werden Röntgenaufnahmen in verschiedenen Ebenen gemacht.

Sollte die Durchführung einer perkutanen transluminalen Koronarangiographie (PTCA; Aufweitung eines verengten Herkranzgefässes mittels eines im Gefäss liegenden Ballonkatheters) notwendig sein, wird diese in den meisten Fällen unmittelbar an die Linksherzkatheteruntersuchung angeschlossen. Ansonsten wird nach Abschluss der Untersuchung die Schleuse entfernt und die Oberschenkelarterie mittels Verschlusssystem oder manueller Kompression über 10-30 Minuten verschlossen. Die heute üblichen Verschlusssysteme umfassen entweder einer spezielle Nahttechnik oder einen resorbierbaren Verschlusspfropfen (z.B. aus Kollagen), wodurch das Gefäss abgedichtet wird. Das Material löst sich innerhalb von 2-3 Monaten auf. Die nachfolgende Liegezeit beträgt in der Regel 4 bis maximal 24 Stunden.
Abgesehen von einem leichten Brennen beim Setzen der Lokalanästhesie, einem Wärmegefühl bei der Injektion sowie eventuellen Palpitationen (Herzklopfen) bei der Einlage des Katheters in die Herzkammer sollte der Patient bei der Untersuchung nichts verspüren.

Zu den schwerwiegendsten Komplikationen der Linksherzkatheteruntersuchung gehö-ren Tod, akuter Myokardinfarkt und zerebrovaskulärer Insult (CVI = Schlaganfall), welche mit einer Häufigkeit von weniger als 0,1 % auftreten. Als wichtige Risikofaktoren gelten hohes Alter, schwere Ruheangina, eingeschränkte Funktion der linken Herzkammer, Zustand nach Schlaganfall, das Vorliegen einer Hauptstammstenose oder einer schweren Aortenklappenstenose sowie schwere nichtkardiale Erkrankungen. Peri-phere, durch Embolien bedingte Gefässverschlüsse sind ebenfalls äusserst selten (<1 %). Noch seltener werden schwere Rhythmusstörungen oder andere schwere Komplikationen (Verletzung der Wand eines Herzkranzgefässes, Perforation einer Koronararterie oder des Ventrikels, schwere allergische Reaktion auf das Kontrastmittel) beobachtet. Das EKG wird deshalb während der ganzen Untersuchung überwacht.

Weniger schwerwiegende Probleme umfassen vorwiegend Komplikationen an der Ein-stichstelle und treten bei ca. 1 % der Patienten in klinisch relevantem Ausmass auf.

Die Röntgenbelastung ist insgesamt gering und stellt für den Patienten kein Gesund-heitsrisiko dar. Zu beachten ist eine mögliche Allergie auf Röntgenkontrastmittel, wel-cher durch die Gabe von Antihistaminika und Steroiden unmittelbar vor der Untersu-chung in Fällen bekannter Allergie erfolgreich vorgebeugt werden kann.