Mitralklappenvalvuloplastie

Die Mitralvalvuloplastie (MVP) ist eine Sprengung von verklebten und z.T. verkalkten beweglichen Teilen der zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer gelegenen Mitralklappe (Mitralsegeln) mittels eines über einen Katheter eingebrachten Ballons.

Diese Therapieform wird bei symptomatischen für den Eingriff geeigneten Verengungen der Herzklappe (Mitralklappenstenosen) angewandt. Dabei sollte keine schwere Verkalkung der Mitralsegel sowie des Mitralklappenhalteapparates vorliegen, was vor der Intervention mittels Echokardiographie abgeklärt werden muss.

Die Indikationsstellung erfolgt durch den Kardiologen. Der Krankenhausaufenthalt be-trägt in der Regel 3 Tage. Am Eintrittstag, respektive zur Indikationsstellung, wird eine transoesophageale Echokardiographie (TEE = durch die Speiseröhre) zum Ausschluss von Gerinnseln im linken Vorhof durchgeführt. Beim Nachweis von Gerinnseln oder von Vorhofflimmern muss der Patient für 2 Monate vor der MVP therapeutisch antiko-aguliert werden. Am Untersuchungstag erfolgt eine antibiotische Abschirmung sowie eine intravenöse Blutverdünnung mittels Heparin. Sowohl für die TEE als auch für die MVP muss der Patient nüchtern sein.

Im Herzkatheterlabor erfolgt in Lokalanästhesie die Punktion der Oberschenkelarterie und anschliessend die Einlage eines Druckmessers in die linke Herzkammer (analog zur Linksherzkatheteruntersuchung). Danach wird die Oberschenkelvene punktiert und ein Katheter in den rechten Vorhof vorgeschoben (analog zur Rechtsherzkatheteruntersuchung). Darauf erfolgt die Punktion des Vorhofseptums (Scheidewand zwischen den Vorhöfen) und das Vorschieben des Katheters in den linken Vorhof. Nach Bestätigung des Schweregrades der Mitralklappenstenose durch simultane Druckmessung im linken Vorhof und Ventrikel wird ein spezieller Ballonkatheter (Inoue-Ballon) durch die Mitralklappe vom Vorhof in die linke Herzkammer vorgeschoben. Unter Durchleuch-tungskontrolle erfolgt nun das ein- bis mehrmalige Aufdehnen des Ballons zur Sprengung der Verklebungen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Funktionsweise des Inoue-Ballons (links) sowie expandierter Ballon in Position der Mitralklappe im Röntgenbild (rechts)

 

Abschliessend wird erneut eine simultane Druckmessung zwischen linkem Vorhof und linker Kammer durchgeführt, welche idealerweise keine enddiastolische (am Ende der Erschlaffung) Druckdifferenz mehr zeigt. Es folgt eine Kontrolle der Mitralklappendichte mittels Ventrikulographie (Darstellung der Herzkammer zum Ausschluss einer Mitralklappeninsuffizienz). Nach Rückzug des Katheter wird die Oberschenkelarterie mittels eines Verschlusssystems und die Oberschenkelvene durch manuelle Kompression verschlossen.

Am Tag nach der MVP wird eine transthorakale Echokardiographie (TTE = von aussen durch den Brustkorb) zur Therapiekontrolle durchgeführt. Anschliessend kann der Patient entlassen werden. Drei Monate nach der MVP wird in der Regel eine erneute TTE zur Bestimmung der eventuellen Reststenose, einer möglichen Mitralklappeninsuffizienz und eines möglichen ASD (Vorhofseptumdefekt) nach Punktion durch die Herzscheidewand erfolgen.

Komplikationen sind selten. Am häufigsten wird ein Defekt der Vorhofscheidewand nach Punktion nachgewiesen (9-12 %), dieser ist jedoch hämodynamisch (für die Strömungsverhältnisse des Blutes) praktisch immer unbedeutend.

Schwerwiegendere Komplikationen treten in absteigender Häufigkeit etwa wie folgt auf: Schwere Mitralklappeninsuffizienz (ca. 2 %), Perikardtamponade (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel) (1-1,5 %), kardiovaskuläre Embolien (0,6-2 %), Komplikationen an der Einstichstelle (0,5-1 %), Tod (0-0,5 %). Sollte eine relevante Mitralklappeninsuffizienz auftreten, so ist eine Mitralklappenersatzoperation indiziert.

Je nach Kalzifikation der Klappen besteht eine Rezidivfreiheit von 95-100 % über 5 Jahre bei nicht verkalkten Klappen und Sinusrhythmus vor der MVP, bzw. von 60-76 % über 5 Jahre bei verkalkten Klappen und Vorhofflimmern vor der MVP.