Sinus Reducer System:
Eine neue Hoffnung gegen refraktäre Angina Pektoris

Oftmals ist die Angina Pectoris (AP) ein Leitsymptom für eine koronare Herzkrankheit (KHK).Trotz ausgereizter medikamentöser Therapie, Anpassung des Lebensstils und Eingriffe zur Revaskularisation verbleiben viele Patienten mit einer refraktären AP, welche die Lebensqualität stark einschränken kann.

Definiert ist diese als AP der Klasse 3 oder 4 bei der Canadian Cardiovascular Society (CCS). Dies bedeutet, dass die Patienten bereits bei geringer körperlicher Belastung oder sogar in Ruhe an den Symptomen einer AP leiden.
Obwohl es mehrere Optionen für eine Behandlung der refraktären AP gibt, scheint besonders eine Methode erfolgsversprechend zu sein: das sogenannte Sinus Reducer System.

Bereits 1955 gab es experimentelle Hinweise darauf, dass die Verengung des Sinus coronarius Patienten mit einer KHK helfen kann.

Der zunehmende Erfolg von Bypass-Operationen und minimalinvasiven Herzkathetereingriffen verringerte jedoch das Interesse an diesem Eingriff. Durch die steigende Zahl an Patienten mit refraktärer Angina Pectoris, welche nicht für einen Revaskularisationseingriff geeignet sind, rückt nun das Sinus Reducer System wieder verstärkt in den Fokus.

 

Abb 1: Ansicht des Herzens von dorsal

Anatomie
Der venöse Abfluss des Blutesaus den Koronargefäßen erfolgt zu 75% über dasSinus-coronarius-System. Dabei münden die meisten Herzvenen(z.B. V. cardiaca magna oder V. cardiaca media) in den Sinuscoronarius (SC). Dieser mündet an der Dorsalseite des Herzensin das rechte Atrium. (s. Abb.1)
Der restliche venöse Abflusserfolgt über das transmurale System und das EndomuraleSystem. Diese Venen münden jeweils direkt in das rechte Atrium.

Pathophysiologie
Kommt es im Zuge einer KHK zu einer Koronargefäßstenose von mindestens 50% der Gefäßquerschnittsfläche, so ist die Folge eine temporäre Ischämie des Myokards unter Belastung. Ab einer Stenose von über 70% kann auch eine chronische Ischämie bei Ruhe eintreten.
Oftmals können Patienten für eine Stent-Einlage ungeeignet sein, wenn diese Stenosen in distalen, sehr kleinen und engen Koronararterien sowie diffus auftreten. Sind zusätzlich noch weitere Komorbiditäten vorhanden, so kommt für diese Patienten auch eine Bypass-Operation nicht in Frage.

Wirkmechanismus
Durch die Einlage des Sinus Reducer Systems wird der Sinus coronarius verengt. Der erhöhte Druck im SC soll einen rückwärts gerichteten Druck in den Kapillaren erzeugen. Dies wiederum führt zu einer leichtenDilatation im Durchmesser der Kapillaren und bedingt dadurcheine signifikante Reduktion im Widerstand des Blutflusses.
Das Resultat ist eine Wiederherstellung des normalen Verhältnisses von subepikardialem zu subendokardialem Blutflusses. (s. Abb. 2)

Material
Der Sinus Reducer ist einBallon-expandierender Stent, welcher die Form einer Sanduhr annimmt. Der Durchmesser in der Mitte beträgt ca. 3mm, amdistalen und proximalen Ende dagegen zwischen 9 – 14mm.
Durch diese unterschiedliche Durchmesser kann er sich dem Sinus coronarius optimal anpassen. Zur Lagekontrolleunter Durchleuchtung sind auf dem Sinus Reducer röntgendichte Markierungen angebracht. (s. Abb.3)
Sechs Wochen nach der Implantation ist in die Verstrebungen das Endothel eingewachsen und dadurch kommt es zur kontrollierten Verengung des SC. Der durch die Verengung verursachte Druck soll nun für eine Neuverteilung des Kollateralblutflusses von nicht-ischämischen zu ischämischen Gebieten des Myokards sorgen.

Ablauf der Implantation
Das Sinus Reducer System wird über die rechte Vena jugularis interna implantiert. (s. Abb. 4)

Quelle: Nikolas Fräulin, Studierender Fachmann für medizinisch-technische Radiologie HF, BG MTRA 15