Verschlussschirme (PFO- und ASD-Verschluss)

Einverständniserklärung

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Seit 1974 ist es möglich, intrakardiale Shunts (Verbindungen zwischen der linken und rechten Herzhälfte, z.B. PFO=persistierendes Foramen ovale oder ASD=Vorhofseptumdefekt) interventionell, d.h. mittels eines Herzkatheterzugangs zum Herzen und Implantation eines Verschlussschirms zu beheben. Aktuell ist am Universitätsspital Basel der Amplatzer-Verschlussschirm in Gebrauch.

Der Amplatzer-Verschlussschirm besteht aus einem Nitinol-Geflecht und Dacron. Das Geflecht ist in 2 Scheiben vorgeformt, die über einen „Hals“ miteinander verbunden sind. Die speziellen Eigenschaften des Nitinols erlauben es, dass der Verschlussschirm in einen Katheter gezogen und nach Einführen des Katheters in die gewünschte Herzkammer aus dem Katheter geschoben werden kann und dabei die ursprüngliche Scheibenform wieder annimmt. Wenn der Schirm richtig platziert ist, wird er vom Führungsstilett gelöst, zentriert sich z.B. über einem Vorhofseptumdefekt und fixiert sich mit den beiden Scheiben an dem dazwischenliegenden Rest des Vorhofseptums (Abbildung 1).

Abbildung 1: Schematische Darstellung eines Amplatzerverschlussschirms

 

Bei allen Verschlussschirmen muss für die Dauer von drei bis sechs Monaten eine antithrombotische Therapie (Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten in Tablettenform) meist mit Aspirin oder in Kombination mit Clopidogrel durchgeführt werden, um eine Gerinnselbildung an der Oberfläche des Verschlussschirmes bis zur voll-ständigen Ueberdeckung mit der Herzinnenhaut zu verhüten. Für diese Zeitdauer sollte auch bei entsprechender Gelegenheit eine antibiotische Endokaditisprohylaxe (Einnahme von Antibiotika zur Verhütung einer bakteriell verursachten Herzinnenhautentzündung durchgeführt werden.

Der Patient wird häufig vor dem Eingriff mit einem leichten Beruhigungsmittel und einer antibiotischen Endokarditisprohylaxe vorbehandelt. Der Eingriff wird im Herzkatheterlabor am wachen, ansprechbaren Patienten durchgeführt. Nach einer Lokalanästhesie in der rechten Leiste wird die Oberschenkelvene mit einer dünnen Nadel punktiert, ein feiner Draht durch die Vene vorgeschoben, die Nadel wieder entfernt und eine Schleuse (kurzer Katheter mit Verschlussmembran) in die Vene eingeführt (Seldingertechnik). Nun wird ein langer Draht in den rechten Vorhof vorgeschoben und danach durch den Vorhofseptumdefekt bzw. das offene Foramen ovale in den linken Vorhof vorgeschoben. In der Folge wird über den Draht ein Zuführungskatheter in den linken Vorhof eingeführt und der Verschlussschirm in zusammengefaltetem Zustand im Zuführungskatheter mittels Führungsstilett vorgeschoben. Beim Austreten aus dem Zuführungskatheter öffnet sich die eine Hälfte des Schirms, wonach der Katheter in den rechten Vorhof zurückgezogen und der zweite Teil des Schirms freigegeben wird. Nun wird der Schirm mit dem Führungsstilett richtig platziert und der korrekte Sitz mittels Kontrastmittelröntgenaufnahme oder Herzultraschall überprüft. Bis zu diesem Zeitpunkt kann der Schirm, wenn notwendig, wieder in den Zuführkatheter zurückgezogen und entweder neu platziert oder entfernt werden. Erst nach dokumentiertem korrektem Sitz des Verschlussschirms wird dieser vom Führungsstilett freigegeben und letzteres zusam-men mit dem Führungskatheter entfernt. Ein leichter Druckverband an der Punktionsstelle und ruhiges Liegen für einige Stunden beugen einer Blutergussbildung an der Punktionsstelle vor. Danach ist der Patient wieder vollständig mobil.

Der Amplatzer-Verschlussschirm weist eine sehr niedrige Komplikationsrate auf (Verletzung von Herzhöhlen oder Wegschwimmen von Teilen oder des gesamten Schirms werden kaum mehr beobachtet). Da sich auch die Behandlung nach der Implantation stark vereinfacht hat – früher vollumfängliche Blutverdünnung – und heute meist nur noch Aspirin allenfalls in Kombination mit Clopidogrel gegeben wird, werden auch relevante Blutungskomplikationen an der Punktionsstelle in der Leiste kaum noch beobachtet. Ein kleines Hämatom kann in einigen Fällen auftreten. Eher als eine Nebenwirkung denn als eigentliche Komplikation können die während und häufig für ein bis zwei Tage nach der Implantation auftretenden supraventrikulären Extrasystolen (Herzrhythmusstörungen) bezeichnet werden. Diese benötigen im Allgemeinen keine spezielle Behandlung.

Üblicherweise wird der Sitz des Verschlussschirms noch am selben Tag oder am folgenden Morgen mit einer transthorakalen (durch den Brustkorb hindurch) Echokardiographie geprüft. Danach kann der Patient aus dem Spital entlassen werden und normale, alltägliche Betätigungen aufnehmen. Sportliche Tätigkeit ist nach einigen Tagen wieder möglich. Die Blutplättchenhemmenden Medikamente müssen regelmäßig für drei bis sechs Monate eingenommen werden. Auch empfiehlt es sich, bei entsprechender Situation eine antibiotische Endokarditisprophylaxe durchzuführen. Nach echokardiographischen Kontrollen können nach drei respektive sechs Monaten die Medikamente gemäss Empfehlung des Arztes abgesetzt werden.

Abbildung 2: Korrekt platzierter Schirm im Röntgenbild