15. Oktober 2019

Stress, Gene und emotionales Gedächtnis: neue Strategien zur Behandlung von Angststörungen

Prof. Dr. med. Dominique de Quervain Division of Cognitive Neuroscience, Universität Basel

 

Stress hat einen bedeutenden Einfluss auf emotionale und kognitive Prozesse. Dem Stresshormon Cortisol kommt dabei eine spezielle Bedeutung zu, da es den Gedächtnisabruf beträchtlich behindert. Diese Hormonwirkung kann in Prüfungssituationen zum berüchtigten «Blackout» beitragen. Die hemmende Wirkung von Cortisol auf den Gedächtnisabruf könnte aber auch positive Effekte haben, nämlich dann, wenn es sich um traumatische oder angstvolle Gedächtnisinhalte handelt. In der Tat zeigen mehrere RCTs, dass Cortisolgaben bei Patienten mit einer posttraumatischen Belastungsstörung und bei Patienten mit Phobien positive Effekte haben. Die Fähigkeit, sich an emotionale Ereignisse zu erinnern, ist bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. In den letzten Jahren konnten wir mit Hilfe genetischer Studien mehrere Gene identifizieren, die mit emotionalem Gedächtnis bei Gesunden und traumatischem Gedächtnis bei Patienten zusammenhängen. Wir erhoffen uns, durch die neu gewonnenen Erkenntnisse einen Beitrag zur Entwicklung neuer Therapien von Angststörungen leisten zu können.

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