Radiopharmaka für nuklearmedizinische Therapien

Bei den nuklearmedizinischen bildgebend-diagnostischen Verfahren SPECT und PET (Single Photon Emission Computed Tomography und Positronen-Emissions-Tomografie) werden ausschliesslich Energiestrahler, gamma- (γ) und Positronen- (β+) emittierende Radioisotope, verwendet.  Im Gegensatz dazu kommen bei therapeutischen Verfahren alpha- (α) und beta- (β) emittierende Radioisotope zu Anwendung. Der Einsatz von Partikelstrahlern (α und β) ermöglicht die interne Bestrahlung von krankem Gewebe, während gesunde Organe weitgehend geschont werden. Am Universitätsspital Basel (Abteilung für Nuklearmedizin) werden u. a. folgende Isotope für Therapien angewendet:

  • Iod (131I) zur Therapie von Schilddrüsenerkrankungen
  • Yttrium (90Y) markierte Mikropartikel für die Behandlung von Lebertumoren und -metastasen (selektive interne Radiotherapie – SIRT)
  • Yttrium (90Y), Rhenium (188Re) und Europium (169Er) zur Radiosynoviorthese (Behandlung entzündeter Gelenke)
  • Yttrium (90Y)-Zevalin zur Behandlung von Lymphomen

Die meisten der dabei verwendeten Radiopharmaka werden von der Abteilung für Radiologische Chemie angefertigt.

Therapie von neuroendokrinen Tumoren

Zur Behandlung neuroendokriner Tumoren setzen wir neben handelsüblichen Radiopharmaka die von unserem Forschungsteam in Basel neu entwickelten Arzneimittel ein:

  • 90Y/177Lu-DOTA-TOC/-TATE zur Behandlung von neuroendokrinen Tumoren, die Somatostatin-Rezeptoren überexprimieren
  • 90Y/177Lu-DOTA-Substanz P zur Therapie von hochgradigen Hirntumoren und multiforme Glioblastoma
  • 90Y/177Lu-Rituximab zur Behandlung von Lymphomen

Zur Herstellung der Radiotherapeutika für die Behandlung neuroendokriner Tumoren wird ein geeignetes Radionuklid (z. B. 90Y oder 177Lu) an die Trägersubstanz (z. B. DOTA-TOC/-TATE, DOTA-Substanz P, Rituximab) gekoppelt und in dieser Form in die Blutbahn injiziert. Das Arzneimittel gelangt aufgrund seiner biologischen Affinität zu Rezeptoren auf der Tumorzelloberfläche zum Tumorgewebe, welches durch das mitgeführte Radionuklid direkt bestrahlt und somit zerstört wird.

Auf der Neu- und Weiterentwicklung dieser hoch spezifischen Radiopharmaka für die Onkologie liegt einer unserer wissenschaftlichen Schwerpunkte. Sie brachten unserem Forschungsteam (Abteilungen für Radiologische Chemie sowie für Nuklearmedizin) weltweite Anerkennung ein. Unsere Ergebnisse wurden in zahlreichen Fachzeitschriften und an Kongressen veröffentlicht.

Leicht verständliche Beiträge über die DOTATOC-Therapie am Universitätsspital Basel wurden 2011 im Schweizer und im lokalen Fernsehen ausgestrahlt:

Informationen zur Radionuklidtherapie finden Sie auf unseren Seiten für Patientinnen und Patienten sowie im Artikel zur Nuklearmedizinischen Bettenstation (erschienen in der Zeitschrift des Bereichs Medizinische Querschnittsfunktionen, Universitätsspital Basel: «Q-Zeitung/QUER» 01/2011).