News aus der Radiologie und Nuklearmedizin

 
27. Mai 2016

3D-Druck erleichtert Entfernung eines Tumors aus dem Herzen

Vor einem komplizierten Eingriff sind neulich die Herzchirurgen des Universitätsspitals Basel gestanden. Sie mussten einem Patienten einen Tumor aus der Herzscheidewand entfernen. Weil nicht klar war, ob der Tumor in wichtige Strukturen des Herzens eingewachsen und somit überhaupt operabel war, erstellte die Radiologie des Universitätsspitals Basel ein 3D-Modell des Herzens in Originalgrösse mit dem sich darin befindlichen Tumor. Dies erleichterte die Planung des Eingriffs sowie die Entfernung des Tumors enorm und trug wesentlich zum guten Gelingen der Operation bei.

 

Der Druck von 3D-Modellen eröffnet Chirurgen heutzutage ganz neue Möglichkeiten. So sorgen dreidimensionale Modelle nicht nur dafür, dass man sich eine Problemstellung wie zum Beispiel eine Fehlbildung oder eine Erkrankung viel einfacher und plastischer vorstellen kann, sondern sie tragen auch dazu bei, dass ein Eingriff bedeutend besser planbar wird. Dank einer optimierten Planung können Operationszeiten verkürzt und schonendere Operationsmethoden angewendet werden.

Gerade bei einem so komplexen Organ wie dem Herzen können 3D-Modelle in Originalgrösse von grosser Bedeutung sein. Das hat sich beispielsweise kürzlich bei einem Eingriff gezeigt, als das Team von Prof. Friedrich Eckstein, Chefarzt Herzchirurgie des Universitätsspitals Basel (USB), einem Patienten einen Tumor aus der Herzscheidewand entfernen musste. Um Klarheit zu haben, ob der Tumor bereits wichtige Herzstrukturen angegriffen hatte, fertigten die Radiologen des USB aufgrund der Daten der Herz-Computertomografie ein solches 3D-Modell im Massstab 1:1 an. Dabei zeigte sich, dass der pfirsichkern grosse Tumor gut abgrenzbar und in keine wichtige Struktur des Herzens eingewachsen war und deshalb gefahrlos entfernt werden konnte.

Vor der Operation konnte dem Patienten am 3D-Modell anschaulich aufgezeigt werden, wie der Eingriff verlaufen wird. Auch für den Operateur und das gesamte OP-Team war das 3D-Modell äusserst hilfreich, weil der Ablauf der Operation besser geplant werden konnte. 3D-Modelle helfen also direkt mit, die Qualität eines Eingriffs zu erhöhen, denn eine möglichst detaillierte OP-Vorplanung verkürzt die Operationsdauer und senkt das Operationsrisiko. Letztlich können auch Kosten gespart werden

USB mit eigenem 3D-Druck-Labor

Dass die Herzchirurgie von den neuen Optionen, welche der 3D-Druck mit sich bringt, profitiert, freut Chefarzt Eckstein: «Bei komplexen Fällen in der Herz- und Aortenchirurgie haben wir den Einsatz von 3D-Modellen routinemässig etabliert. Dies erleichtert unsere Arbeit eindeutig, hilft bei der Ausbildung des medizinischen Personals, der Aufklärung der Patientinnen und Patienten und erhöht die Patientensicherheit.»

Die USB-Radiologen PD Dr. Tobias Heye und Dr. Philipp Brantner begannen vor rund zwei Jahren, sich intensiv mit dem Thema 3D-Druck auseinanderzusetzen, primär um den chirurgischen Fächern für die Operationsplanung dreidimensionale Organe zur Verfügung zu stellen. Unterdessen hat das USB ein eigenes 3D-Druck-Labor in Betrieb genommen. Mit diversen Druckern wird das Spektrum an Dienstleistungen derzeit weiter ausgebaut, so dass neben der Chirurgie alle interessierten Disziplinen diesen Service für ihre Patientinnen und Patienten in Anspruch nehmen können.

Das fertige 3D-Modell (© USB 2016)

Der Tumor und das gedruckte Modell im Vergleich (© USB 2016)