03. Mai 2016

Besuch der alten Dame – in 3D

Rund 7400 Jahre alt ist die ungewöhnliche 'Patientin', die in der Radiologie exakt und in 3D untersucht wurde. Die alte Dame traf am Universitätsspital Basel auf das weltweit erste 3D-Röntgengerät.

 

1944 wurde aus der Birsmatten-Basisgrotte bei Nenzlingen (Basel-Landschaft) ein ca. 7400 Jahre altes weibliches Skelett geborgen. Im Rahmen einer Neubearbeitung und Neudatierung dieses Fundplatzes, einer der bedeutendsten mesolithischen Fundstellen der Schweiz, brachte Dr. Sandra Pichler, Archäologin am Institut für Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Basel, die älteste Schweizerin zur Untersuchung in die Radiologie des Universitätsspitals Basel.

Das gut erhaltene Skelett wurde mit der neusten Röntgentechnik, dem Multifunktionsröntgengerät Multitom Rax (Siemens Healthcare) untersucht (vgl. die News vom 4.3.2016 und den Bericht in unserem Jahresbericht, S. 10–11). Als weltweit erstes 3D-Röntgengerät wurde es im Oktober 2015 am Universitätsspital installiert. Es erlaubt neben Röntgenaufnahmen auch 3D-Tomografien mit hochauflösenden CT-Bildern (Computertomografie) und zeigt die alte Dame aus unbekannter Perspektive. Schicht für Schicht – für einmal wurden nicht nur die Fundstelle, sondern auch das Fundobjekt auf diese Weise erschlossen. Die in den radiologischen Schichten zu Tage getretene dichte Knochenstruktur ist indes nicht verwunderlich, da die alte Dame zu Lebzeiten – um ca. 5400 Jahre v. Chr. – einer Osteoporose durch ausreichende Bewegung vorbeugte. Erste radiologische Analysen zeigen zudem Impressionsfrakturen der Schädelkalotte und bislang nicht dokumentierte Restaurierungsmassnahmen. So wurde ein Holzstab zur Fixierung der Knochenfragmente eingesetzt.

Aus den Untersuchungen erhofft sich Dr. Pichler neue Erkenntnisse zur damaligen Lebensweise und die Klärung von zum Teil strittig diskutierten Vorbefunden.

Schädel der 'ältesten Schweizerin' mit einer verheilten Impressionsfraktur (Kreis). Die Archäologin Dr. Sandra Pichler erklärt Dr. Anna Hirschmann (Leiterin der Abteilung für muskuloskelettale Diagnostik) die morphologischen Veränderungen der Knochen.

Die Untersuchung durch die neuste Röntgentechnik am Multitom Rax zeigt die gut erhaltene Knochenstruktur des Oberschenkels: Röntgen (links), 3D-Tomografie (Mitte), Oberflächenrekonstruktion aus dem 3D-CT-Datensatz (rechts). Ausserdem offenbaren die radiologischen Bilder einen Holzstab (Pfeil), der nach den Ausgrabungen zur Fixierung der Knochenfragmente benutzt wurde und in den bisherigen Aufzeichnungen über das Skelett nicht dokumentiert worden ist.